[Rezension] Martin Krist „Brandstifter“

Grunddaten:

Autor: Martin Krist

Titel: Brandstifter

Taschenbuch: 424 Seiten

ISBN: 978-3745007626

Verlag: epubli

 

Klappentext:

Sie haben deinen Ehemann brutal ermordet – jetzt bedrohen sie deine Kinder!
Wie weit wird die junge Witwe Valentina gehen, um ihre Familie zu beschützen?

Problemlöser David Gross soll den Feuertod einer jungen Frau aufklären und gerät dabei selbst in lebensgefährliche Ermittlungen. Doch die Sorge um seine eigene Familie lenkt ihn bald mehr ab, als ihm lieb ist …

Meine Meinung:

Eins vorweg: Dieses Buch lässt mich absolut zwiegespalten zurück, weil ich auch nach dem Ende nicht sagen kann, ob ich es wirklich packend fand. Mehr dazu im Detail.

Wir bekommen diesen Thriller aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, was an sich bei einem Krimi/Thriller schon mal gut ist, weil man so an jedem Ort zu jeder Zeit sein kann. Allerdings finden die Sprünge zwischen den Charakteren und Orten so schnell statt (jedes Kapitel hat nur wenige Seiten), dass man gerade am Anfang Probleme hat, der Geschichte an sich zu folgen. Es gibt mehrere Handlungsstränge, einer liegt davon sogar in der Vergangenheit, die sich immer wieder abwechseln. Ich hatte bis zur Hälfte wirklich Schwierigkeiten damit, denn jedes Mal wenn ich mich auf eine Person und deren Befindlichkeiten eingelassen hatte, wurde ich auch schon wieder rausgerissen. Der Schreibstil an sich hat mir sehr gut gefallen, weil er direkt und erzähltechnisch rasant gehalten ist.

David – der Problemlöser – Gross hat mir als Protagonist wirklich gut gefallen, weil er unkonventionell ist und den typischen Antihelden darstellt. Mal ein Ermittler, der keine astreine Weste hat und sich immer an das Gesetz hält. Das hat mir zugesprochen. Allerdings wurde ich mit Valentina weniger warm, die den zweiten großen Handlungsstrang dominiert. Ihr wird so übel mitgespielt, dass sie sich teilweise total unlogisch verhält, was mir irgendwann wirklich auf die Nerven ging.

Die Nebencharaktere waren sauber gezeichnet und boten eine Palette an Individuen. Leider gilt auch hier: Alle wurden auf den ersten paar Seiten eingeführt und ich hatte Probleme, jeden Namen wieder zuzuordnen, wenn er dann erneut auftauchte. Vielleicht hätte man das durch eine längere Einführung mit einem Erzählstrang lösen können. Noch dazu kommt, dass viele Namen fallen, die im weiteren Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr spielen.

Bei der Spannung liegt mein größter Zwiespalt. Durch die schnellen Wechsel entsteht natürlich eine enorme Dynamik und Langeweile kommt bei dieser Story garantiert nicht auf. Viele Wendungen und auch Überraschungen hält der Autor für seine Leser bereit, was ich sehr positiv hervorheben möchte. Zu meinem Bedauern wird diese Dynamik aber in der ersten Hälfte durch das schwierige Verfolgen der Geschichte an sich größtenteils gekillt. Von daher kann ich mich nicht wirklich für eine geradlinige Meinung entscheiden.

Wir haben es hier mit einem relativ unblutigen Thriller zu tun, der in Berlin spielt. Realtiv meint, dass es keine ekligen patologischen Detailszenen gibt, sondern eben lediglich bei Leichen eventuell mal das Wort Blut verwendet wird. Das Setting war sehr schon und genau beschrieben. Für Berliner ist das sicher ein Pluspunkt, weil man mit vielen Lokalitäten etwas anfangen kann. Für alle anderen: Man kann die Stadt durchs Lesen kennenlernen und ich habe sogar den einen oder anderen Ort im Internet gesucht.

Ein Thriller, den man gut lesen kann und der durch einen grandiosen Ermittler besticht. Leider lassen mich die schnellen Wechsel der Szenen und auch die anderen Charaktere teilweise etwas unentschlossen zurück.

Bewertung: 3/5 Sterne


[Rezension] Pea Jungs „Hit the Boss: The H(e)artbreaker“

Grunddaten:

Autor: Pea Jung

Titel: Hit the Boss

Taschenbuch: 420 Seiten

ISBN: 978-3744855679

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Treffer versenkt!
Vor lauter Aufregung versetzt Sharon auf der Straße einem Geschäftsmann versehentlich einen Schlag. Ausgerechnet dieser Mann platzt kurze Zeit danach in ihr Vorstellungsgespräch und benimmt sich in ihren Augen völlig daneben. Wäre nicht ihre unerfreuliche Vergangenheit mit ihrem Exfreund, hätte sie mit den eindeutigen Avancen des Kerls weniger Probleme. So aber will sie nur eines: ihn auf Abstand halten. Leider geht das nicht so einfach. Der Typ taucht immer wieder auf und die Offenbarung seiner Identität macht alles noch viel komplizierter.

Meine Meinung:

Mit „Hit the Boss“ legt uns Pea Jung wieder einen vortrefflich-humoristischen Roman vor, der mir nicht nur ein paar schöne Lesestunden beschert hat, sondern auch für den ein oder anderen Lacher sorgte.

