Rezension zu Mara Langs „Girl in black“

Grunddaten:

Autor: Mara Lang

Titel: Girl in black

Hardcover: 400 Seiten

ISBN: 978-3764170639

Verlag: Ueberreuter

 

Klappentext:

Lia ist neunzehn, interessiert sich für Mode und hat ein besonderes Talent zur Designerin. Doch sie hat auch ein Geheimnis. Sie ist ein Seelenauge und kann die Gefühle anderer Menschen lesen und beeinflussen. Tattooartige Ranken zeichnen ihre Haut, wenn sie ihre Gabe einsetzt. Eine machtvolle Gabe, aufgrund derer sie für die italienische Mafia von großer Bedeutung ist. Als ihre Mutter stirbt, schafft Lia es, sich aus den Fängen der Mafia zu befreien, und flüchtet in ihre Heimatstadt Berlin. Hier versucht sie ein neues Leben zu beginnen, ohne die Familie, ohne ihre Gabe und ohne jegliche Gefühle. Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie schneller ein, als ihr lieb ist, und bringen nicht nur sie in Gefahr, sondern auch all ihre neugewonnenen Freunde – vor allem Nevio, in den sie sich gegen ihren Willen verliebt hat. Wird sie der Mafia entkommen?

Meine Meinung:

„Girl in black“ ist ein toller Genre-Mix aus Liebesgeschichte und Thriller inklusive Fantasyelementen. Nicht nur die authentischen Protagonisten haben mich überzeugen können, sondern auch die spanennden Verfolgungsjagden. Ein Roman, der mich durch und durch überrascht hat.

Wir bekommen diese fesselnde Story abwechelnd aus Sicht von Lia und Nevio erzählt, wobei Lias Anteil überwiegt, da es schlichtweg ihre Geschichte ist. Gerade wenn es um die Gefühle der Protagonistin ging, war die Wahl der Perspektive eine weise Entscheidung, weil Lia ein in sich gekehrter Typ ist und der Leser so aber verstehen konnte, was sie gerade bewegt. Der Schreibstil der Autorin war einfach nur bombastisch, weil ich schon lange keine Lektüre mehr lesen durfte, bei der ich innerhalb kürzester Zeit durch die gewählten Worte überzeugt wurde. Hier passt einfach jeder Satz. Spannung wird durch zackige Aussagen erzeugt, Gefühle werden auf den Punkt gebracht und Beschreibungen lassen doch soviel Raum, dass der Leser noch seine eigene Fantasie einsetzen kann. Hier muss ich wirklich ein großes Lob aussprechen!

Lia hat mir als Charakter sehr gut gefallen, weil sie ihren Weg geht und sich von nichts und niemandem ablenken lässt. Dabei geht sie aber keinesfalls skrupellos vor, sondern nimmt auch noch auf ihr Umfeld Rücksicht. Sie ist authentisch, weil sie ebenso wie jeder andere Mensch Fehler macht. Was sie allerdings von der Masse abhebt, ist, dass sie zu diesen Fehlern auch steht und sich Schwäche erlaubt. So wird Lia zu einem gewöhnlichen Mädchen, obwohl sie aufgrund ihrer Gabe eigentlich etwas Besonderes ist. Auch Nevio hat mich vollkommen überzeugen können, weil er ebenfalls sein Päckchen zu tragen hat. Er ist einfühlsam, aber doch frech und laut und aufregend. Als Paar sind die beiden einfach nur niedlich, weil der Leser von Anfang an spürt, dass zwischen Lia und Nevio eine starke Anziehungskraft herrscht. Auch hier muss ich noch mal positiv erwähnen, dass wir es nicht mit einer schmalzigen Lovestory zu tun haben, sondern mit echten Gefühlen, bei denen jeder der beiden Charaktere noch er selbst sein darf.

Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet und ergänzen sich perfekt. Hierbei bedient sich die Autorin auf Seiten der Mafia einiger Stereotype und Klischees, was ich aber nicht schlimm fand, weil der Fokus eben nicht auf diesen Personen liegen sollte. Ganz anders sieht es da schon wieder im direkten Umfeld von Lias Berliner Freunde aus: Hier haben wir es mit wahren Individueen zu tun, die alle auf die eine oder andere Art und Weise überraschen – sei es positiv oder negativ. Gerade bei den Charakteren hat die Autorin auf Vielschichtigkeit geachtet, die für Spannung sorgt und teilweise sogar Wendungen in der kompletten Geschichte nach sich zieht.

Den einzigen Minikritikpunkt muss ich beim Fantasyelement anbringen. Der Einstieg in der Thema Seelenmagie/Seelenauge ist zwar gelungen und ich konnte nachvollziehen, wie sich Lias Gabe äußert, allerdings war dann im mittleren Teil auf einmal ein Bruch, bei dem ich mich erst viel später fragte, wie er eigentlich zustande kam. Das hat mich ein bisschen gestört, weil ich es nicht immer nachvollziehen konnte. Leider kann ich hier nicht näher darauf eingehen, weil ich sonst spoilern müsste. Im letzten Drittel war dann aber wieder alles stimmig und insgesamt bin ich mit dem Fantasyanteil auch zufrieden, weil er sich dezent in die Story einfügt.

Das nächste Kompliment geht an die Spannung, denn ich habe diesen Roman fast in einem Rutsch verschlungen. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich fasziniert von Lias Geschichte und wie sie ihr Schicksal meistert. Aufgeben ist ein Wort, das sich nicht in ihrem Wortschatz befindet. Die Autorin hat das Tempo einfach perfekt getroffen, es ist immer was los, ohne dass man den Eindruck hatte, durch das Geschehen gehetzt zu werden. Besonders die zweite Hälfte war einfach unglaublich packend und Nerven aufreibend, weil es hier Schlag auf Schlag geht und wir mehr als eine Wendung oder (böse) Überraschung vorgesetzt bekommen.

