[Rezension] Bettina Brömmes „18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus“

Grunddaten:

Autor: Bettina Brömme

Titel: 18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus

Taschenbuch: 312 Seiten

ISBN: 978-3401602929

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Franzi und ihre Mädels sind endlich 18! Aber irgendwie hatten sie sich das Erwachsensein anders vorgestellt. Die Liebe ist immer noch eingroßes Rätsel, die Zukunft ein schwarzes Loch und für alles soll man plötzlich selbst Verantwortung übernehmen. Auf YouTube wollen sie Jüngere „vorwarnen“, dass 18 werden nicht so cool ist, wie man denkt. Vor allem Franzi ist voll in ihrem Element, als der Channel wächst und wächst. Doch dann überschatten die Probleme der analogen Welt den Spaß an den Videos und Franzi muss sich entscheiden, was sie will …

Meine Meinung:

Mit diesem spritzigen Roman legt uns die Autorin die perfekte Lektüre vor, um sich noch einmal in die Probelme einer Achtzehnjährigen hineinzuversetzen. Authentische Charaktere, treffen auf das Thema You-Tube – inklusive großer Emotionen!

Wir bekommen diese tolle Story direkt aus Sicht der Protagonistin Franzi erzählt. Das hat den Vorteil, dass wir immer nah am Geschehen sind und auch ganz oft mitbekommen, was sie sich zu ihren You-Tube-Filmen denkt, während sie filmt. Ich würde sie zwar nicht als verschlossen bezeichnen, aber trotzdem enthält sie sich aus Höflichkeit oft eines Kommentars. Aufgelockert wird der überaus flüssige Schreibstil zusätzlich noch durch die Drehbücher für die Videos, die Franzi im Verlauf der Story aufnimmt. Locker-flockige Schreibe – ein großes Lob dafür.

Franzi  hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Natürlich sind sowohl Franzi als auch ihre Freundinnen Platzhalter, die durch andere Figuren ausgtauscht werden könnten, da es um die Beschreibung des Lebens mit 18 Jahren geht, aber trotzdem hatte ich von Anfang an einen direkten Draht zu dieser jungen Frau, die für ihre Überzeugungen einsteht und für ihren Traum kämpft. Gerade ihre aufmüpfige Ader konnte ich nachvollziehen, weil ich in diesem Alter ähnliche Konflikte mit meinen Eltern hatte, die teils auch sehr unschön waren. Sie ist chaotisch, eigensinnig und doch so hilfsbereit und geradlinig, dass sie nicht nur Sympathien weckt, sondern auch authentisch ist und zu keinem Zeitpunkt blöd rüberkommt.

Mit den vier Freundinnen von Franzi hat die Autorin ein Spektrum an Individuuen geschaffen. Zum einen haben wir Mai die Streberin, der ihre Noten über alles gehen und die sich darüber hinaus mit einer Patchwork-Familie herumschlagen mus. Dann haben wir die kämpferische, freigeistige und vor allem kreative Jella, die kein Blatt vor den Mund nimmt, und deren Zwillingsschwester Alwa, die sich von ihrer unbefriedigenden Beziehung nicht lösen kann und einen gewissen Ruhepol in die illustere Runde bringt. Die Mädels haben sich wirklich super ergänzt und ich konnte ihnen voll und ganz abnehmen, dass sie immer für einander einstehen werden.

Mein einziger Minikritikpunkt geht an die Hintergrundhandlung. Sicherlich war es Absicht, dass man eben einfach einen Ausschnitt aus dem Leben einer 18-jährigen Abiturientin zu lesen bekommen hat. Aber das Ende war sehr abrupt und ich hab mich dann einfach gefragt: Was ist danach mit den Charakteren passiert, die man doch gerade ins Herz geschlossen hat?

Das Gefühl, das dieser Roman während des Lesens erzeugt, ist einfach unbeschreiblich. Ich habe mich wieder in mein Leben mit 18 hineinversetzt und habe auch viel über meine eigene Abizeit, meine Freunde und derzeitige Liebe nachgedacht. All das hat die Autorin mit diesem Werk geschafft. Aber die Message ist klar: Jeder ist anders und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber gemeinsam ist es eben schöner, diesen Weg zu gehen.

Für mich eine spannende Lektüre, die ein tolles Gefühl erzeugt und darüber hinaus noch mit tollen Charakteren und vielen Emotionen aufwarten kann.

Bewertung: 4,5/5


[Rezension] Jo Bergers „Himmelreich mit Herzklopfen: Amors Four “

Grunddaten:
Autor: Jo Berger

Titel: Himmelreich mit Herzklopfen (1)

eBook: 222 Seiten

ASIN: B072B9PZ44

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

In Himmelreich ist die Hölle los! Eine Fabrik für Gertruds Halspastillen soll entstehen, doch dann bringt ein spektakulärer Fund die Bauarbeiten zum Erliegen. Das ganze Dorf gerät in Aufregung und mittendrin versucht die Großstädterin Fee, sich an das Landleben zu gewöhnen.
Köchin Ronja und Hochzeitsplanerin Nicole erweisen sich als neue Freundinnen, doch gleichzeitig muss Fee sich mit dem unausstehlichen Bauleiter David herumschlagen, der immer dann auftaucht, wenn sie ihn am wenigsten brauchen kann. Und da ist noch der tätowierte Bad Boy Marlon, der ihr Herz wider Willen höherschlagen lässt …

Meine Meinung:

Mit „Himmelreich mit Herzklopfen“ legt uns Jo Berger den ersten Teil der zweiten Himmelreich-Staffel vor. Witzige Dorfbewohner, ein tolles Setting, in dem man sich sofort wie daheim fühlt und ganz viele Emotionen, die den Leser schon auf der ersten Seite abholen. Für mich ein gelungener Auftakt!