Wir bekommen diese amüsante Geschichte direkt aus Sicht der Protagonistin Sharon Page nähergebracht, was für mich gepasst hat, da sie sich einige Gedanken zum männlichen Geschlecht macht, die sie teilweise lieber nicht laut ausspricht. Dabei bekommen wir auch einen intimen Einblick in ihre Gefühlswelt, die aufgrund ihrer Vergangenheit ganz schön auf den Kopf gestellt wird. Der Scheibstil ist gewohnt flüssig und die Bezeichnungen sowie Ausführungen manchmal absichtlich überspitzt, sodass ich hier voll auf meine Kosten kam. Ich mag Pea Jungs Schreibe einfach und kann es kaum erwarten, weitere Geschichten von ihr zu lesen. Einen kleinen Kritikpunkt muss ich allerdings anbringen, denn Sharon denkt über manche Dinge einfach zu oft nach, was ich ab einem gewissen Punkt als Wiederholung empfunden habe.

Die Protagonistin hat mir sehr gut gefallen und ich konnte mich zum größten Teil mit ihr identifizieren, weil sie eine Kämpfernatur ist und niemals aufgibt. Schwäche gesteht sie sich nur selten ein und so kann man nachvollziehen, warum sie eine solche Wirkung auf Gionata (ihren Boss) hat. Der hat mich übrigens von der ersten Seite an überzeugen können, weil er Sharon so schön auf die Palme bringen kann und die beiden dadurch eine tolle Dynamik entwickeln.

Die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet und werten die Geschichte auf. Zum Glück werden sie uns nach und nach präsentiert, damit man sich auch voll auf sie einlassen kann. So ist das prima, damit man auch jeden würdigen kann, denn hier sind wirklich ein paar herzliche Unikate dabei, die ich gerne ins Herz geschlossen habe.

Die Spannung war eigentlich von Anfang an vorhanden, weil man natürlich wissen wollte, was aus den beiden wird. Wie schon erwähnt, haben die Dialoge zwischen Sharon und Gionate zusätzlich dafür gesorgt, dass ich am Ball bleiben wollte. Das Ende war sehr gelungen und konnte sogar noch mal ein paar Überraschungen für mich bereit halten. Schade fand ich allerdings, dass Sharons Männervergangenheit nicht näher beleuchtet wird, da sie aufgrund dieser ja so handelt, wie sie es eben tut.

Die Liebesgeschichte war super in die restliche Story eingewoben gewesen, ich habe sie nicht als kitischig empfunden. Das Prickeln zwischen den Protagonisten kann man als Leser spüren und man kann sich auch vollkommen gefangen nehmen lassen. Eine humorvolle, stilvolle und emotionale Geschichte, die kein besseres Setting als London hätte haben können.

Bewertung: 4/5 Sterne


[Rezension] Ava Innings „Las Vegas Millionaires Club – Jayden“

Grunddaten:

Autor: Ava Innings

Titel: Las Vegas Millionaires Club – Jayden

eBook: 166 Seiten

ASIN: B0759PQ4KQ

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Vivien Westwing hat genug von Männern. Ihr Ex hat sie vor dem Traualtar stehen lassen und die Wunden sind noch nicht vollständig verheilt, als ihre Schwester sie nach Las Vegas schleppt. Nach einer ausschweifenden Party erwacht Vivien neben einem attraktiven Unbekannten, der sich als ihr frisch angetrauter Ehemann entpuppt. Während Vivien davon überzeugt ist, den größten Fehler ihres Lebens begangen zu haben, denkt der tätowierte Fremde gar nicht daran, die Ehe annullieren zu lassen. Jayden hat nämlich eine Sache erkannt: In Vivien steckt mehr, als man auf den ersten Blick ahnt und er will sie unter keinen Umständen verlieren. Ein Kampf gegen die Vernunft und um Viviens Herz beginnt.

Meine Meinung:

Mit „Jayden“ legt uns die Autorin Ava Innings bereits den dritten Millionär der „Millionaires Club“-Reihe aus Las Vegas vor. Ich habe die Geschichte förmlich verschlungen, weil sie nicht nur spannend, sondern auch sehr sexy ist.

Die Story wird wieder abwechselnd aus Sicht von Jayden und Vivien erzählt, wobei der allwissende Erzähler den Job übernimmt, den Leser immer dicht am Geschehen zu halten. Zusätzlich gibt es noch Rückblenden, die nach und nach die Geschehnisse der verhängnisvollen Nacht zwischen den beiden Protagonisten näher beleuchtet. Ich finde den Schreibstil der Autorin wirklich super, da sie immer die passende Gefühlslage trifft: prickelnd, wenn es zur Sache geht, und einfühlsam, wenn man gerade über die Emotionen der Personen nachdenken soll. Ein dickes Lob an dieser Stelle.

Vivien und Jayden passen einfach super zueinander und ergänzen sich gegenseitig. Dabei gehen sie mit einer solchen Rücksicht miteinander um, dass man als Leser teilweise schon eifersüchtig werden könnte und sich zumindest ein ebenso respektvolles Miteinander wünscht. Vivien hat mir noch eine Ecke besser gefallen, weil ich mich in sie schlichtweg leichter hineinversetzen konnte. Jayden ist eben ein echter Kerl und nimmt sich – bestimmt, aber sanft -, was er möchte.

