Rezension zu Edward Lees „Muschelknacker“

Grunddaten:

Autor: Edward Lee

Titel: Muschelknacker

Taschenbuch: 192 Seiten

ISBN: keine

Verlag: Festa

 

Klappentext:

Die Brüder Esau und Enoch leben zufrieden am Sutherland Lake, irgendwo in der Einsamkeit Nordamerikas. Sie missbrauchen und quälen die dummen Stadtmenschen, die sich in ihr Reich verirren, und bereiten aus ihnen nach raffinierten Rezepten köstliche Speisen zu …

Meine Meinung:

Edward Lees „Muschelknacker“ beinhaltet wohl alles denkbare und auch unvorstellbare, was die menschliche Psyche sich an Abartigkeiten ausdenken kann. Menschen kochende Hinterwäldler und Brüder mit sexuellen Geheimnissen sind da nur ein Teil der Storyelemente.

Die Geschichte an sich ist klassisch in Kapitel unterteilt und wird uns von einem allwissenden Erzähler nähergebracht. Da die Geschehnisse immer wieder zwischen den Protagonisten hin und her wechseln, war dies eine gute Wahl, da man so als Leser das Gefühl hatte, immer direkt am Geschehen dran zu sein. Der Schreibstil ist direkt und schonungslos. Die Autoren nehmen wahrlich kein Blatt vor den Mund und reden auch nie lange um den heißen Brei herum. Gerade die Sprache der beiden Hinterwäldlerbrüder hat mir sehr gut gefallen, weil hier schon durch deren Artikulation klar wurde, wie anders sie sind.

Von Haupt- und Nebencharakteren möchte ich bei diesem Buch gar nicht sprechen, weil es hier so einige Personen gab, die eine zentrale Rolle zu spielen hatten. Jeder war irgendwie wichtig und hat die Story an sich vorangebracht. Dabei waren die Charaktergestaltungen wirklich individuell. Obwohl wir manche Menschen nur sehr kurz kennengelernt haben, hatte ich stats das Gefühl, sie tatsächlich zu kennen. Wie schon erwähnt, haben die Hinterwäldlerbrüder eine morbide Faszination auf mich ausgestrahlt. Obwohl sie fruchtbare Dinge tun, hatte ich dennoch das Bedürfnis, sie in Schutz nehmen zu müssen, weil für sie ja ein tieferer Sinn hinter dem ganzen Verhalten steckt.

Die Spannung ist durchweg vorhanden, was aber zum größten Teil daran liegt, dass das Erzähltempo sehr hoch ist auf den nicht ganz 200 Seiten. Ich habe die Geschichte so in einem Rutsch verschlingen können. Darüber hinaus muss ich aber auch sagen, dass die Personen stets in Bewegung waren und so eine gewisse Grunddynamik herrschte, die selbst bis zur letzten Seite nicht abgeflacht ist.

Wer sich für dieses Buch entscheidet, sollte definitiv keine schwachen Nerven haben. Wo Festa extrem draufsteht, ist auch Festa extrem drin. Gewalt, Sex und diverse Abartigkeiten sind auf jeder Seite Programm. Die menschliche Psyche kann sich gerade vom einen Schock erholen und bekommt sofort den nächsten präsentiert. Für Einsteiger ist dieses Buch nicht unbedingt geeignet, da gibt es „sanftere“ Lektüren aus dem Festa Verlag, die sich besser eignen würden. Für Leute mit empfindlichen Magen empfiehlt es sich auch, besser vorher nichts gegessen zu haben *zwinker*

Der einzige Minikritikpunkt meinerseits geht an die teils unlogisch langen Bewusstseinsspannen der Opfer. Für meinen Geschmack war das stellenweise zu lang, aber das mag wohl jeder anders empfinden.

Insgesamt eine abartige Lektüre für zwischendurch, die aber auf keinen Fall etwas für den Alltag ist (hier geschehen wirklich kranke Dinge). Überzeugende Charaktere und eine glaubwürdige Hintergrundstory runden „Muschelknacker“ als Psycho-Horror-Schocker ab.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


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