Wir bekommen diese Story direkt aus Sicht der Protagonistin Fee erzählt, die an sich schon ein mitteilsamer Mensch ist, deren Gedanken aber auch für den ein oder anderen Schmunzler sorgen. So hat der Leser den Vorteil, dass er ihre Emotionen direkt und ungefiltert genießen darf, was mir sehr viel Spaß bereitet hat. Der Schreibstil von Jo Berger ist gewohnt locker und lustig gehalten, sodass ich das Buch innerhalb von 24 Stunden verschlungen habe.

Auch wenn Fee zunächst wie eine typische Großstädterin erscheint, war sie mir doch von der ersten Seite an sympathisch. Vielleicht lag das auch daran, dass ich einen örtlichen Bezug herstellen konnte, da auch sie aus Frankfurt kommt. Sie macht eine starke Wandlung im Lauf der Geschichte durch und wie sie durfte auch ich das Landleben kennen- und lieben lernen. Von daher war das genau meine Geschichte und Fee hätte sie nicht besser transportieren können. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, gesteht sich ihre Schwächen ein und findet schnell Anschluss, was sie überaus authentisch erscheinen lässt.

Bei den Nebencharakteren hat die Autorin voll in Schwarze getroffen. Ich muss zugeben, dass das mein erster Himmelreich-Roman ist und ich mich sofort wie zu Hause gefühlt habe. Das lag zum größten Teil an den skurrilen, herzlichen und individuellen Menschen, die einem in diesem beschaulichen Örtchen begegnen. Man kann problemlos mit der zweiten Staffel beginnen, denn ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, irgendwo nicht mitzukommen. Neben den Handlungen der Protagonistin Fee geschieht auch so allerlei Aufregendes mit den Nebencharakteren. Hier sind am Ende der Geschichte noch ein paar Fragen offen geblieben, von denen ich hoffe, sie im nächsten Band geklärt zu wissen.

Die Spannung war für mich durchgehend vorhanden, weswegen ich die Geschichte auch praktisch verschlungen habe. Trotzdem muss ich einen kleinen Kritikpunkt anbringen, weil die Story an sich sehr schnell vorhersehbar war und ich nicht mehr überrascht wurde. Das fand ich jetzt nicht sooo schlimm, weil Charaktere und Setting gepasst haben, aber trotzdem hätte ich mir ein paar unvorhersehbare Wendungen gewünscht. Die Figuren haben sich teilweise sehr drehbuchartig verhalten. Der Schluss war sehr abrupt. Hier hätten der Geschichte vielleicht noch ein, zwei Seiten mehr sicherlich gut getan, aber wir dürfen im Juli ja nach Himmelreich zurückkehren und dann geht es auch mit Fee sicherlich weiter.

Eine insgesamt liebevolle Story, die mich wirklich berührt hat und nach Himmelreich entführen konnte. Ich bin jetzt schon ein Fan der Reihe und froh, dass die erste Staffel komplett vorliegt, sodass ich sie demnächst auch mal genießen werde.

Bewertung: 4/5


[Rezension] Kim Kestners „Anima“

Grunddaten:

Autor: Kim Kestner

Titel: Anima

Hardcover: 480 Seiten

ISBN: 978-3401602523

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Für Abby ist es die schönste Zeit des Jahres! Jeden Sommer verbringt sie mit ihrer Familie die Ferien im Nationalpark Acadia. Doch diesmal wird die Idylle überschattet: Der zur Unterhaltung engagierte Magier Juspinn fasziniert die Feriengäste nicht nur mit seiner Show – er scheint sie zu manipulieren. Mit Schrecken muss Abby feststellen, wie sich ihre Familie und Freunde mehr und mehr zum Schlechten verändern. Besonders ihre Schwester Virginia ist auf einmal wie von Sinnen. Abby selbst spürt nicht nur die Anziehungskraft des Fremden, sondern auch die Gefahr, die von ihm ausgeht. Juspinn scheint auf der Suche zu sein, nach etwas, das nur sie ihm geben kann.

Meine Meinung:

„Anima“ ist ein Fantasy-Jugendbuch, das mich durch eine interessant gestaltete Hintergrundstory überzeugen konnte, leider trifft das nicht auf alle Chraktere zu, denn vor allem mit der Protagonistin habe ich mir im Verlauf der Geschichte sehr schwer getan.

Wir bekommen die Story zu großen Teilen aus der Sicht von Abby erzählt. Das erweist sich als gelungen, da Abby ein eher verschlossener Charakter ist und viele Dinge lieber mit sich selbst ausmacht. So kann der Leser ihre Gedankengänge und Gefühle nachvollziehen, obwohl sie nicht immer darüber spricht. Der Schreibstil war überaus gelungen, weil er auf der einen Seite locker ist und auf der anderen Seite auch fesseld sein kann. Besonders gut haben mir im gesamten Roman die Umgebungsbeschreibungen gefallen, weil sie sehr bildhaft waren, aber dennoch Platz für eigene Fantasien gegeben haben.