Ich würde mir wünschen, bald mehr Romane dieser Art aus der Feder von Mara Lang lesen zu dürfen, weil mich der Schreibstil und die Charaktere überzeugen konnten. Wie die italienische Mafia mit Modedesign zu actionreichen Verfolgungen inklusive Fantasyelemten passt? Die Autorin hält mit „Girl in black“ die perfekte Antwort parat.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu J. Vellguths „Die unsichtbare Heldin“

Grunddaten:

Autor: J. Vellguth

Titel: Die unsichtbare Heldin (1)

Taschenbuch: 200 Seiten

ISBN: 978-1530273263

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Erfolglos bei ihrer Doktorarbeit. In den Augen ihres Vaters eine Niete. Und jetzt soll auch noch das Haus ihrer Eltern zwangsversteigert werden. Anja ist am Boden zerstört und weiß nicht mehr, was sie machen soll – bis ein Schild im Schaufenster eines Teeladens die Lösung all ihrer Probleme verspricht.
Aber sind die Dinge tatsächlich so einfach, wie sie scheinen? Und wofür darf sie ihre neuen Fähigkeiten überhaupt einsetzen?
Anja schlittert von einem moralischen Dilemma ins nächste, während sie versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Meine Meinung:

Bei „Die unsichtbare Heldin“ handelt es sich um den ersten Band der Superheldin-Trilogie von J. Vellguth. Die Autorin konnte mich mit einer neugierig machenden Hintergrundstory überzeugen, auch wenn ich deren Tiefe noch ein bisschen vermisst habe. Der Auftakt einer spannden Heldengeschichte.

Obwohl wir diese Story aus der Er-Perspektive erzählt bekommen und die Sicht eigentlich nie von der Protagonistin Anja weicht, hatte ich trotzdem nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Die Autorin verstand es, mit ihrem einfühlsamen Scheibstil die Emotionen von Anja zu transportieren und den Leser mit auf die Reise zu nehmen. Trotz des physikalischen Themas ist sie nie abgeschweift oder zu sehr ins Fachjagon gewechselt, sodass man als Leser stets folgen konnte.

Leider muss ich nun aber auch schon zum ersten Kritikpunkt kommen: die Protagonistin. Dass Anja anders ist und man sie sogar als typische Anti-Heldin bezeichnen könnte, finde ich gut. Dass sie aber teilweise so verbissen an manchen Dingen festhält, entbehrt sich jeglicher Logik. Ich konnte ihren Handlungen oft nicht folgen und fragte mich: Warum tut sie das jetzt? Für mich hat sie dadurch an Galubhaftigkeit verloren, was ich sehr schade fand. Auch die Liebesgeschichte konnte ich ihr nicht abnehmen, weil hier einfach alles viel zu schnell geht.

Ähnlich sieht es bei den Nebencharakteren aus. Gerade ihre beste Freundin war mir eigentlich total sympathisch und auf einmal trifft sie eine ziemlich harte Entscheidung, die man nicht wirklich nachvollziehen kann. Für mich war da leider ein krasser Bruch im Verhalten. Gut gefallen haben mir dagegen ihr Professor und Anjas Widersacherin an der Uni. Diese beiden Charaktere waren in sich stimmig und haben das Berufsleben der Protagonistin abgerundet.

Ich würde schon sagen, dass wir es mit einer spannenden Lektüre zu tun haben. Die Autorin hält sich zu Beginn nicht mit großen Ausführungen auf und springt direkt ins Geschehen, was ich durchaus positiv anmerken möchte. Allerdings hat sie es dann gegen Ende meiner Meinung nach zu gut gemeint. Da geschehen dann diverse Dinge Schlag auf Schlag und auch hier habe ich mich dann mehrmals gefragt: Was soll das jetzt? Für mich leider ein Fall von zu viel gewollt und übers Ziel hinausgeschossen. Ein realistisches und vor allem durchgeplantes Ende wäre hier schöner gewesen.

Trotz der Kritik möchte ich aber ganz klar sagen, dass ich auf jeden Fall die beiden anderen Teile lesen werde, weil mir die Hintergrundstory gut gefällt. Der Aspekt der Unsichtbarkeit war gut ausgearbietet und auch der Fakt, dass jede Magie einen Preis hat, konnte mich überzeugen. Deshalb bin ich gespannt, wie es mit Anja weitergeht. Ich würde die Lektüre zunächst dem Fantasygenre zuordnen, weil für mich noch nicht feststeht, ob wir es mit Magie oder Wissenschaft zu tun haben.

Ein typischer erster Teil, der in die Gesamtgeschichte einführt und mich trotz der angebrachten Kritikpunkte so weit überzeugen konnte, dass ich auf jeden Fall wissen möchte, wie Anjas Geschichte weitergeht. Ich würde mir eine Steigerung wünschen und lasse mich einfach mal überraschen.

Bewertung: 2,5/5 Sterne


Rezension zu Edward Lees „Muschelknacker“

Grunddaten:

Autor: Edward Lee

Titel: Muschelknacker

Taschenbuch: 192 Seiten

ISBN: keine

Verlag: Festa

 

Klappentext:

Die Brüder Esau und Enoch leben zufrieden am Sutherland Lake, irgendwo in der Einsamkeit Nordamerikas. Sie missbrauchen und quälen die dummen Stadtmenschen, die sich in ihr Reich verirren, und bereiten aus ihnen nach raffinierten Rezepten köstliche Speisen zu …

Meine Meinung:

Edward Lees „Muschelknacker“ beinhaltet wohl alles denkbare und auch unvorstellbare, was die menschliche Psyche sich an Abartigkeiten ausdenken kann. Menschen kochende Hinterwäldler und Brüder mit sexuellen Geheimnissen sind da nur ein Teil der Storyelemente.

Die Geschichte an sich ist klassisch in Kapitel unterteilt und wird uns von einem allwissenden Erzähler nähergebracht. Da die Geschehnisse immer wieder zwischen den Protagonisten hin und her wechseln, war dies eine gute Wahl, da man so als Leser das Gefühl hatte, immer direkt am Geschehen dran zu sein. Der Schreibstil ist direkt und schonungslos. Die Autoren nehmen wahrlich kein Blatt vor den Mund und reden auch nie lange um den heißen Brei herum. Gerade die Sprache der beiden Hinterwäldlerbrüder hat mir sehr gut gefallen, weil hier schon durch deren Artikulation klar wurde, wie anders sie sind.

