[Beitrag] Romancewoche – Autoreninterview mit Violet Truelove/Ava Innings

Hallo und herzlich Willkommen! Heute ist auch schon der letzte Tag der Romancewoche und wir haben schon viele interessante Beiträge lesen dürfen. Bücher wurden vorgestellt, Lesungen gehalten. Wir – also Tanni von Tii und Ana’s kleine Bücherwelt und Bianca von BUCHimPULSe und meine Wenigkeit – durften Violet Truelove/Ava Innings auf den Zahn fühlen und das kam dabei heraus, viel Spaß mit dem Interview 🙂

Ist dein Name ein Pseudonym? Wenn ja, hat er eine besondere Bedeutung und gibt es noch weitere Pseudonyme, die du verwendest?

Sowohl Violet Truelove als auch Ava Innings sind beides Pseudonyme. Ich persönlich liebe das „Ava Innings“-Pseudonym, denn die Initialen habe ich ganz bewusst gewählt und sie erinnern mich immer an den verstorbenen Profi-Surfer Andy Irons. Sie sind meine Hommage an ihn.

„Violet Truelove“ (ich höre da hin und wieder so Dinge wie „Klingt nach Pornodarstellerin“ oder „Oh Mann, ist das cheesy“) war eine Figur aus meinem ersten Roman „Ein Surfer zum Verlieben“. Eine gute Freundin von Lindsay und ebenfalls Autorin, die mir die Möglichkeit bot, dass Lindsay jemanden hatte, mit dem sie fachsimpeln konnte. Als es dann ans Veröffentlichen ging, da fiel mir auf, dass „Plötz“ nicht gerade nach Liebesroman klingt und so beschloss ich, zu Violet zu werden.

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Haben die Ideen in deinem Kopf irgendwann überhandgenommen?

Ja, aber schon mit zwölf Jahren. Ich wollte irgendwie immer meine eigenen Welten erschaffen und so wagte ich mich an  eine Ponygeschichte heran, die ich jedoch nie vollendet habe … genau wie jede andere Idee, die ich in den kommenden 20 Jahren begonnen hatte. Ich wollte zwar immer einen Roman schreiben, aber irgendwie habe ich einfach nichts fertig bekommen. Heute denke ich, dass es u.a. daran lag, dass ich in den falschen Genres unterwegs war.

Hast du irgendwelche Angewohnheiten beim Schreiben? Also muss es immer ruhig sein oder schreibst du gerne in der Öffentlichkeit?

Ich brauche meinen Laptop und Musik. Sonst nichts. Ich schreibe jedoch nicht gerne in Cafés oder so – am Pool schon eher. 😉

Lässt du dich für deine Charaktere von realen Menschen inspirieren?

Definitiv, wobei ich immer abstreiten würde, dass meine Protagonisten Warden und Brad Ähnlichkeit mit meinem Lieblingssurfer haben.

In deinen Büchern schreibst du auch gerne über deine persönlichen Erfahrungen und Interessen. Ein Hobby von dir ist das Surfen. In welchen Teilen der Welt bist du deinem Hobby schon nachgegangen? Hast du einen Lieblingsplatz?

Ja, ich liebe das Surfen. Es ist so wunderbar. Ich war noch nicht in vielen verschiedenen Ländern surfen. Angefangen habe ich in England, da bin ich dann auch wegen meiner Diplomarbeit hin und habe in der Zeit nur geschrieben, fotografiert und bin gesurft – war eine tolle Zeit. In Portugal war ich dann auch ein paarmal surfen. Da hatte ich auch meinen Surfunfall, bei dem ich mir das rechte Bein zertrümmert habe.

Eine gute Fee kommt zu dir und erfüllt dir einen Zeitreise-Wunsch: Wohin, warum, wen würdest du treffen wollen?