Wie schon erwähnt, hatte ich mit Abby leichte Probleme. Zu Beginn der Geschichte konnte ich ihr ihre Rolle vollkommen abnehmen. Sie war für mich ein authentisches Komplettpaket, so wie sie dargestellt wurde. Im Verlauf der Handlungen hat sie allerdings immer mehr von ihrer Echtheit eingebüßt, besonders bei den Liebespassagen bzw. Flirterein mit Juspinn. Die Autorin versucht zwar glaubhaft dazustellen, warum sie sich teilweise so hörig verhält, aber trotz allem konnte ich das Abby nicht abnehmen. Meiner Meinung nach hat sie sich von Juspinn viel zu sehr in seinen Bann schlagen lassen. Auch wenn sie „erst“ 18 Jahre alt ist und man da noch so richtig für einen Jungen schwärmen kann, war mir das an manchen Stellen too much. Juspinn hat mir da schon viel besser gefallen. Auch er macht eine Wandlung durch, büßt dabei aber nicht seine typischen Merkmale und Macken ein und bleibt deshalb für mich der überzeugendere Protagonist.

Bei den Nebencharakteren waren für mich einige Perlenen dabei, wie beispielsweise Juspinns Schwester. Sie nimmt den Leser ab dem ersten Auftritt für sich ein und hat mich direkt überzeugen können. Auch Abbys Eltern sind in den ersten Szenen glaubhaft dargestellt und ergeben in ihrer Einheit einen tieferen Sinn.

Die Spannung war zu Beginn und im hinteren Drittel durchweg vorhanden. Lediglich in der Mitte sind einige Passagen, denen ein paar Seiten weniger durchaus besser getan hätten, weil hier gefühlt wenig bis nichts passiert (sowohl emotional als auch von der Handlung her). Dafür fehlen dem Schluss definitiv einige Seiten, denn das Ende hat mich enttäuscht zurückgelassen, weil es so abrupt kam und der Epilog auch zügig abgehandelt wurde, was ich sehr schade finde, weil gerade die Auflösung des ganzen gut-oder-böse-Konflikts doch am interessantesten für den Leser ist.

Insgesamt habe ich Anima gerne gelesen und kann es den jüngeren Leserinnen empfehlen, weil sie sicherlich mehr wert auf die Liebesgeschichte und die Schwärmerei zwischen Abby und Juspinn legen. Gute Fantasyelemente, ein wenig Grusel, Spannung und viele kitschige Dialoge werden bei dieser Lektüre mitgeliefert.

Bewertung: 3,5/5 Sterne


[Rezension] Sebastian Fitzeks „Das Paket“

Grunddaten:

Autor: Sebastian Fitzek

Titel: Das Paket

Hardcover: 368 Seiten

ISBN: 978-3426199206

Verlag: Droemer

 

Klappentext:

Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet.
Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.
Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt …

Meine Meinung:

Mit „Das Paket“ legt Herr Fitzek endlich wieder einen durchdachten Psychothriller vor, der mir deutlich besser gefallen hat als „Passagier 23“, leider aber trotzdem nicht an „Der Augensammler“ herankommt.

Wir bekommen diese packende Geschichte aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, da im Verlauf der Handlungen immer wieder Zeitsprünge gemacht werden und man sich so in die verschiedenen Cahraktere hineinversetzen kann. Die eigentliche Geschichte setzt nach einer kurzem kurzen Ausflug in die Vergangenheit ein und wird dann weitgehend chronologisch erzählt. Obwohl wir eine relativ große Distanz zu Emma durch diese Perspektivenwahl hatten, konnte ich ihre inneren Konflikte und auch die wahnhaften Gedankengänge sehr gut verstehen und nachvollziehen. Hier hat sich der Autor wieder selbst übertroffen.

Emma ist wohl eine sehr vielschichtige Protagonistin. Schon im Prolog wird klar, dass sie keine leichte Kindheit hatte und vieles darauf zurückzuführen ist. Umso erstaunlicher ist es dann, was sie sich trotz allem aufgebaut hat und dass sie sogar Psychiaterin geworden ist. Die Ironie dahinter ist wirklich gut gelungen, so wird die eigentlich Helfende selbst zur Hilfsbedürftigen. Was ich an Herrn Fitzek immer schon bewundert habe, ist seine Kunst, die Psyche eines Menschen in tausend Einzelteile zu zerlegen. Irgendwann tritt bei jeder Geschichte der Zeitpunkt ein, an dem man selbst nicht mehr weiß, was nun Realität ist und was reiner Wahnsinn oder Fiktion. Das ist ihm in diesem Buch, speziell mit Emma, sehr gut gelungen. Gerade durch ihren Beruf und ihre Selbstanalyse ist die paranoide Darstellung noch mal eine Spur krasser.

Was ich hier ein bisschen vermisst habe, ist die Intensität der Nebencharaktere. Sie sind zwar vorhanden und spielen auch ihre Rolle entsprechend gut, um die Geschichte abzurunden, allerdings fehlte mir etwas Seele. Gerade das Aufbauen einer Verbindung zu den einzelnen Personen macht es ja aus, dass man mit ihnen mitfühlen kann. Außer beim Postboten war das für mich in diesem Roman nicht gegeben. Sie bleiben größtenteils graue Schatten, die direkt wieder aus dem Gedächtnis raus sind.