Als Nebencharaktere bekommen wir mal wieder ein paar bekannte Persönlichkeiten geboten, die sich im Laufe der Zeit ebenso weiterentwickelt haben, wie die beiden Hauptakteure im Laufe der Story. Ich finde das Konzept um den Millionaires Club einfach genial und freue mich immer wieder auf die nächste Geschichte.

Die Spannung war hier sehr hoch, weil die Rückblenden eine gute Dynamik gebracht haben. Zunächst wird man mitten in das Geschehen geworfen und dann im weiteren Verlauf aufgeklärt. Das hat mir sehr gut gefallen und ich möchte es an dieser Stelle hervorheben.

Bei dieser Geschichte dürfen wir uns natürlich auch wieder auf eine gehörige Portion Sex und Erotik freuen! Die expliziten Stellen sind für meinen Geschmack sehr gut ausgearbeitet und bereiten mehr als nur ein leichtes Prickeln.

Jayden und Vivien konnten mich auf voller Linie überzeugen, weil sie menschlich tolle Charaktere haben und keineswegs Ich-bezogen sind. Eine emotionale Geschichte über die große Liebe, die man auch im Vollrausch finden kann.

Bewertung: 5/5 Sterne


[Kurzrezension] Ava Innings „Miami Millionaires Club – Tanner“

Grunddaten:

Autor: Ava Innings

Titel: Miami Millionaires Club – Tanner

eBook: 174 Seiten

ASIN: B0746QSKZR

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Nach dem Tod seiner großen Liebe zweifelt der Sicherheitsexperte Tanner Norton daran, jemals wieder sein Herz an eine Frau verlieren zu können. Dies ändert sich jedoch, als er den Auftrag erhält, das skandalumwitterte It-Girl London Hyatt zu schützen. Eine Aufgabe, die ihn rasch an seine Grenzen bringt, denn die Verlobte des Ausnahme-Quarterbacks Rico Ackles übt eine ungeahnte Anziehung auf ihn aus. Als er dann auch noch auf Londons Doppelgängerin Danielle stößt, vervielfachen sich seine Probleme und er wird zum Spielball seiner Gefühle.

Meine Meinung:

Mit „Tanner“ legt uns die Autorin Ava Innings bereits den dritten Millionär der „Millionaires Club“-Reihe aus Miami vor. Wieder einmal habe ich mich bestens unterhalten gefühlt und kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen!

Wir bekommen die Geschichte aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, was den Vorteil hat, dass wir immer direkt am Geschehen dran sind und sowohl einen Einblick in Tanners als auch in Londons Welt erhalten. Der Schreibstil ist sehr flüssig und bildhaft, sodass sich vor meinem inneren Auge eine prickelnde und anziehende Story abgespielt hat.

Tanner hat mir sehr gut gefallen, weil er sehr emotional dargestellt wird und man nachvollziehen kann, warum er sich auf keine neue Frau einlassen möchte. Man durchlebt das Gefühlschaos mit ihm. Für mich war er zu jedem Zeitpunkt authentisch und in sich sehr glaubwürdig beschrieben. Gleiches gilt für London, die ein paar Überraschungen für den Leser bereithält.

Natürlich kreuzen auch wieder andere Millionäre den Weg von Tanner, was mir besonders gut an dieser Reihe gefällt. Man muss sich nie ganz von einem Charakter verabschieden, wenn eine Geschichte erzählt ist. Man bekommt auch im Nachhinein mit, was noch so in den Leben der anderen geschieht.

Die Story war sehr spannend, weil die Autorin einige Wendungen für uns parat hält. Einen halben Stern ziehe ich ab, weil die Auflösung des Konflikt für mich nicht ganz logisch erschien, aber das ist wohl Geschmackssache. Ich kann euch Tanner nur ans Herz legen – ich bin ein Fan des Softies in harter Verpackung.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


[Rezension] Anne Steen „Em Evol“

Grunddaten:

Autor: Anne Steen

Titel: Em Evol

eBook: 579 Seiten

ASIN: B072FCT1RG

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

1933 ist kein gutes Jahr, um geboren zu werden, aber das weiß Rosalind Coleman damals noch nicht. Mitten in der Großen Depression, die den Agrarstaat Indiana beutelt, wächst sie in einem nicht besonders liebevollen Elternhaus auf. Ihr einziger Lichtblick ist William King, der Ehemann ihrer Schwester.

Weil sie weiß, dass es keine Chance auf diese Liebe gibt, tut sie alles dafür, ihren eigenen Weg zu finden, auch wenn dieser für ein Mädchen dieser Zeit vorbestimmt scheint. Entgegen aller Konventionen schafft sie es, die Highschool zu beenden und aufs College zu gehen. Als sie glaubt, endlich glücklich werden zu können, holt sie die Vergangenheit wieder ein.

Meine Meinung:

„Em Evol“ ist ein in sich abgeschlossenes Familiendrama, das die Rolle der Frau in den 50er-Jahren beleuchtet, die Liebe in all ihren Facetten darstelllt und über das Erwachsenweden sowie die Selbstbestimmung berichtet – unglaublich einfühlsam und emotional.