Von Haupt- und Nebencharakteren möchte ich bei diesem Buch gar nicht sprechen, weil es hier so einige Personen gab, die eine zentrale Rolle zu spielen hatten. Jeder war irgendwie wichtig und hat die Story an sich vorangebracht. Dabei waren die Charaktergestaltungen wirklich individuell. Obwohl wir manche Menschen nur sehr kurz kennengelernt haben, hatte ich stats das Gefühl, sie tatsächlich zu kennen. Wie schon erwähnt, haben die Hinterwäldlerbrüder eine morbide Faszination auf mich ausgestrahlt. Obwohl sie fruchtbare Dinge tun, hatte ich dennoch das Bedürfnis, sie in Schutz nehmen zu müssen, weil für sie ja ein tieferer Sinn hinter dem ganzen Verhalten steckt.

Die Spannung ist durchweg vorhanden, was aber zum größten Teil daran liegt, dass das Erzähltempo sehr hoch ist auf den nicht ganz 200 Seiten. Ich habe die Geschichte so in einem Rutsch verschlingen können. Darüber hinaus muss ich aber auch sagen, dass die Personen stets in Bewegung waren und so eine gewisse Grunddynamik herrschte, die selbst bis zur letzten Seite nicht abgeflacht ist.

Wer sich für dieses Buch entscheidet, sollte definitiv keine schwachen Nerven haben. Wo Festa extrem draufsteht, ist auch Festa extrem drin. Gewalt, Sex und diverse Abartigkeiten sind auf jeder Seite Programm. Die menschliche Psyche kann sich gerade vom einen Schock erholen und bekommt sofort den nächsten präsentiert. Für Einsteiger ist dieses Buch nicht unbedingt geeignet, da gibt es „sanftere“ Lektüren aus dem Festa Verlag, die sich besser eignen würden. Für Leute mit empfindlichen Magen empfiehlt es sich auch, besser vorher nichts gegessen zu haben *zwinker*

Der einzige Minikritikpunkt meinerseits geht an die teils unlogisch langen Bewusstseinsspannen der Opfer. Für meinen Geschmack war das stellenweise zu lang, aber das mag wohl jeder anders empfinden.

Insgesamt eine abartige Lektüre für zwischendurch, die aber auf keinen Fall etwas für den Alltag ist (hier geschehen wirklich kranke Dinge). Überzeugende Charaktere und eine glaubwürdige Hintergrundstory runden „Muschelknacker“ als Psycho-Horror-Schocker ab.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu Ricarda Martins „Ein Sommer in Irland“

Grunddaten:

Autor: Ricarda Martin

Titel: Ein Sommer in Irland

Taschenbuch: 512 Seiten

ISBN: 978-3426518038

Verlag: Knaur

 

Klappentext:

Caroline wird von ihrem Chef nach Irland geschickt, um dort auf einem idyllischen Cottage nach einem wertvollen alten Buch zu forschen und es bei einer Auktion zu ersteigern. Da sie die Sommerferien mit ihrer jugendlichen Tochter Kim verbringen will, muss diese gegen ihren Willen mit nach Irland reisen. Die Suche nach dem alten Buch wird für Caroline und Kim zu einer Suche nach einem Familiengeheimnis und ihren eigenen Wurzeln. Die Reise und die traumhafte Umgebung Irlands helfen den beiden, wieder näher als Familie zusammenzufinden. Auch die Liebe findet Einzug in die kleine Familie, wird an Ende Irland für die beiden das große Glück bedeuten?

Meine Meinung:

„Ein Sommer in Irland“ ist ein erfrischender Roman, bei dem zwei Schicksale und zwei Familie unwiederbringlich miteinander verbunden sind. Nicht nur die authentischen Charaktere, sondern auch das tolle Setting und die schlüssige Geschichte haben dieses Buch zu einem wahren Genuss gemacht.

Wir bekommen diese Geschichte nicht nur aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven erzählt, sondern auch noch aus unterschiedlichen Zeitsträngen. So wird uns auf der einen Seite die aktuelle Story von Caroline und Kim im Jahr 2014 näher gebracht und auf der anderen Seite erhalten wir Einblick in die Handlungsstränge 100 Jahre zuvor, die im Verlauf nach und nach einen Sinn ergeben und das Gesamtbild abrunden. Der Schreibstil ist leicht verständlich und vor allem sehr flüssig gehalten, sodass ich die Geschichte an einem Stück hätte verschlingen können. Auch wird der Schreibfluss immer wieder durch Mails, SMS und Briefe aufgelockert, sodass man das Buch als Leser gar nicht aus der Hand legen mag.

Caroline hat mir von Anfang an sehr gut gefallen und stetig Sympathiepunkte gesammelt. Sie hat es im Leben nicht leicht gehabt und schlägt sich auf ihre Art und Weise durch. Besonders zugesagt hat mir, dass sie kein Stereotyp ist und sich deutlich von üblichen Protagonistinnen unterscheidet. So macht sie beispielsweise Fehler, denkt darüber nach und steht im Zweifelsfall auch zu diesen. Auch Kim ist eine starke Persönlichkeit, die im Verlauf der Geschichte über sich selbst hinauswächst. Sie hat mich besonders überrascht, weil man zu Beginn von einem typisch bockigen Teenie ausgeht und dann doch eines Besseren belehrt wird.

Die Nebencharaktere waren zwar vielzählig, aber trotzdem indivieduell gestaltet. Besonders die beiden Zeitebenen haben es namenstechnisch in sich, weil man sich nicht nur eine Generation von Personen einprägen muss, sondern gleich zwei. Aber die Autorin hat es gekonnt verstanden, diese beiden Ebenen miteinander zu verknüpfen und so ist für den Leser letztendlich nur eine spannende Geschichte übrig geblieben.

Gerade das Setting war unglaublich authentisch gestaltet. Die Umgebungsbeschreibungen in Irland waren einfach nur traumhaft und ich habe mich selbst dorthin versetzt gefühlt. Auch Cardew Castle ist vor meinem inneren Auge zum Leben erwacht. Ich konnte die Zugluft spüren, habe den leichten Moder gerochen und das Knistern des Feuers gehört. Wer solch ein Talent für Beschreibungen hat, ist wirklich gesegnet und das ist auch der Hauptgrund, weswegen das sicher nicht mein letzter Roman der Autorin war.