Kommen wir zur Spannung. Dort muss ich einen größeren Kritikpunkt anbringen. Die erste Hälfte war unglaublich fesselnd und spannend geschrieben. Hier habe ich das Buch praktisch nicht aus der Hand legen können und die Kapitel in einem Rutsch gelesen. Dann irgendwann fing es an, dass sich Herr Fitzek selbst die Spannung genommen hat, indem er einigen Dingen vorgegriffen hat und sie nur noch ausführlicher hinten heraus beschrieben hat. Hätte er im Vorfeld manche Details gar nicht erwähnt, wäre die Überraschung für den Leser noch größer gewesen. Auch war die Auflösung des ganzen relativ – ich sage extra realtiv – unspektakulär. Ich bin einfach ein riesiger Fan vom Augensammler bzw. Augenjäger und hier waren die Finale einfach bombastisch. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem vergleichbaren Buch.

Das ganze Psychologiethema hat mir sehr gut gefallen, weil man beide Kehrseiten der Medaille gesehen hat. Auf der einen Seite die starke Psychotherapeutin, die für ihre Patienten einsteht und versteht, was diese umtreibt. Und auf der anderen Seite eine zerbrechliche Seele, die weiß, was mit ihr vor sich geht, die aber machtlos ist, sich dagegen zu wehren. Hier ist der Spagat zwischen Realität und Wahn mehr als gelungen und das möchte ich einfach noch mal lobend hervorheben.

Insgesamt ein rasanter Psychothriller, der den Leser kaum zu Atem kommen lässt. Eine starke Protagonstin, etwas schwächere Nebencharaktere und eine Story, die einem eine Gänsehaut beschert. Für Fans eine klare Leseempfehlung.

Bewertung: 4/5


Rezension zu Lori Nelson Spielmans „Morgen kommt ein neuer Himmel“

Grunddaten:

Autor: Lori Nelson Spielman

Titel: Morgen kommt ein neuer Himmel

Taschenbuch: 400 Seiten

ISBN: 978-3596196357

Verlag: Fischer

 

Klappentext:

Als Brett 14 Jahre alt war, hatte sie noch große Pläne für ihr Leben, festgehalten auf einer Liste mit Lebenszielen. Heute, mit 34 Jahren, ist die Liste vergessen und Brett mit dem zufrieden, was sie hat: einen Freund, einen Job, eine schicke Wohnung.
Doch als ihre Mutter Elizabeth stirbt, taucht die Liste wieder auf: Aus dem Mülleimer gefischt, hat ihre Mutter die Liste aufgehoben, und deren Erfüllung zur Bedingung gemacht, damit Brett ihr Erbe erhält – und zwar innerhalb von 12 Monaten.

Aber Brett ist nicht mehr das Mädchen von damals. Ein Baby bekommen? Das hat sie schon lange ad acta gelegt. Ein Pferd kaufen? In ihrer Wohnung sind nicht mal Haustiere erlaubt. Eine gute Beziehung zu ihrem Vater aufbauen? Ha – der ist seit sieben Jahren tot. Sich verlieben? Die einzig wahre, große Liebe gibt es doch nur im Film.

Um sie bei der Erfüllung ihrer Ziele zu unterstützen, hat ihre Mutter Brett mehrere Briefe hinterlassen. Wütend, enttäuscht und verletzt liest Brett den ersten Brief – und ist überwältigt von der liebevollen und fürsorglichen Nachricht ihrer Mutter, die gespürt hat, dass Brett in ihrem Leben nicht glücklich ist. Die Briefe ihrer Mutter rufen Brett dazu auf, ihre Träume nicht aufzugeben und ihr Leben in die Hand zu nehmen – denn nur sie selbst kann es ändern …
Kann Elizabeth ihrer Tochter dabei helfen, sich selbst wiederzufinden?

Meine Meinung:

Mit „Morgen kommt ein neuer Himmel“ konnte die Autorin einen gefühlvollen Roman vorlegen, der mich bis auf das Ende überzeugen konnte. Eine starke Protagonistin und eine durchdachte Hintergrundstory runden das Ganze ab.

Wir bekommen diese emotionale Geschichte aus der Sicht der Hauptperson Brad erzählt. Diese Perspektive ist die einzig wahre, denn die Arme wird im Verlauf der Story mehr als einmal in ein Gefühlschaos gestürzt und so weiß der Leser immer direkt, was in ihr vorgeht. Der flüssige, aber doch fesselnde Schreibstil hat das Lesen zu einem echten Genuss gemacht. Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen, weil mich Brads Schicksal berührt und nicht mehr losgelassen hat. Durch die Briefe ihrer Mutter wird auch der Fließtext immer wieder aufgelockert und das Mitgefühl beim Leser angesprochen.

Brad hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Ich konnte ihren Verlust nachfühlen und fand sie auf Anhieb sympathisch, weil sie nicht als starke Kämpferin dargestellt wird, sondern auch Schwächen und Ängste zeigt, sich sogar teilweise davon leiten lässt. Auch wächst sie über sich selbst hinaus; lacht, weint und ist einfach menschlich.