Alles ist gut, wie es ist. Ich würde nichts ändern wollen, niemanden treffen wollen, den ich noch nicht getroffen habe – jedenfalls ist das heute meine Antwort. Manchmal wäre ich gerne an einem bestimmten Tag in Dallas/Fort Worth im Grand Hyatt Hotel, Zimmer 324, aber die meiste Zeit weiß ich, dass alles gut ist, wie es ist. Wir begegnen den Menschen, denen wir begegnen sollen und zwar genau an dem Zeitpunkt, an dem wir auf sie treffen.

In welchem Buch würdest du gerne eine Rolle übernehmen (müssen nicht zwingend deine sein)?

Gut, dass es meine eigenen sein dürfen. Ich wäre gerne Joe aus meiner Waves-of-Love-Reihe … wobei: Joe hat es schon ganz schön hart und ich bin eher so der Typ, der es hart genug hatte und sich endlich mal Spaß verdient hat. 😉 Willow aus „L.A. Millionaires Club – Chandler“. Sie ist eine heiße Surferin und auch wenn ihr Leben nicht nur aus Beach Boys, Meer und Sonnenschein besteht, so hat sie es doch deutlich einfacher als Joe.

Welcher heiße Millionär aus der „Millionaires Club“-Reihe ist dein Lieblingscharakter und warum?

Noah … Ich bin völlig verrückt nach Noah, aber ich weiß auch jetzt schon, dass ich mich sehr in Tanner und Devon verlieben werde. Ich verliebe mich nämlich immer in meine Protagonisten. 😉

Mit den Autorenkolleginnen Liv Keen, Zoe M. Lynwood und seit Kurzem auch mit Charlotte Taylor schreibst du zusammen an der „Millionaires Club“-Reihe. Wie darf man sich diese Zusammenarbeit vorstellen? Sprecht ihr euch vorher ab, wer wann und was veröffentlicht oder schreibt ihr munter drauflos?

Wir schreiben munter drauflos, nachdem wir uns sehr intensiv abgesprochen haben. Oft plotten wir auch zusammen. Charlotte hat mich beispielsweise bestärkt, Nova in „L.A. Millionaires Club – Hunter“ so anzulegen, wie ich es schließlich getan habe, und damals haben wir noch gar nicht an eine Zusammenarbeit gedacht. Liv und Zoe sind meine Musketiere. Wir schicken uns ständig Sprachnachrichten und ich weiß gar nicht, was ich ohne die beiden machen würde.  

Mittlerweile sind neun Teile der „Millionaires Club“-Reihe erschienen. Habt ihr eine bestimmte Anzahl an Bänden geplant oder schreibt ihr so lange an der Serie, wie ihr Lust habt? Und wird es neben New York, Los Angeles, Miami, Las Vegas und bald auch San Francisco denn noch andere Städte als Handlungsort geben?

Wir haben da nichts Festes geplant. Es gibt noch einige Storys, die geschrieben werden wollen. Ich hatte ja schon angedeutet, dass Tanner und Devon eigene Geschichten bekommen, aber auch Ash wartet noch auf seine Story ebenso Jayden und von den anderen wird auch noch der ein oder andere Teil folgen. 😉 Gerade haben wir ja die San-Francisco-Sache aus dem Sack gelassen, von daher verraten wir da jetzt vorerst nichts mehr. Natürlich könnte man die Antwort als ‚Ja, es wird weitere Städte geben’ werten, sollte man auch, aber welche, verraten wir noch nicht.   

Welche weiteren Projekte und besonderen Neuerscheinungen hast du für 2017 geplant?

Für mich steht als Nächstes schreibtechnisch „Ein Fotograf zum Verlieben 2“ an. Im September folgen meine Veröffentlichungen von Waves-of-Love Teil 4 und 5, ich plane außerdem, Tanner und Devon zu schreiben. Und dann wäre da noch ein Geheimprojekt, an dem ich im Juli zu arbeiten beginne.