Wir bekommen diese aufwühlende Geschichte direkt aus Sicht der Protagonistin Rosalind – auch Rosie genannt – erzählt. Das hat den Vorteil, dass wir praktisch direkt in ihren Kopf hineinschauen können, denn viele Konflikte macht sie mit sich selbst aus und so wird der Leser niemals ausgeschlossen. Gerade in den jungen Jahren grübelt sie viel. Obwohl die Sätze vom Schreibstil her eher kurz sind, hat man das Gefühl, dass die Autorin in jeden einzelnen eine Wärme gepackt hat, die einem einfach ins Herz fahren muss. Ich habe mit Rosie gelacht, geweint, gelitten und so viele Emotionen mehr durchlebt, dass ich teilweise das Gefühl hatte, dass sie auch direkt neben mir stehen könnte. Kompliment an dieser Stelle. Was noch erwähnenswert ist: Das Buch setzt sich wirklich groß mit dem Thema Liebe auseinander. So wird jedes Kapitel mit einem Was-bedeutet-Liebe-für-dich-Zitat von uns Lesern begonnen.

Rosie ist eine unglaublich starke Frau. Das kann man schon im Kindesalter erkennen, denn anstatt wie andere Zehnjährige nach draußen zu gehen und zu spielen, strickt sie lieber Socken für die Soldaten an der Front, weil sie von einem solchen Patriotismus erfasst ist, der beispiellos ist. Ihre Klugheit wird schnell offensichtlich und so ist sie das perfekte Aushängeschild für eine Frau, die eben nicht Heim und Herd hüten will, sondern selbstbestimmt studieren und Karriere machen möchte. Die Opfer, die sie im Verlauf der Story bringen muss, haben mich teilweise sehr gerührt und teilweise auch mit Stolz erfüllt. Stolz deshalb, weil man wirklich spüren kann, wie schwer es der Frau in dieser Zeit gefallen sein muss, sich selbst zu verwirklich.

Bei William bin ich mir noch nicht ganz sicher, wo ich ihn einordnen soll. Spannend ist, dass wir ihn immer in einem anderen Licht sehen, weil Rosie ja immer erwachsener wird und auch William dann anders wahrnimmt. So hat man das Gefühl, dass er sich zusammen mit ihr wandelt. Anfangs war er mir nicht gerade sympathisch, das hat sich dann aber mit jedem Kapitel geändert. Viele Nebencharaktere gibt es nicht. Bei manchen fragte ich mich, warum sie überhaupt erwähnt werden, weil sie doch nie wieder auftauchen. Vielleicht soll das auch ein Symbol für die Vergänglichkeit von Freundschaften sein, aber für mich hätte man hier ein bisschen einsparen können, was mich gleich zu meinem nächsten Punkt bring …

… die Spannung. Ich hab mich mit der ersten Hälfte des Buches etwas schwer getan, weil es doch sehr langatmig ist. Manche Szenen oder gar Kapitel hätte es meiner Meinung nach gar nicht gebraucht. Teilweise leiden auch die Emotionen etwas, weil es mir schwerfiel, am Ball zu bleiben. Die zweite Hälfte bzw. das letzte Drittel war sehr dynamisch und zusammenfassend erzählt, sodass ich mich hier gut einlassen und die Dramatik voll auskosten konnte. Es gibt einige Wendungen, die ich so nicht vorhersehen konnte und die mich manchmal sogar sehr getroffen haben.

Das Buch setzt sich mit so vielen wichtigen Themen auseinander, dass mir manche erst beim Nachdenken hinterher wirklich gewahr wurden. Zum einen haben wir natürlich die Rolle der Frau im Vordergrund und wie viel Selbstbestimmung sie zu dieser Zeit hatte. Dann geht es um die Liebe an sich, um Verlust, Tod und den Krieg – und was er aus den Menschen macht. Wir haben es mit Konventionen zu tun. Der Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und auf dem Land. Patriotismus, Traditionen und Werte. Familie und Freundschaften – und eben auch das Zerbrechen dieser.

Für mich ein sehr ergreifender Roman, der mich lange nicht loslassen wird, der aber mit ein paar Worten weniger sicher auch gut ausgekommen wäre. Ich kann eine klare Leseempfehlung aussprechen und würde mich freuen, noch mal einen historisch angehauchten Liebesroman der Autorin zu lesen, weil die Recherchearbeit wirklich gut war.

Bewertung: 4/5 Sterne


[Annie Stone Love(s) me – Leser und Bloggerparty] Vorstellung der Protagonisten

Hallo zusammen und herzlich willkommen an diesem wunderschönen Mittwoch 🙂

Heute habe ich das Vergnügen, euch die Protagonisten vorzustellen.
Außerdem werde ich mich mit den Merkmalen der Generation beschäftigen, um euch ein Gefühl für diese Zeit zu geben.
Ich würde sagen, wir starten gleich mal 😉

 

Generationsmerkmale

Wir befinden uns zu Beginn der Geschichte im ländlichen Indiana. Die Protagonistin Rosalind wurde im Jahr 1933 geboren. Der zweite Weltkrieg stand kurz bevor. Als eine von fünf Schwestern, stand sie als Jüngste meist hinten an. Es war typisch, dass man bis zum 15ten Lebensjahr die Landschule besuchte. Dort wurden meist mehrere Klassen in einem Zimmer unterrichtet. Um danach auf die Highschool gehen zu können, musste man einen Test ablegen, der meist nur Männern vorbehalten war. An College und Studium war als Frau gar nicht zu denken. Die Rolle der Frau wurde als Hausfrau und Mutter beschrieben, es wurde erwartet, dass man sich nach der Landschule einen Mann suchte und die Familie damit entlastete. Die Familie stand über allem. Wenn eine Freundin bespielsweise nicht mit einem Mitglied zurechtkam, dann wurde erwartet, dass man den Kontakt abbrach.