Die Nebencharaktere waren wirklich vielzählig, weil wir auf der einen Seite das alte Leben der Protagonistin kennenlernen, aber eben auch ihren neuen Weg sehen und somit auch neue Personen treffen. Die Nebencharaktere waren super ausgearbeitet und wenig klischeebehaftet. Gerade diese Individualität hat mir sehr imponiert. Egal, wer uns im Verlauf der Geschichte begegnet, er oder sie haben garantiert ein eigenes Päckchen zu tragen und sind deshalb auch als Person interessant.

Die Spannung war durchgängig vorhanden. Schon auf der ersten Seite hat mich Brad emotional abgeholt. Lediglich das Ende war für mich nicht rund bzw. ich war ein wenig enttäuscht, warum die Autorin hier die Luft rausgelassen hat. Aber gerade das hintere Drittel hält für seine Leser einige Überraschungen und Wendungen parat. Generell kann man sagen, dass Brads Geschichte einen mit auf eine Reise nimmt und in ihre Gefühlswelt entführt.

Wer befürchtet, dass wir es mit einem „P.S.: Ich liebe dich“-Verschnitt zu tun haben, den kann ich beruhigen. Es gibt zwar Briefe von Brads Mutter, die die Struktur des Erzählens, wie bereits geschrieben, auflockern, aber der Geschichtsverlauf und die Hintergrundstory sind ganz anders. Trotzdem sollten wir unsere Taschentücher bereithalten, weil die Themen wie Tod, Neuanfang und Emotionen ganz im Vordergrund stehen.

Insgesamt hat mir dieser Roman sehr gut gefallen und konnte mich abschließend überzeugen. Toll ausgearbeitete Charaktere, spannende Wendungen und: ganz viel Gefühl. Die Liebe, der Tod, scheitern, bangen, hoffen – ein Geschichte über das Leben und seine Wendungen. Hier kann ich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


[Rezension] Élaine Briags „Mein Sommer mit Mémé“

Grunddaten:

Autor: Élaine Briag

Titel: Mein Sommer mit Mémé

Klappbroschur: 304 Seiten

ISBN: 978-3959670524

Verlag: HarperCollins

 

Klappentext:

Großmutters Château im Burgund zu renovieren, passt überhaupt nicht in die Pläne der jungen Antiquitätenhändlerin Paula. Denn sie wollte sich in Paris mit ihrem Verlobten Jakob treffen. Aber Großmutter, Mémé genannt, setzt die liebevollen Daumenzwingen an und versammelt nach langer Zeit wieder die ganze Familie an einem Tisch. Zwischen köstlichem Essen, Familienzwist und einigen Gläsern Wein findet Paula heraus, welches Geheimnis Mémé verbirgt – und was das für Paulas Zukunft bedeutet.

Meine Meinung:

Mit „Mein Sommer mit Mémé“ legt Élaine Briag einen lockeren Sommerroman vor, der nicht nur mit seinem französisch-leichten Schreibstil überzeugen kann, sondern auch mit Charakteren, die authentisch sind. Ein traumhaftes Setting rundet das Ganze ab.

Wir bekommen diese einfühlsame Geschichte aus Sicht der Protagonistin Paula erzählt. Diese Perspektive ist für den Leser ein Glücksgriff, da Paula doch sehr in sich gekehrt ist und viele Konflikte lieber im Stillen löst. Der Schreibstil ist locker gehalten, um ein Gefühl von französischer Leichtigkeit zu erzeugen. Gerade die Umgebungsbeschreibungen waren teilweise so authentisch, dass ich mich zeitweise tatsächlich ins Burgund träumen konnte.

Wie schon erwähnt, ist Paula ein überaus vielschichtiger Mensch. Man kann ihre Situation sehr gut nachvollziehen: Auf der einen Seite möchte sie doch einfach nur ihre Verlobung in Paris feiern, auf der anderen Seite wird sie zu einem Familientreffen gezwungen, das ihre Pläne komplett über den Haufen wirft. Paulas zunächst nicht immer positiven Empfindungen sind also greifbar und der Wandel dieser gut dargestellt, sodass der Leser immer nah an der Geschichte ist. Was für mich aber teilweise unklar blieb, war ihre Beziehung zu den einzelnen Familienmitgliedern. Hier hätte die Autorin vielleicht etwas tiefer graben und nicht nur die aktuelle Situation aufzeigen müssen.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt geht generell an die Vielzahl der Personen. Ja, es handelt sich um ein Familientreffen und ja, die Story lebt von den unterschiedlichen Charakteren, aber mir ist da insgesamt zu viel im Dunkeln geblieben. Gerade Paulas Mutter wurde so gut wie gar nicht beleuchtet. Mehr als ein Mal musste ich mich fragen, was da wohl in der Vergangenheit vorgefallen ist, dass sie nun so oder so reagiert. Jede Person hat zwar eine Schlüsselszene im Verlauf der Geschichte, aber ihre Motivationen kommen mir hier teilweise zu kurz. Am interessantesten war tatsächlich Mémé für mich. Zu Beginn wurde ich zwar noch nicht sonderlich warm mit dieser leicht exzentrischen Person, aber im Verauf der Story hat sie immer wieder Charakterzüge offenbart, die wirklich liebenswert sind. Noch dazu hat sie ihr Schicksal stark gemacht und sie scheut sich nicht, diese Stärke mit ihrer Familie zu teilen.

Trotz der erzeugten Leichtigkeit möchte ich gerne von einem spannenden Roman sprechen, da es immer wieder zu Wendungen kommt, die oft überraschend waren. Auch der tolle Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage förmlich verschlungen habe.