Zur Spannung brauche ich eigentlich nicht mehr viel sagen, weil ich von der ersten Seite an gefesselt war. Gerade die Rückblenden haben die Stimmung noch zusätzlich angeheizt, weil hier nur nach und nach die Wahrheit offenbart wurde. Caroline musste in ihrem Urlaub in Irland wahre Detektivarbeit betreiben und ich bin froh, dass ich diese Familiengeschichte als Leser mitverfolgen durfte.

Die historischen Hintergrunddaten waren von der Autorin sorgfältig recherchiert und sehr gut mit der Handlung verwoben worden. Auch das damals brisante Thema Homosexualität hat sie sensibel, aber doch aufzeigend im streng katholischen Irland um 1900 dargestellt.

Bei diesem Roman hat für mich einfach alles gestimmt und das sage ich nicht nur, weil ich ein absoluter Irland-Fan bin und selbst gerne mal auf die grüne Insel möchte. Die Charaktere waren in sich und miteinander stimmig, die Familiengeschichte glaubhaft geschildert und der Schreibstil einfach nur spannend und unterhaltsam – weiter so, Ricarda Martin!

Bewertung: 5/5 Sterne


Rezension zu Emma Wagners „Eine Schildkröte macht noch keine Liebe“

Grunddaten:

Autor: Emma Wagner

Titel: Eine Schildkröte macht noch keine Liebe

eBook: 348 Seiten

ASIN: B01HT6KPFC

Verlag: keiner (Selfie)

 

Klappentext:

Vincent nimmt das Leben leicht und versucht Arbeit und Ärger aus dem Weg zu gehen. Als jedoch die geheimnisvolle Lilly in sein Leben tritt, hat er plötzlich von beidem mehr als genug am Hals. Schnellstmöglich will er die junge Frau mit den smaragdgrünen Augen wieder loswerden, aber sie erweist sich als ebenso sonderbar wie hartnäckig.
Lillys Leben ist von Grund auf anders – in vielerlei Hinsicht.
Sie merkt recht bald, dass Vincent und sie nicht unterschiedlicher sein könnten und er sie mit seiner ganzen Art auf die Palme bringt. Doch man kann schließlich nicht besonders wählerisch sein, wenn man auf der Flucht ist. Und dann sieht der Kerl auch noch so unverschämt gut aus …
Mit Gefühlen jedenfalls hat keiner von beiden gerechnet.
Auch nicht mit Vincents Bruder, der eigene Pläne verfolgt.
Aber kann ein einziges Wochenende alles verändern?
Und wo kommt eigentlich die Schildkröte her?

Meine Meinung:

„Eine Schildkröte macht noch keine Liebe“ ist der neue Roman rund um die beiden Streithähne Lilly und Vince, die sich zufällig in Heidelberg begegnen. Leider konnten mich die Protagonisten nicht komplett überzeugen und auch bei der Spannung musste ich einige Abstriche machen …

Ich muss zugeben, dass das meine erste Lektüre von der Autorin Emma Wagner ist. Über die bisher erschienen Romane habe ich nur Positives gehört, weswegen ich dann endlich mal mit einem Buch starten wollte und meine Wahl ist dann zufällig auf dieses gefallen. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, weil die Story locker und flockig von der Leber weg geschrieben ist. Bedauerlicherweise hat die Autorin aber immer wieder auf gleiche Phrasen zurückgegriffen, was mir das Lesevergnüngen etwas genommen hat. So ist der Protagonist beispielweise permanent am seufzen oder ihm fällt oft die Kinnlade herunter. Die Wortwahl war dem Liebesromangenre angepasst und besonders gut hat mir der teilweise eingearbeitete Dialekt in den Dialogen gefallen.

Mit den beiden Protagonisten hatte ich in der ersten Hälfte des Buches so meine Schwierigkeiten. Mir ist es verhältnismäßig schwer gefallen die Motive und Handlungen in Einklang zu bringen. Vince habe ich dabei noch etwas besser verstehen können, aber Lilly war definitv ein Buch mit sieben Siegeln für mich. Das hat auch dazu geführt, dass ich sie nicht ernst nehmen konnte, was ich extrem schade finde. In der zweiten Hälfte wurde es dann deutlich besser. Man hatte als Leser das Gefühl, dass beide nun zu ihrem wahren Ich gefunden haben und wissen, was sie tun, während zuvor das reinste Choas geherrscht hat. Auch die Liebesgeschichte an sich ist dadurch etwas untergegangen, weil beide so sehr mit sich selbst beschäftigt waren, dass sie den jeweils anderen nicht so wirklich wahr geommen haben; so war jedenfalls mein Eindruck.

Bei den Nebencharakteren hat die Autorin allerdings einen mehr als guten Job angeliefert! Gerade das kauzige Geschwisterpaar Otto und Karl sind mir von der ersten Seite an ans Herz gewachsen. Obwohl sie immer nur Gastauftritte zwischendurch genießen, habe ich ihnen jeden Satz abgenommen. Für mich waren sie einfach „echt“ und haben mich auch innerlich berührt. Auch die anderen Charaktere der Geschichte waren super ausgearbeitet und haben die Handlungen erst so richtig rund gemacht.

Beim Spannungsverlauf muss ich eine kleine Rüge anbringen, weil in der ersten Hälfte nicht viel passiert. Ich habe die ganze Zeit auf irgendwelche dramatischen Wendungen, prickelnde Zufälle oder sonst irgendwas gewartet, was aber leider nicht eingetreten ist. Richtig spannend würde ich die letzten 60 Seiten bezeichnen, weil sich hier die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes überschlagen. Das kommt für mich aber leider viel zu spät, da hätte ich mir vorher schon ein paar Überraschungen gewünscht, damit der Leser auch bei der Stange bleibt.

Natürlich ist der Roman dem Genre des Liebesromans zuzuordnen, wobei auch einige erheiternde Szenen vorhanden sind. Die Liebe würde ich eher als zart aufkeimend beschreiben, weil die beiden Protagonisten – wie schon erwähnt – zu Anfang viel zu sehr gegeneinander arbeiten als miteinander.

Insgesamt würde ich die Geschichte als durchschnittlich bezeichnen. Viele Überraschungen werden hier nicht bereitgehalten und schon nach ein paar Kapiteln ist absehbar, auf was das Ganze hinausläuft, aber trotz aller Kritik konnte ich das Buch gut lesen, was am flüssigen Schreibstil lag. Ich bin schon sehr gespannt, was die anderen Romane der Autorin für mich bereithalten, denn ich durfte Emma Wagner auf diversen Buchmessen erleben und diese Frau ist einfach nur superlieb und zuckersüß!