Außerdem kann man einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land ziehen. Die ländlichen Gegenden sind sehr konservativ, traditionsbewusst, patriotisch, familienorientiert und Vorurteilsbelastet. So werden beispielsweise Farbige und Schwule ausgegrenzt. Ja sogar Witwen, die nicht noch einmal geheiratet haben, werden komisch angeschaut und als wunderlich abgetan. Man muss in eine Norm passen und wenn dies nicht der Fall ist, ist man außen vor. In San Francisco ist das schon ganz anders. Da ist die Gesellschaft etwas aufgeschlossener und in manchen Vierteln werden Homosexualität und auch „Wilde Ehen“ geduldet.

So viel zu dem kleinen Überblick, nun kommen wir zu den Charakteren, die meiner Meinung nach interessant sind.

Rosalind Coleman

Als Erzählerin der Geschichte ist sie die Protagonistin von „Em Evol“. Sie wurde 1933 geboren, ist eine von fünf Schwestern und lebt im ländlichen Indiana. Schon mit 10 Jahren weiß sie, dass sie in William King verliebt ist – richtig verliebt, keine Schwärmerei. Schnell stellt sich heraus, dass sie hochbegabt und wissensdurstig ist. Sie ist nicht nur anders, als ihre Schwestern, sondern unterscheidet sich auch von allen anderen Frauen im Dorf. Sie möchte auf die Highschool und aufs College gehen, möchte lernen, strebt nach Veränderung und ist der Meinung, dass Frauen auch eine andere Rolle einnehmen können, als die hinter dem Herd. Mit 10 Jahren strickt sie lieber Socken, um die Männer im Krieg zu unterstützen, als auf der Straße zu spielen, wie es sich für Gleichaltrige gehört. Rosalind ist ein Sinnbild für die Revolution der Frau zur Zeit der 50er-Jahre.

William King

Er ist der Verlobte bzw. Ehemann von Maura, Rosalinds ältester Schwester, und der Schwarm von Rosalind selbst. Er repräsentiert den typischen Kerl, der jung heiratet, in den Krieg zieht und verändert wieder zurückkommt. Man merkt schon früh, dass er Sympathien für Rosalind hegt, denn er verwöhnt sie, nimmt sie in Schutz und steht für sie ein. Zunächst noch auf eine kindlich-naive Art, aber im Verlauf der Geschichte wird klar, dass er sie auch anziehend findet – obwohl er das nicht darf. Meiner Meinung nach nutzt er seine Chancen nicht, denn seinen Highschool-Abschluss empfindet er als Zwang und das College wollte er überhaupt nicht besuchen. Er wirkt erwachsener, nachdem er aus dem Krieg zurückkam. Der Schrecken ist ihm anzumerken und man kann nachvollziehen, warum ihm im Anschluss andere Dinge wichtiger sind.

Rosalinds Vater

Zu Beginn der Geschichte ist er arbeitslos, aggressiv und schlägt seine Frau sowie Töchter. Im Laufe ändert sich das, nachdem er wieder einen Job gefunden hat. Er neigt zur Depression, steht für die traditionellen Werte ein und möchte seien Töchter verheiratet wissen. In einem schwachen Moment erlaubt er Rosalind auf die Highschool zu gehen, doch schnell wird klar, dass er doch nur der Mensch ist, der er immer war, seine Meinung, dass Frauen hinter den Herd gehören, herrscht vor. So zwingt er seine Töchter in eine Heirat und verfällt in extremen Situationen wieder in alte Muster (Gewalt und Handgreiflichkeiten).

Tante Dotty

Sie ist das komplette Gegenteil zu Rosalinds Vater. Sie hat früh geheiratet, verlor ihre große Liebe dann aber relativ schnell und wollte danach keinen neuen Mann. Das hat sie zum schwarzen Schaf der Familie gemacht, weswegen sie auch letztendlich in San Francisco gelandet ist. Dort lebt sie mit einem verheirateten Mann zusammen, ist die Nachbarin eines schwulen Pärchens, das auch gleichzeitig ihre besten Freunde sind. Sie redet wie ein Mann, nimmt kein Blatt vor den Mund und ist einfach erfrischend. Dotty nimmt ihre Nichte auf, ohne große Fragen zu stellen. Sie unterstützt die Menschen, die sie liebt und Herzlichkeit wird bei ihr groß geschrieben.