Insgesamt eine tolle Familiengeschichte, die über den Zusammenhalt in Krisensituationen berichtet und Mut macht, seine Probleme nicht schleifen zu lassen. Auch – oder gerade – im Winter lohnt sich dieser literarische Ausflug ins sommerliche Frankreich, weil ich als Leserin nicht enttäuscht wurde. Echt, einfühlsam und emotional – eine klare Leseempfehlung.

Bewertung: 4/5 Sterne


[Bericht] „Dark Web“-Lesung mit Veit Etzold am 14.03.2017

Am Dienstag war es endlich so weit: Die Lesung mit Veit Etzold fand in der Villa Clementine in Wiesbaden statt. Mein Mann und ich haben uns schon seit einer Weile auf dieses Event gefreut, da das Thema das Buchs „Dark Web“ doch ein heikles ist und ich mehr darüber erfahren wollte.

Um 19.30 Uhr ging es los. Bleitet wurde die Lesung vom HR2-Moderator Alf Haubitz, der durch das Programm führte.

Um mir Appetit auf das Buch zu holen, sind wir zur Lesung gegangen (das Buch steht bereits in meinem Bücherregal und wartet darauf, von mir verschlungen zu werden).

Da das Thema „Dark Web“ für mich neu ist, war die Lesung überaus spannend für mich. Veit Etzold versteht es, von seinen Themen zu berichten und Interesse beim Leser zu wecken. Dabei wurde das Programm durch ein paar unterhaltsame Annekdoten oder diverse Seitenhiebe auf die Gesellschaft und Politik aufgelockert.

 

 

Der Gedanke daran, dass ein Menschenleben mit nur 10.000€ ausgelöscht werden kann und wir alle der Willkür ausgesetzt sind, ist sehr befremdlich. Unglaublich, was man alles im Dark Web erstehen kann – besonders im Bereich der Dienstleistungen.

Eigentlich aus dem positivem Gedanken vom US-Militär geboren, um diverse Aktivitäten im Internet zu überwachen, hat sich diese Ursprungsidee schnell gewandelt.

Für mich war es sowohl ein unterhaltsamer Abend, als auch ein sehr informativer. Durch drei Szenen, die aus dem Buch gelesen wurden, wurde ich neugierig auf das Buch gemacht, aber ebenso hat es mich auch erschüttert, was dort alles in den dunkelsten Ecken des Internets zu erstehen ist …


[Rezension] Angela Mohrs „Ada“

Grunddaten:

Autor: Angela Mohr

Titel: Ada

Hardcover: 360 Seiten

ISBN: 978-3401601120

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Ohne das Dorf gibt es kein Überleben. Draußen lauert das Verderben, und nur im Dorf bist du sicher. Das ist es, woran Ada glaubt – bis Lucaauftaucht und alles in Frage stellt. Von ihm erfährt Ada: Ihr totgeglaubter Bruder Kassian lebt! Zusammen mit Luca bricht sie jede Regel, die das Dorf jemals aufgestellt hat. Schließlich geht Ada bis zum Äußersten:Sie flieht aus der Gemeinschaft. Sie will ihren Bruder finden. Doch erträgt sie die Wahrheit, die sie jenseits des Dorfes erwartet?

Meine Meinung:

„Ada“ ist ein realistisches Jugendbuch, das nicht nur durch sehr authentische Charaktere überzeugen kann, sondern auch noch eine ernste Hintergrundstory bietet, die mich vollkommen überzeugen konnte.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert und wechselt immer wieder zwischen den Perspektiven in der direkten Ich-Form, was durch Nennung der Namen in der Überschrift erfolgt. Dieser Wechsel zwischen den Charakteren war sehr gut gelungen, weil man so immer das Eindruck hatte, direkt in die Gefühlswelt der einzelnen Personen eintauchen zu können. Gerade bei Ada hat das Sinn gemacht, da sie eine für sich vollkommen neue Welt entdecken muss und wir dies so ungefiltert miterleben. Der Schreibstil ist absolut fesselnd, denn ich habe das Buch praktisch nicht aus der Hand legen können.

Ada hat mir als Protagonisten sehr gut gefallen, weil ich sie direkt ab der ersten Szene in mein Herz schließen konnte. Sie ist einfach echt und authentisch. Man nimmt ihr jedes Wort und jede Handlung ab, ohne weiter darüber nachzudenken. Ada macht wohl auch die größte Wandlung im Verlauf der Story mit. Dabei geschieht dies zunächst einmal schleichend und wird dann klarer. Ich konnte vollkommen in ihre Geschichte ziehen lassen und habe mich mit Ada zusammen auf eine Reise begeben können. Diese Fähigkeit habe ich bisher nur bei wenigen Charakteren feststellen können, aber hier muss ich ein dickes Lob an die Autorin aussprechen. Luca hat einen guten Gegenpol zu Ada gebildet, wobei sich dass ab einem gewissen Punkt geändert hat, da sich rausstellt, dass die beiden doch nicht so verschieden sind. Beide haben ihr Päckchen zu tragen und sind ganz bestimmt nicht perfekt.