Danke, dass ich dieses Buch als Vorab-Rezensionsexemplar lesen durfte.

Bewertung: 3/5 Sterne


Rezension zu Geneva Lees „Royal Passion“

Grunddaten:

Autor: Geneva Lee

Titel: Royal Passion (1)

Broschiert: 448 Seiten

ISBN: 978-3734102837

Verlag: blanvalet

 

Klappentext:
Auf ihrer Abschlussfeier an der Oxford University trifft Clara Bishop auf einen attraktiven Fremden. Ohne Vorwarnung zieht er sie an sich, küsst sie leidenschaftlich und verschwindet. Clara hat keine Ahnung, wer der Unbekannte ist – bis ein Bild von ihnen beiden in der Zeitung auftaucht: Ihr heißer Flirt ist Prinz Alexander von Cambridge, Thronfolger von England, königlicher Bad Boy …

Dieser Mann ist gefährlich, in ihm lauern Abgründe, die Clara ins Verderben stürzen können. Ist Clara dieser magischen Anziehungskraft gewachsen?

Meine Meinung:

„Royal Passion“ ist der erste Band einer sechsteiligen Reihe, rund um den Bad-Boy-Thronfolger Alexander von Cambrige und die reiche Bürgerliche Clara Bishop. Insgesamt ist die Thematik interessant, allerdings haben mich die sich immer wieder wiederholenden Sexszenen gestört und auch der Royal selbst konnte mich nicht überzeugen.

Wir bekommen diese prickelde Geschichte direkt aus Sicht der Protagonistin Clara erzählt. Für mich war das die perfekte Perspektive, weil Clara ein sehr sensibler Charakter ist und sich viele Gedanken zu verschiedenen Themen macht. So habe ich ihre Gedankengänge besser nachvollziehen können. Der Schreibstil ist flüssig und locker gehalten. Die Personen reden meistens, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Auf der einen Seite fand ich das gut, weil man so zeigen konnte, dass auch die Royals nur Menschen sind, aber auf der anderen Seite war es auch ein wenig unglaubwürdig, wenn selbst der König keine Etikette wahrt.

Mit Clara kam ich aus dem eben schon erwähnten Grund gut zurecht. Ich konnte ihre Handlungen verstehen und auch ihre innere Zerrissenheit war klar dargestellt und für mich glaubhaft. Sie ist die Sorte Charakter, die nach ihrer Stärke suchen und dabei eigentlich schon immer tough waren. Wie heißt es so schön? Stärke kommt von innen und man kann sie aus den Schwächen der Vergangenheit ziehen. Natürlich ist sie jetzt nicht unbedingt individuell gestaltet und füllt ziemlich viele Klischees aus, aber das ist bei dieser Story eher nebensächlich, weil hier ganz eindeutig das Sexleben der beiden im Vordergrund steht.

Mit Alexander hatte ich da schon mehr Schwierigkeiten, weil ich bei ihm einfach nicht durchblicken konnte. Das ist auch sicherlich so gewollt von der Autorin. Sein innerer Konflikt kommt zwar gegen Ende zum Vorschein, aber warum er so handelt, wie er handelt, kann man als Leser nicht wirklich verstehen. Man könnte jetzt natürlich sagen, dass das so sein muss, weil es sonst keine fünf Folgebände gäbe, aber ich konnte Alexander den Thronfolger von England leider nicht abnehmen. Das lag zum Teil auch daran, dass er sich immer wieder ganze Tage für das Liebesspiel mit Clara freischaufeln konnte, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu haben (wie geht das bitte?). Die Parallelen zu den richtigen Royals sind natürlich da und das hat es mir nicht gerade einfacher gemacht (Alex Mutter ist tot, der Vater ist griesgrämig, die Königinmutter herrscht momentan über England), weil es dann auch wieder große Diskrepanzen gibt (der jüngere Bruder ist der ruhigere und der ältere (Alexander) ist der Bad Boy, es gab noch eine jüngere Schwester usw.).

Die Story an sich ist eher flach und hat wenige Höhen und Tiefen. Es passiert auch nicht wirklich etwas Überraschendes, weil es ein ständiges Hin und Her zwischen Clara und Alexander ist. Während ihr schon von Anfang an klar ist, dass diese Verbindung zum Scheitern verurteilt ist, kommt er immer wieder auf sie zu und reißt sie weiter in den Abgrund.

Die Thematik ist ganz eindeutig der Sex zwischen den Protagonisten. Es gibt kein Kapitel, in dem nicht wenigstens einer der beiden einen Höhepunkt erlebt. Natürlich habe ich diese Lektüre aufgrund des prikelnden Themas gelesen und habe auch generell kein Problem damit, allerdings wurde der viele Sex ab der zweiten Hälfte wirklich langweilig. Immer wieder die gleichen Abläufe, auch die Formulierungen waren identisch und nach einer Weile wirklich ausgelutscht. Da hatte ich deutlich mehr erwartet, bzw. ein bisschen Abwechslung. Auch die Andeutungen zum Thema Dominanz waren eher armselig. Ich hatte zwischendurch den Eindruck, dass die Autorin 50 Shades of Grey im Kopf hatte und dann immer wieder davon ab kam. Mal ist es Alexander total wichtig und es kommt zum Krach deswegen und dann ist es wieder total nebensächlich, hauptsache Clara ist bei ihm. Das kann man dann nicht so richtig nachvollziehen.

Trotz der Kritik werde ich aber die Folgebände lesen, weil ich noch Hoffnung habe, dass das Drumherum besser wird. Die zarte Liebesgeschichte, die der Leser bisher entdecken durfte, hat nämlich durchaus Potential, das nun genutzt werden muss.