Ich hoffe, dass ich euch mit meinem Beitrag einen kleinen Überblick verschaffen konnte 🙂


[Rezension] Andrea Bielfeldt „Zwei Küsse für Himmelreich: Amors Four “

Grunddaten:

Autor: Andrea Bielfeldt

Titel: Zwei Küsse für Himmelreich (2)

eBook: 205 Seiten

ASIN: B073NLJ1LQ

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Ronja Engel ist eine begnadete Köchin, immer auf der Suche nach neuen Rezepten – und nach dem richtigen Mann. Als ein Ausgrabungsteam in Himmelreich Einzug hält, bekommt Ronja die Aufgabe, die Forscher zu versorgen.
Der Job macht Spaß, wäre da nur nicht der ruppige Archäologe Tjark. Nichts gegen gut gebaute Norweger, aber der Typ geht Ronja gehörig auf den Keks.
Zwischen Kaffee, Kochtöpfen und ausgegrabenen Knochen muss Ronja jedoch mit dem ungehobelten Klotz auskommen – bis ausgerechnet die Frau dazwischen grätscht, die Ronja mal so gar nicht leiden kann. Am Ende ist Ronja völlig durcheinander. Was zur Hölle soll sie nur von dem wortkargen Kerl mit den blauen Augen halten?

Meine Meinung:

„Zwei Küsse für Himmelreich“ ist der zweite Teil der zweiten Staffel rund um die Menschen aus dem beschaulichen Städtchen … ähm … Dorf Himmelreich. Wieder einmal ein gelungener Ausflug in diese harmonische Welt, die mir mittlerweile so ans Herz gewachsen ist. Mit jedem Band ist es ein Gefühl von Heimat.

Wir bekommen diese Geschichte wieder direkt aus Sicht der Protagonisten erzählt. Ronja ist zwar ein offener Typ, aber trotzdem sind ihre Gedanken einfach super zu lesen. Sie führt teilweise sehr lustige Selbstgespräche und diese möchte man als Leser nicht missen. Der Schreibstil ist gewohnt locker und flockig. Dies hat den Vorteil, dass man die Story praktisch in einem Rutsch verschlingen kann. Die Sprache ist eher umgangssprachlich, was den Eindruck des idyllischen Dorflebens noch zusätzlich unterstreicht. Was ich noch positiv hervorheben möchte: Die Überschriften sind wirklich super liebevoll gestaltet – das muss einfach mal erwähnt werden.

Ronja ist wirklich klasse! Bereits im Vorgängerteil haben wir ja schon eine Ahnung von ihr bekommen, als sie Fee zur Seite stand. Dieser Band ist der Köchin allein gewidmet. Sie ist schlagfertig, nicht auf den Mund gfallen und teilweise sehr impulsiv, was in Verbindung mit dem sonst so wortkargen Norweger Tjark manchmal eine explosive Mischung ergibt. Die Dialoge sind deswegen fertzig und machen einfach Spaß, sie zu lesen. In ihrem Handeln ist Ronja keineswegs perfekt, was sie zu einem authentischen Charakter macht. Sie ist eine Frau aus der Nachbarschaft und man kann sich super mit ihr identifizieren, weil sie auch jemand wie du oder ich sein könnte.

Zu den Nebencharakteren brauche ich eigentlich gar keine großen Worte finden: sympathisch, liebevoll ausgearbeitet und Unikate, die man einfach ins Herz schließen muss. Ich liebe die Bewohner von Himmelreich, weil sie teilweise schrullig und skurril sind, aber jeder auch sein Päckchen zu tragen hat. Besonders toll finde ich, dass die Geschichten der einzelnen Personen in jedem Teil weitergesponnen werden. So erfährt man auch von den Nebencharakteren immer etwas Neues und bleibt am Ball.

Die Spannung ist von Anfang an vorhanden. Die Ereignisse gehen Schlag auf Schlag – immerhin gilt es einen Knochendieb zu stellen und dann sind da ja noch die Turbulenzen in der Liebe. Auch sonst ist so einiges los in Himmelreich. Mein einziger Minikritikpunkt geht an die Liebesgeschichte, da sie doch sehr schnell vorhersehbar ist. Das ist aber nicht weiter schlimm, da das Setting, die Story und die Charaktere absolut stimmig sind.

Eine tolle Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich freue mich schon auf den nächsten Ausflug nach Himmelreich, der ja nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


[Rezension] Katie Jay Adams „Ein Sommer fürs Leben“

Grunddaten:

Autor: Katie Jay Adams

Titel: Ein Sommer fürs Leben

eBook: 228 Seiten

ASIN: B0747Z238J

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Ein gebrochenes Herz und ein Jetset-Leben, das einem Scherbenhaufen gleicht – viel schlimmer hätte es für die junge Emily Carsen nicht kommen können. Voller Tatendrang versucht sie in ihrer Heimatstadt einen Neuanfang, und das auf engstem Raum mit ihrem hypochondrischen Vater und ihrer gehbehinderten Schwester. Ganz unverhofft erhält sie ein lukratives Jobangebot, das alles verändern könnte – wäre nicht zuerst ein streng gehütetes Geschäftsgeheimnis zu lüften. Als sie dem ebenso hitzköpfigen wie gut aussehenden Chris MacGowan begegnet, der mehr mit ihrem neuen Job zu tun hat, als ihr lieb ist, steht Emily aus heiterem Himmel vor der größten Chance ihres Lebens.

Meine Meinung:

Ein Sommer in Kalifornien, eine Entscheidung und eine Vergangenheit, die mehr als ein Leben einholt … Dramatisch, witzig, offen und eine große Portion Liebe, das ist „Ein Sommer fürs Leben“.