Auch bei den Nebencharakteren hat ein wirklich gutes Charakterbuilding stattgefunden, was vor allem auf die Personen im Dorf zutrifft. Ich konnte mir diese Gemeinschaft tatsächlich vorstellen und habe den Leuten ihre jeweilige Rolle abkaufen können. Dabei wurde der Fokus noch nicht mal großartig auf irgendwelche Fakten aus der Vergangenheit gelegt, sondern wir habens die Leute ganz echt im Hier und Jetzt kennenlernen dürfen.

Die Spannung war durchgängig vorhanden, was – wie schon erwähnt – dazu geführt hat, dass ich das Buch praktisch nicht aus der Hand legen durfte. Wir bekommen mehr als eine Überraschung und Wendung geboten und selbst wenn das nicht gewesen wäre, hätte mich die Autorin allein durch Adas Geschichte fesseln können, weil man einfach wissen möchte, wohin sie ihr Weg führt.

Da das Buch teilweise auf den Erfahrungen der Autorin beruht, ist das Hintergrundthema gleich doppelt emotional. Zum einen hat mich Adas Einzelschicksal unglaublich berührt und zum anderen ist das Thema an sich sehr ernst. Man denkt immer, dass solche christlichen Sekten nur in Amerika oder ganz weit weg bestand haben, aber nein, Frau Mohr führt uns vor Augen, dass es solche Gruppierungen durchaus auch direkt vor unserer Haustür in Deutschland gibt und das Thema, weil es unbequem ist, viel zu oft totgeschwiegen wird.

Ich konnte mich vollkommen auf diesen emotionalen, dramatischen, offenlegenden und fesselnden Roman einlassen, weil ich bereit dazu war, mit auf Adas Reise zu gehen. Für mich eine klare Leseempfehlung und eine Geschichte, die ich auch in Zukunft noch gerne weiterempfehlen werde.

Bewertung: 5/5 Sterne


Rezension zu Corina Bomanns „Das Mohnblütenjahr“

Grunddaten:

Autor: Corina Bomann

Titel: Das Mohnblütenjahr

Taschenbuch: 496 Seiten

ISBN: 978-3548286679

Verlag: Ullstein

 

Klappentext:

Nicole Schwarz ist allein bei ihrer Mutter aufgewachsen. Schon immer hat sie sich eine große Familie gewünscht. Umso mehr freut sie sich über ihre Schwangerschaft. Doch dann erfährt sie, dass ihr Baby mit einem Herzfehler zur Welt kommen wird – die Folge einer Erbkrankheit. Voller Fragen fährt Nicole zu ihrer Mutter Marianne an die Mosel. Bei ihr findet sie Trost. Und endlich eine Antwort auf die Frage nach ihrem Vater. Marianne wollte nie über ihn sprechen. Jetzt beginnt sie zu erzählen: vom Aufwachsen in der Nachkriegszeit, von einer großen Liebe zwischen Deutschland und Frankreich und von den Ressentiments, die der Krieg auf beiden Seiten hinterlassen hat. Nicole will verstehen, woher sie kommt und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater …

Meine Meinung:

„Das Mohnblütenjahr“ ist der neuste Roman der Erfolgsautorin Corina Bomann, der mich nicht nur mit seinen starken Protagonistinnen, sondern auch durch seine spannende Erzählweise überzeugen konnte. Eine Geschichte, die Herz und Verstand berührt.

Wir bekommen diese emotionale Story aus zweierlei Sichten erzählt. Zum einen befinden wir uns Dank der Protagonistin Nicole im Hier und Jetzt. Diese Passagen sind in der Ich-Perspektive verfasst, weil es sich ja schließlich um ihre Geschichte handelt. Dann gibt es noch die Kapitel, die von Marianne und der Vergangenheit handeln. Diese sind in der Er-Perspektive geschrieben, weil sie zwar eine wichtige Rolle spielen, aber eben eins sind: vergangen. Insgesamt hat der Wechsel zwischen diesen beiden Zeitebenen perfekt gepasst und die Spannung beim Leser zusätzlich angefacht. Die Sprache ist den jeweiligen Charakteren angeglichen und der Schreibstil locker, aber doch sehr eindringlich.

Nicole hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie zeigt auf der einen Seite ihre Schwächen und gesteht sich diese offen ein und auf der anderen Seite ist sie unglaublich stark, weil sie sich ihren Problemen stellt und nicht davonläuft. Ebenso macht sie eine ziemliche Wandlung durch, die dem Leser durchaus positiv auffällt. Man merkt auch sofort, dass sie und ihre Mutter Marianne aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Gerade Nicoles Mutter wird doppelt beleuchtet, weil wir sie in der Vergangenheit als junge Frau kennenlernen und sie dann als eine vollkommen andere in der Gegenwart antreffen. Da ist es natürlich besonders spannend zu lesen, was zwischen diesen beiden Ereignissen geschehen ist.

Auch bei den Nebencharakteren hat Frau Bomann einen soliden Job erledigt. Egal, um welche Person es sich handelt, sie ist authentisch und individuell. Gerade bei den Personen aus den Rückblicken konnte man den Konflikt aufgrund der deutsch-französischen-Vergangenheit spüren und zum Teil auch nachvollziehen. Hier wächst nicht nur ein Charakter über sich hinaus, was mir unglaublich gut gefallen hat. Die Autorin legt dem Leser glaubhaft vor, warum sich die jeweilige Person so verhält, wie sie es eben gerade tut.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine unglaublich spannende Geschichte. Nicht nur, dass die aktuelle Situation rund um Nicole einige Nerven fordert, nein, gerade die Vergangenheit hat es in sich und hält mehr als eine Wendung für den Leser parat. Auch die historischen Aspekte wurden hier gut mit der Story verwoben, sodass sich ein solides Grundgerüst ergeben hat. Bis auf einige wenige Passagen in der Mitte, die für mich nicht so richtig ins Gesamtkonzept gepasst haben, war der rote Faden durchgängig vorhanden und ich konnte das Buch praktisch nicht aus der Hand legen, weil mich das Schicksal von Marianne so gefangen genommen hat.