Bewertung: 2,5/5 Sterne


Rezension zu Andreas Hultbergs „Der Tod vergisst nie“

Grunddaten:

Autor: Andreas Hultberg

Titel: Der Tod vergisst nie

Broschiert: 352 Seiten

ISBN: 978-3863270346

Verlag: Divan

 

Klappentext:

Dr. Olaf Bock, Mitinhaber des renommierten Architekturbüros Bock & Partner, wird erschossen in seinem Büro in der Erfurter City aufgefunden. Ein Racheakt? Schnell wird deutlich, dass sich Bock durch seine skrupellosen Geschäftspraktiken zahlreiche Feinde gemacht hatte. Ins Visier der Ermittler gerät vor allem der Immobilienmakler Udo Greiling, der von Bock um Millionenbeträge geprellt und in den Ruin getrieben wurde. Da die Geschäftsanteile des Architekturbüros zu gleichen Teilen an Bocks geschiedene Frau und den verbliebenen Gesellschafter fallen, kann auch ein Mord aus Habgier nicht ausgeschlossen werden. Trotz intensiver Ermittlungsarbeit kommen die Kollegen der Mordkommission Erfurt dem Täter nicht auf die Spur, bis in Bad Sulza ein Mann mit derselben Tatwaffe erschossen wird. Der Ermordete war ebenfalls in der Baubranche tätig. Und er war Verdächtiger in einem Kinderpornographie-Prozess, in den auch ein Beamter aus höchsten Regierungskreisen Thüringens verwickelt ist…

Meine Meinung:

Mit „Der Tod vergisst nicht“ legt der Autor einen spannenden Regionalkrimi mit glaubhaften Charakteren und einer realistischen Hintergrundstory vor.

Was mir bei diesem Buch besoners gut gefallen hat, ist der flüssige Schreibstil und die dynamischen Dialoge. Gerade wenn die beiden ermittelnden Kommissare Christoph und Lina aufeinander treffen, gibt es hitzige Diskussionen, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Auch bei der Wahl der Perspektive ist der Autor geschickt vorgegangen, denn die laufende Story bekommen wir aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, da die Personen und Schauplätze oft wechseln und man so nie etwas verpasst. Dann gibt es zwischendurch aber immer wieder Ich-Passagen, die einen direkten Einblick in die Gefühlswelt des/der Täter/in ermöglichen.
Meinen einzigen Minikritikpunkt muss ich aber auch hier gleich anbringen, denn gerade zu Beginn hält sich der Autor sehr mit Personen- und Schauplatzbeschreibungen auf. Prinzipiell ist das angebracht, allerdings werden hier teilweise seitenlang Personen beschrieben, die dann im weiteren Verlauf gar keine Role mehr spielen. So ist mir der Einstieg ein wenig schwer gefallen, was sich dann zum Glück aber schnell gelegt hat.

Die Protagonistin Lina hat mich als leitende Ermittlerin überzeugen können. Sie steht in jeder Sitation ihre Frau und strahlt eine unglaubliche Stärke aus. Meiner Meinung nach hat der Autor es geschafft, eine gelungene Balance zwischen Arbeitsleben und Privatem hinzubekommen. Er hat mal keine Kommissarin erschaffen, die nur und auschließlich für die Arbeit lebt, sondern auch versucht, ein Privatleben zu führen.
Ihr Kollege Christoph bildet da einen krassen Kontrast. Ihm sind alle Mittel recht, um seine Karriere voranzutreiben und vor allem ist ihm Lina ein Dorn im Auge, weil er eine chauvinistische Ader hat. Nichtsdestotrotz können sich seine Kollegen auf ihn verlassen, wenn es darauf ankommt.

Auch der Rest vom Ermittlerteam war sympathisch und doch glaubwürdig. Jeder hat hier wohl sein Päckchen zu tragen, aber trotzdem konnten sie in ihren Rollen mehr als überzeugen (der hitzige Chef, der nicht aus der Ruhe zu bringende Kollege der Spurensicherung, die junge Kollegin, die gegen Vorurteile kämpfen muss). Selbst die Opfer wurden nach ihren Toden so gut dargestellt, dass man sich bildlich vorstellen konnte, wie sie wohl zu Lebzeiten gewesen sein mussten.

Die Spannung war nach dem bereits erwähnten Einstieg durchgängig vorhanden. Im Verlauf der Geschichte gibt es mehr als eine Wendung und auch die wahren Zusammenhänge offenbaren sich erst nach und nach. Gerade das Ende hat es dann noch einmal in sich, weil man eine ganze Weile nicht weiß, wer diese Taten verübt haben soll. Der Autor versteht es, ein wirres Netz aus Vermutungen zu weben, damit dem Leser die Spannung so lange wie möglich erhalten bleibt.

Wir haben es hier mit einem unblutigen (bis auf Tatortbeschreibungen und Autopsie) Krimi zu tun, der in Erfurt und Umgebug spielt. Allerdings hätte er auch an jedem anderen Ort stattfinden können, weil der Leser von Erfurt nicht viel mitbekommt. Selten werden ein paar bekannte Plätze erwähnt (z.B. die Krämerbrücke), aber das war es dann auch schon. Ich persönlich finde es ein bisschen schade, weil ich gerne mehr von Erfurt kennengelernt hätte. Ansonsten kann man sagen, dass die Ermittlungsarbeit im Vordergurnd stand, was ich aber auch genau so erwartet habe.

Insgesamt ein toller Krimi, der viele positive Überraschungen parat hält und vor allem durch sein tolles Charakterdesign und den flüssigen Schreibstil überzeugen konnte. Das war sicher nicht mein letztes Buch von Andreas Hultberg.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu Marcel van Driels „Pala – Das Spiel beginnt“

Grunddaten:

Autor: Marcel van Driel

Titel: Pala – Das Spiel beginnt (1)

Broschiert: 320 Seiten

ISBN: 978-3841503534

Verlag: Oetinger

 

Klappentext:

Überall auf der Welt spielen Jugendliche ein Online-Game, bei dem man Abenteuer auf der virtuellen Insel Pala bestehen muss. Auch Iris ist von dem Spiel begeistert – bis es plötzlich Realität wird. Denn die Insel gibt es wirklich. Und die besten Spieler werden nach Pala entführt und dort von Mr Oz, dem Erfinder des Spiels, zu Geheimagenten ausgebildet. Doch welches Ziel verfolgt Mr Oz, und wie kann man von der Insel entkommen? Fest steht nur eins: Auf Iris warten große Gefahren, und bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen kann …

Meine Meinung:

Mit „Pala – Das Spiel beginnt“ legt der Autor einen unglaublich spannenden ersten Teil einer neuen Jugendbuch-Trilogie vor. Mich konnten vor allem die authentischen Charaktere und das toll beschriebene Setting überzeugen, weil ich mich direkt zurechtgefunden habe.