Wir bekommen diese emotionale Story aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, allerdings hat die Perspektive – bis auf Prolog und Epilog – immer den Fokus auf Emily, was auch Sinn macht, da es ihre Geschichte ist. Der Schreibstil ist locker und gefühlvoll. Ich konnte mich durch die Worte komplett in das Geschehen fallen lassen und habe das Buch innerhalb von einem Tag ausgelesen, weil ich wirklich gefesselt war. Besonders toll fand ich die bildhaften Beschreibungen. Die Umgebung ist vor meinem inneren Auge zum Leben erwacht, ich konnte das Meer praktisch riechen und den Sand zwischen meinen Zehen spüren.

Emily hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen, weil sie für ihre Überzeugungen einsteht. Dabei begeht sie Fehler, zeigt ihre menschliche Seite und ist somit für den Leser sehr authentisch. Man kann sich mit ihr identifizieren, weil sie auch ein Mädchen von nebenan sein könnte. Ich konnte ihren Zwiespalt absolut nachvollziehen. Chris ist da schon ein ganz anderer Typ. Obwohl er ebenso verschlossen ist wie Emily, bekommen wir seine Gründe dafür erst nach und nach offenbart. Er ist wirklich heiß und ein klassischer Bad Boy – zumindest auf den ersten Blick.

Besonders die Nebencharaktere haben mir wirklich sehr gut gefallen. Hier hat die Autorin besonderen Wert darauf gelegt, diese zum Leben zu erwecken. Sie hat liebevolle Details eingewoben und ein sehr klares Bild von ihnen gezeichnet. Emilys Vater möchte man einfach nur in den Arm nehmen, weil er der Typ großer Grummelbär ist. Kim – Emilys Schwester – ist der witzige Part der Geschichte, obwohl sie eigentlich die Person ist, die am reifsten denkt und handelt. Hier möchte ich ein großes Lob aussprechen.

Die Spannung ist besonders in der zweiten Hälfte sehr hoch. Hier hält die Autorin einige Wendungen für den Leser parat, die man teilweise gar nicht kommen sieht. Wie schon erwähnt, hat mich die Hintergrundgeschichte so gefesselt, dass ich das Buch an einem Tag durchgelesen habe. Ich fühlte mich in Kalifornien wohl und habe den sommerlichen Ausflug genossen.

Der einzige Minikritikpunkt geht an die Vergangenheit. Da sind plötzlich Gefühle, von denen man so gar nicht weiß, wo diese auf einmal herkommen. Ein paar Rückblicke hätten hier vielleicht geholfen, um zu verstehen, was zwischen Emily und Chris geschehen ist, bevor Emily nach New York ging.

Für mich eine tolle Sommerlektüre, die das richtige Feeling mitbringt: Strand, Meeresrauschen, San Francisco, Weingüter, große Gefühle und eine Prise Dramatik.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


[Kurzrezension] Zoe M. Lynwood „Las Vegas Millionaires Club – Wesley“

Grunddaten:

Autor: Zoe M. Lynwood

Titel: Las Vegas Millionaires Club – Wesley

eBook: 125 Seiten

ASIN: B071FXNSNP

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Wesley genießt sein Leben in vollen Zügen. Sein Lifestyle ist grenzen- und kompromisslos und lenkt ihn wunderbar von seiner verflossenen Jugendliebe Patrizia ab, die er bis heute nicht vergessen kann.
Als seine beste Freundin Tina ein Kind von ihm erwartet, ist es allerdings schlagartig vorbei mit der Party und das Chaos perfekt. Denn ausgerechnet jetzt läuft er der vermissten Patrizia wieder über den Weg.
Wesley muss sich entscheiden.
Ist er bereit, seine geliebte Freiheit für das ungeborene Leben zu opfern? Und wird er der Beziehung zu Tina eine Chance geben, obwohl sein Herz doch seit Jahren der hübschen Patrizia gehört?

Meine Meinung:

Mit Wesley legt uns die Autorin einen weiteren Teil der Millionaires Club-Reihe aus Las Vegas vor. Mich hat der Roman super unterhalten. Prickelnde Gefühle, ein Wechselbad der Emotionen und ein paar heiße Szenen.

Wir bekommen die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Wesley und Patrizia von einem allwissenden Erzählers nähergebracht. Das hat den Vorteil, dass man immer direkt am Geschehen dran ist, weil die Protagonisten doch teileise etwas verschlossen sind und viel mit sich selbst ausmachen. Der Schreibstil ist locker gehalten und fesselnd.

Wesley hat mir als Charakter sehr gut gefallen. Er ist einfach so wie er ist und man nimmt ihm jede seiner Taten vollkommen ab. Er ist locker, lebt sein Leben, so wie er es für richtig hält und nimmt kein Blatt vor den Mund. Er muss sich für einen echten Kerl wirklich sehr mit seinen Gefühlen herumschlagen, was ich irgendwie schon süß fand. Patrizia ist eine perfekte Ergänzung für Wesley, weil sie zielstrebig ist und für ihre Grundsätze einsteht. Für sie trifft der Spruch „Harte Schale, weicher Kern“ absolut zu und ich finde es erfrischend, dass das bei einem typischen Liebesroman mal nicht vom Mann ausgeht. Für mich sind beide für sich genommen absolut glaubwürdig dargestellt und authentisch.