Ich würde sagen, dass es sich prinzipiell um einen Familienroman handelt, der auch starke Elemente einer Liebesgeschichte aufzeigt. Ich mag solche Geschichten, bei denen man von Anfang an weiß, dass es ein Geheimnis gibt, das die Protagonistin aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt. Auch bei diesem Roman erhalten wir die Auflösung erst ganz zum Schluss, sodass die Spannung für den Leser erhalten bleibt.

Ich war durchaus positiv von dieser Story überrascht, weil mich die jeweiligen Schicksale der Protagonistinnen emotional berührt haben und ich mit beiden in die Vergangenheit abtauchen konnte. Von daher kann ich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 4,5/5


[Rezension] Jo Bergers „Kick Off – Fünf Ladies auf Abwegen“

Grunddaten:

Autor: Jo Berger

Titel: Kick Off – Fünf Ladies auf Abwegen

eBook: 277 Seiten

ASIN: B06XBMLM29

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Nicht nur Bankerin Carla hat es satt! Vom Verlobten betrogen, vom Chef gemobbt und von Frauenhassern umgeben – Willkommen im Leben von Carla, Susann, Kim, Gerdi und Lucy!
Gerechtigkeit muss her, nur wie? Dem System ein Schnippchen schlagen … Das wäre es! Eine verrückte Idee reift heran und lässt die fünf Frauen nicht mehr los. Plötzlich befinden sie sich mitten in der Planung zu einem Bankraub. Aber haben sie auch das Handwerkszeug dazu?
Dann bringt ein Kinoabend alles durcheinander, und plötzlich merkt Carla: Gefühle lassen sich nicht planen.

Meine Meinung:

Mit „Kick Off“ legt die Autorin einen humoristischen Frauenkrimi vor, der vor allem mit seinen individuellen Charakteren und der gerissenen Hintergrundstory überzeugen kann. Eine tolle Lektüre für jeden, der einen Roman zum Lachen und Schmunzeln sucht.

Die Geschichte ist ganz klassisch in nummerische Kapitel unterteilt. Dabei springt die Autorin nicht nur zwischen diversen Orten, sondern auch zwischen verschiedenen Personen hin und her. Somit ist die Wahl der Er-Perspektive goldrichtig, denn der Leser ist immer direkt mit am Geschehen und kann alles aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Der Schreibstil ist locker gehalten und dem Alter des jeweiligen Charakters angepasst. So bedient sich die burschikose Kim einer ganz anderen Ausdrucksweise als Gerdi – eine Lady durch und durch.

Obwohl wir von fünf Protagonisten sprechen, steht doch Carla ganz klar im Zentrum des Geschehens. Sie hält die Gruppe zusammen, durch sie lernen sich die Frauen letztendlich kennen. Carla konnte mich von der ersten Seite an überzeugen, da sie eine starke Person ist und für ihre Ideale einsteht. Darüber hinaus ist sie dem Leser auch sympathisch, weil sie keineswegs perfekt ist und Fehler macht. Sie hat eine menschliche Seite, die einen anspricht und ist deshalb letztendlich auch authentisch und glaubhaft.

Auch die anderen vier Damen haben sich direkt in mein Herz gebankraubt! Zusammen sind sie eine muntere Truppe, mit der ich viel Spaß hatte und nicht nur den einen oder anderen Lacher genießen durfte, nein, auch tiefsinnige Gespräche und moralische Passagen sind hier Inhalt der Story. Obwohl wir es teilweise mit Stereotypen zu tun haben, hat die Autorin den Charakteren doch eine individuelle Note verliehen, sodass jeder Akteur letztendlich eine Persönlichkeit dargestellt hat. Gerade das Spiel mit den Sympathien bzw. nicht-Sympathien beherrscht die Autorin wahnsinnig gut.

Ich habe den Roman innerhalb von zwei Tagen verschlungen, weil die Story einfach unglaublich spannend ist. Nicht nur möchte man wissen, ob der Coup tatsächlich gelingt, sondern darüber hinaus auch erfahren, wie die einzelnen Schicksale der Damen ineinandergreifen. Mehr als eine Überraschung und diverse Wendungen sorgen dafür, dass man das Buch praktisch nicht mehr aus der Hand legen kann. Der einzige Minikritikpunkt geht an die Zufälle – oder ist es doch die Fügung? -, die mir hier ab einem gewissen Punkt etwas unrealistisch erschienen.

Ansonsten haben wir hier einen gelungenen Genremix aus zartem Liebesroman, spannenden Krimi (teilweise ziemlich blutig) und skuriller Unterhaltungslektüre. Ich habe mich mit dieser Story überaus wohl gefühlt und hoffe, dass ich bald mehr in dieser Richtung von Frau Berger lesen kann!

Bewertung: 4,5/5 Sterne