Die Geschichte wird uns aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, da die Perspektive immer wieder zwischen verschiedenen Orten und Charakteren hin und her wechselt. Ich persönlich finde, dass der Autor einen sehr fesselnden Schreibstil hat, denn ich habe die Lektüre praktisch am Stück verschlungen und konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen! Schon die Kapitelüberschriften regen jeweils zum Nachdenken an, weil meist mit einem Wort umschrieben wird, was in diesem oder jenen Kapitel passiert, ohne bereits zu viel zu verraten.

Besonders gut haben mir auch die Ortsbeschreibungen des Autors gefallen. Gerade am Anfang, als Iris in den Niederlanden unterwegs ist, hatte ich das Gefühl, tatsächlich eine Stadtführung zu erhalten. Auch Pala und das System, das dort herrscht, wurden so authentisch – aber mit wenigen Worten und keineswegs ausschweifend – beschrieben, dass ich es mir vor meinem inneren Auge vorstellen konnte.

Iris als Protagonistin von „Pala“ konnte mich vor allem deshalb überzeugen, weil sie sich stets selbst treu geblieben ist. Sie ist eine typische (noch)-Dreizehnjährige, die sich mit den üblichen Problemen der Pubertät herumschlägt. Trotzdem lässt sie sich von ihren romantischen Gefühlen nicht beeinflussen, sondern geht ihren Weg – egal, wer oder was sich ihr in den Weg stellt. Selbst in Situationen, in denen man als Leser denkt, dass diese für einen Teenager nicht zu bewältigen sind, steht sie ihre Frau und gibt niemals auf. Dabei muss man vor Iris wirklich den Hut ziehen, denn durch den Tod des Vaters und die Differenzen mit ihrem Bruder sollte man eigentlich meinen, dass sie psychisch sowie emotional etwas mitgenommen sein sollte, aber selbst hier schafft sie es, ihre persönlichen Belange beiseite zu schieben, wenn es darauf ankommt.

Auch die Nebencharaktere sind authentisch gestaltet und vor allem individuell. Der Autor bedient sich bei diesem Buch keiner Stereotypen, sondern erschafft einzigartige Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dies kann vor allem daran liegen, dass auf Pala die unterschiedlichsten Nationalitäten zusammenkommen. Mir haben hier gleich mehrere Personen imponieren können, sodass ich insgesamt von einem gelungenen Charakterdesign sprechen kann.

Zunächst hatte ich gedacht, dass wir wieder eine Story à la Mädchen-wird-in-Videospiel-hineingezogen präsentiert bekommen, aber ich wurde hier eines Besseren belehrt. Auf was die Gesamtgeschichte hinausläuft, bzw. was der Plan von Mr Oz ist, ist zwar noch nicht abzusehen, doch das ist in einem ersten Teil ja auch noch nicht notwendig.

Die Spannung ist von Anfang an vorhanden und steigert sich zwischendurch immer wieder. Besonders das Ende hat dann einen fiesen Cliffhanger, sodass man am liebsten direkt mit Band zwei fortfahren möchte! Durch einige Wendungen, die man als Leser so nicht voraussehen konnte, wurde die Spannung noch zusätzlich angefacht. Auch der bereits erwähnte fesselnde Schreibstil hat sein Übriges dazu beigetragen.

Insgesamt kann ich nichts Negatives an dieser Lektüre finden und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, weil mir Iris und ihre Mitstreiter sehr ans Herz gewachsen sind. Besonders neugierig fiebere ich dem großen Finale entgegen, denn ich gehe davon aus, dass es noch spektakulär werden wird.

Bewertung: 5/5 Sterne


Rezension zu Alena & Alexa Colettas „Geteiltes Blut dot Com“

Grunddaten:

Autor: Alena & Alexa Coletta

Titel: Geteiltes Blut dot Com

eBook: 394 Seiten

ASIN: B01CJWYHIM

Verlag: Impress

 

Klappentext:

Die 17-jährige Julie Turner stammt dem Zweig einer traditionellen Vampirjägerfamilie ab, der durch ihre Eltern in Ungnade gefallen ist. Während ihr Cousin zusammen mit anderen Londoner Vampirjägern die Metropole beschützt, kann sie ihren Jagdtrieb lediglich als Hackerin beim Aufspüren gut geschützter Firewalls ausleben. Dabei trifft sie auf die von einem gewissen Mephisto betriebene Bluttauschbörse »Geteiltes Blut dot Com« und wird plötzlich doch noch für die Vampirjägergilde interessant. Sollte sie diesen Mephisto aufspüren, wird die Ächtung aufgehoben, so heißt es. Aber obwohl ihr der attraktive Val Devine, einer der besten jungen Vampirjäger, zur Seite steht, scheint Mephisto ihnen immer einen Schritt voraus zu sein – und bald weiß Julie nicht mehr, ob sie die Fäden noch selbst in der Hand hält oder längst zu einer Figur in Mephistos Spiel geworden ist…

Meine Meinung:

„Geteiltes Blut dot Com“ ist der erste Band der neuen Reihe rund um die Vampirjäger James, Juli und Val. Nicht nur die authentischen Charaktere konnten mich überzeugen, sondern auch eine interessante Hintergrundstory und ein flüssiger Schreibstil.

Das Buch ist klassisch in Kapitel unterteilt, wobei die Sicht innerhalb eines Kapitels zwischen verschiendenen Charakteren wechselt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, was das Lesen zu einem wahren Genuss macht. Auch die Dialoge sind super, denn die Sprache ist den einzelnen Personen angepasst und so entstehen teils hitzige Diskussionen, die mir persönlich einfach Spaß gemacht haben. Auch die neuen Medien sind in der Lektüre bedacht und so wird der Fließtext ab und zu durch Mails, SMS oder Kurznachrichten aufgelockert.