Bei den Nebencharakteren treffen wir ein paar alte Bekannte aus den vorherigen Bänden der Millionaires Club-Reihe, was ich immer wieder toll finde, weil man so auch weiß, wie es mit den anderen Jungs passiert.

Die Geschichte ist spannend aufgebaut und es gibt ein paar interessante Wendungen. Was allerdings ein Minikritikpunkt ist, ist die Geschwindigkeit der Story an sich. Das Geschehen umfasst nur wenige Tage und dafür passiert so eine ganze Menge. Vom einen Leben stürzt sich Wesley direkt in ein vollkommen anderes und so kann ich den beiden die Gefühle nicht komplett abnehmen. Das war ein bisschen schade.

Insgesamt eine tolle Story mit glaubwürdigen Charakteren, die spannend geschrieben ist. Ein paar heiße Szenen runden das Ganze ab und haben mich insgesamt mit einem Lächeln auf den Lippen zurück gelassen.

Bewertung: 4,5/5


[Rezension] Marah Woolfs „Bookless – Wörter durchfluten die Zeit“

Grunddaten:

Autor: Marah Woolf

Titel: Bookless (1)

Taschenbuch: 312 Seiten

ISBN: 978-3841504869

Verlag: Oetinger

 

Klappentext:

Never without a book: Das magische Flüstern! Sie trägt ein mysteriöses Mal in Form eines Buches am Handgelenk und kann hören, was die Bücher ihr zuflüstern. Als die 17-jährige Lucy ein Praktikum in der Londoner Nationalbibliothek beginnt, entdeckt sie Bücher, deren Texte verschwunden sind und an die sich niemand mehr zu erinnern scheint. Als die Bücher sie immer eindringlicher um Hilfe bitten, versucht Lucy dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Und Nathan, von dem sich Lucy unwiderstehlich angezogen fühlt, scheint darin verwickelt zu sein.

Meine Meinung:

Vorweg: Ich habe die Selfpublisher-Version des Buches gelesen. Details zum Layout könnten also abweichen.

„Wörter durchfluten die Zeit“ ist der erste Band der Bookless-Trilogie. Ein ganz tolles Hintergrundthema trifft auf glaubwürdige Charaktere und ein bezauberndes Setting in London. Gibt es etwas Schöneres als Bücher?

Was einem als Erstes auffällt, sind die liebevoll ausgewählten Zitate, die jedes Kapitel schmücken. Sie beziehen sich natürlich auf die Literatur und was Bücher mit uns machen. Mir haben sie sehr gut gefallen, weil sie die Grundstimmung des Werkes aufgewertet haben. Die Geschichte bekommen wir aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht. Das hat den Vorteil, dass wir immer direkt am Geschehen dran sind und sowohl einen Einblick in Lucys als auch in Nathans Welt bekommen. Darüber hinaus wechseln die Perspektiven auch noch zwischen diversen Nebencharakteren hin und her. Der Schreibstil ist flüssig und der Jugensprache angepasst. Gerade die Beschreibungen der Bücher sind sehr bildhaft. Ich konnte sie förmlich riechen und fühlen.

Lucy hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie ist klug, aufgeschlossen und bissig. Sie lässt sich gerade von der Männerwelt nichts sagen und hält mit ihrer Meinung – von der sie nicht abweicht – stets dagegen, wenn sie denkt, dass ein Unrecht geschieht. Das ist wahre Charakterstärke und wenn man bedenkt, dass sie sich mit einigen Fakten herumschlagen muss, die auf sie einstürmen, dann ist das doppelt bemerkenswert. Sie ist zudem echt und authentisch. Lucy verstellt sich nicht und steht für ihre Grundsätze und vor allem für die Menschen ein, die ihr am Herzen liegen. Nathan ist da ganz anders. Für ihn steht die Loyalität zu seiner Familie an oberster Stelle. Die beiden sind wie Ying und Yang, obwohl ich in Nathan noch Potenzial sehe, dass er sich für den richtigen Weg entscheiden wird.

Die Nebencharaktere sind wirklich liebevoll ausgearbeitet. Besonders Lucys Mitbewohner sind sehr detailliert dargestellt. Obwohl sie nicht so oft zu Wort kommen, hat man trotzdem das Gefühl, dass sie aus der Nachbarschaft sind und man sie eben kennt. Colin habe ich von seinem ersten Auftritt an ins Herz geschlossen. Er ist der große Bruder, den man sich immer gewünscht hat.

Die Spannung setzt ab dem zweiten Drittel ein und hat mich nicht mehr losgelassen. Die Geschehnisse erfolgen Schlag auf Schlag und lassen den Leser atemlos zurück. Ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Gerade wegen des bösen Cliffhangers am Ende bin ich froh, dass der zweite Band schon neben mir liegt und ich sofort weiterlesen kann. Den minimalen Abzug nehme ich vor, weil das erste Drittel recht schwer in Fahrt kommt. Wir lernen die Charaktere kennen und das Geheimnis um den Bund liegt noch relativ im Dunkeln, also ein typischer Start eigentlich.

Für mich ein toller Einstieg in die Bookless-Trilogie. Authentische Charaktere, die sich perfekt in ihre Rolle einfügen, eine spannende Hintergrundstory und das Wichtigste: Bücher, Bücher, Bücher!

Bewertung: 4,5/5 Sterne