Die Protagonistin Julie war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist individuell ausgearbeitet und mal kein Stereotyp, der einem vorgegebenen Weg folgt. Schon alleine das Familiengefüge ist sehr speziell, den Julie wurde von ihrem Vater aufgezogen. Auch dass sie ihn beim Vornamen nennt, zeigt, dass sie ein Verhältnis haben, dass nicht alltäglich ist. Sie muss sich darüber hinaus noch mit der Vergangenheit herumschlagen, die ihr das Leben nicht einfacher macht, denn als Tochter von Verrätern in einem Clan von Vampirjägern Fuß zu fassen, gestaltet sich mehr als schwierig. Trotz der ganzen Unwegsamkeiten kässt sie sich aber nicht unterkriegen und steht für ihre eigenen Überzeugungen ein.
Die beiden männlichen Protagonisten könnten wohl nicht unterschiedliher sein. Während James (Julies Cousin) im Pflichtbewusstsein der Mutter steht und ihr mit blindem Vertrauen folgt, vertraut Val nicht mal sich selbst. Er ist wohl der Bad Boy der Story und hat trotzdem meine Smpathiepunkte von Anfang an eingestrichen, während mir James stets distanziert erschien.

Auch die Nebencharaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Besondes Lily White hat mich fasziniert, weil sie eine geheimnisvolle Aura umgibt. Sie ist im Verlauf der Story für mehr als eine Überraschung gut und facht so die Spannung noch zusätzlich an.

Die Spannung an sich ist ab dem zweiten Drittel durchgängig vorhanen und steigert sich zum Ende hin sogar noch. Mein einziger Minikritikpunkt geht an das erste Drittel. Bis auf ein paar Szenen, in denen etwas mehr los ist, dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte richtig in Schwung kommt und den Leser packt. Da es sich um den ersten Teil einer Reihe hanelt, war das für mich aber nicht wirklich tragisch, weil man ja erstmal die Personen vorstellen muss. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die weiteren Teile, weil noch einige Fragen am Ende offen bleiben.

Das Thema Vampire und Vampirjäger ist zwar nicht neu, aber gut umgesetzt, weil der Fokus nicht uf den Vampiren an sich liegt. Es gibt hier also nicht die klassischen Szenen, in denen Menschen ausgesaugt werden, sondern eher actiongeladene Kämpfe und wilde Verfolgungsjagden. Mich konnte die Welt, die die Autorinnen erschaffen haben, überzeugen, denn das Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren.

Insgesamt ein gelungener erster Teil, bei dem mich vor allem das tolle Charakterdesign packen konnte. Hoffentlich erscheint bald Teil zwei!

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu Lynn Summers „Secret Desire“

Grunddaten:

Autor: Lynn Summers

Titel: Secret Desire

Broschiert: 700 Seiten

ISBN: 978-3734753398

Verlag: Selfpublisher

 

Klappentext:

Während eines Interviews mit dem Inhaber von Cunningham Construction lernt Maya dessen attraktiven und charmanten Sohn Julian kennen. Sie ist sofort fasziniert von ihm, doch Julian ist bereits vergeben. Was sie nicht ahnt. Auch Julian kann sie nicht vergessen. Wären da nicht Melissa, Julians eifersüchtige Verlobte, sowie sein Bruder Jayden, der ebenfalls ein Auge auf Maya geworfen hat und vor nichts zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen. Werden Maya und Julian ihr Glück finden können?

Meine Meinung:

„Secret Desire“ ist ein Sammelband der Liebesgeschichte rund um Julien Cunningham und Maya Shepherd. An und für sich hätte die Lektüre echt nett sein können, allerdings haben die unlogischen Handlungen der Protagonistin hier einen Strich durch die Rechnung gemacht.

An und für sich hat mir der Schreibstil eigentlich gut gefallen, denn er ist locker gehalten und die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund – Direktheit finde ich gut. Zu viel davon ist dann allerdings schon wieder unsexy. Gerade bei den erotischen Szenen war mir die Sprache oft zu vulgär, sodass ich dem Charakter sein „brennendes Verlagen“ nicht abkaufen konnte. Auch die vielen Wortwiederholungen (unglaublich, anziehend etc.) haben mich das Buch des öfteren aus der Hand legen lassen.

Für mich am Schlimmsten war alledings die Protagonistin selbst. Sie hat sich teilweise so unpassend verhalten, dass ich das Lesen unterbrechen musste, weil ich mich über sie geärgert habe. Dass nicht immer alle Personen in jeder Situation logisch agieren, ist ein Ordnung. Wenn sie das aber permanent tun und dann auch noch in Extremsituationen, dann kann ich da leider nicht mehr folgen. An sich war Maya mir zu Beginn eigentlich auch sympathisch, aber das hat sich dann leider schnell gelegt. Bei Julien war es etwas besser. Er hat zwar zwischendurch auch ein paar merkwürdige Entscheidungen getroffen, generell konnte ich ihm seine Rolle aber eher abkaufen. Die beiden könnten ein wirklich tolles Paar sein, wenn nicht ständig und permanend der Sex im Vordergrund stehen würde. Ich habe überhaupt nichts gegen solche Szenen, aber bei dieser Lektüre waren sie einfach zu oft und dann auch meistens noch sehr hektisch und gehetzt, was ich persönlich schade fand.

Die Nebencharaktere waren für mich am glaubwürdigsten und haben auch die meisten Überraschungen parat gehalten. Hier scheint die Autorin genau festgelegt zu haben, wer in welche Rolle schlüpfen soll und hat sie diese auch stringent durchführen lassen. Ein Kompliment also für die Nebendarsteller der Story, denn sie waren durchweg authentisch.

Die Hintergrundstory (Redakteuerin verliebt sich auf den ersten Blick in reichen Immobilienmogul mit leicht dominanter Ader) ist zwar nicht neu, aber prinzipiell mit eigenständigen Elementen versetzt. Leider bedient sich die Autorin auch hier ziemlich vieler Klischees, um Mayas und Juliens Lovestory abzurunden. Mir tut es furchtbar leid, dass ich so viele negative Worte finden muss, da ich weiß, wie viel Arbeit hinter einem Roman steckt, aber meine Hoffnungen ruhen definitiv auf den anderen Werken von Frau Summers.

Die Spannung war zwischendurch vorhanden, wurde aber durch die vielen übertriebenen Darstellungen (was Maya alles innerhalb kürzester Zeit verkraften muss, reicht für mehr als ein Leben) oft ausgehebelt, weil irgendwann einen nichts mehr überrascht hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Secret Desire“ und ich keine Freunde wurden, ich aber einem anderen Roman der Autorin noch mal eine Chance geben werde.

Bewertung: 2/5 Sterne