 

Wir danken Violet/Ava für ihre Zeit, die sie sich genommen hat, um unsere Fragen zu beantworten. Wir fanden die Antworten wirklich spannend und interessant 🙂

Im Laufe der Woche gab es auch schon eine Buchvorstellung und ein Protagonisten-Interview. Beide Beiträge solltet ihr euch nicht entgehen lassen, deswegen haben wir die Artikel noch einmal verlinkt 😉

Zu den Büchern der Autorin geht es ***hier*** entlang.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, wir hoffen, dass euch die Romancewoche ebenso gut gefallen hat wie uns <3


[Rezension] Jennifer L. Armentrout „Obsidian – Schattendunkel“

Grunddaten:

Autor: Jennifer L. Armentrout

Titel: Obsidian – Schattendunkel (1)

Taschenbuch: 432 Seiten

ISBN: 978-3551315199

Verlag: Carlsen

 

Klappentext:

Als Katy vom sonnigen Florida ins graue West Virginia ziehen muss, ist sie alles andere als begeistert. In dem kleinen Nest kommt sie anfangs nicht einmal ins Internet, was für die leidenschaftliche Buchbloggerin eine Katastrophe ist. Sie beschließt, bei ihren Nachbarn zu klingeln, und lernt so den atemberaubend gut aussehenden, aber unfassbar unfreundlichen Daemon Black kennen. Was Katy jedoch nicht weiß, ist, dass genau dieser Junge, dem sie von nun an aus dem Weg zu gehen versucht, ihrem Schicksal eine ganz andere Wendung geben wird …

Meine Meinung:

Mit „Obsidian – Schattendunkel“ legt uns die Autorin den ersten Band dieser neuen spannenden Jugendbuch-Fantasy-Reihe vor. Vampire und Werwölfe sind out – trefft die Lux! Sexy, spannend, atemberaubend – aufregende Charaktere, interessante Story und verträumtes Setting.

Wir bekommen diese tolle Geschichte direkt aus Sicht der Protagonistin Katy erzählt. Diese Perspektive ist sehr hilfreich, weil Katy nicht unbedingt der mitteilsame Typ Mensch ist und vieles mit sich selbst ausmacht. Was mir besonders gut am Erzählstil der Autorin gefällt, ist die Art und Weise, wie sie neue Fakten offenlegt. Ich konnte ihr zu jeder Zeit folgen und habe mich in der Welt, die sie hier erschaffen hat, wirklich wohl gefühlt, weil ich ich den Eindruck hatte, dass ich mit auf eine Reise genommen wurde. Auch die Beschreibung der Umgebung ist mehr als gelungen, weil das verschlafene Örtchen vor meinem inneren Auge tatsächlich zum Leben erwacht ist.

Katy hat mir als Protagonistin wirklich gut gefallen, da sie nicht als schwacher Mensch vor einem übernatürlichen Wesen dargestellt wird, sondern einen eigenen Kopf hat. Sie steht für ihre Überzeugungen ein und macht ausnahmsweise mal keine Wandlung durch. Katy ist einfach sie selbst und das ist auch gut so, weil sie sympathisch, aufrichtig und authentisch ist. Ein kleines Schmankerl für uns Leser: Sie ist Buchbloggerin und das ist besonders nett, da ich mich mit ihr identifizieren konnte. Auch ihre innere Stärke ist beeindruckend und konnte mich letztendlich davon überzeugen, dass ich unbedingt mehr von Katy lesen möchte.

Daemon hat wohl alles, was der klischeehafte Badboy mitbringen muss: Er ist schön, sexy und düster. Frei nach dem Motto „harte Schale, weicher Kern“ gibt es immer wieder neue Facetten an ihm zu entdecken, was ihn zum perfekten Gegenpart von Katy macht.

Auch die Nebencharaktere können sich blicken lassen, weil sie individuell gestaltet sind und durch ihre Interaktionen bestechen können. Die, die man lieben soll, kommen von Anfang an sympathisch rüber und die Bösewichte umgibt auch direkt die entsprechende Aura, sodass immer gleich klar ist, wer auf welcher Seite steht.

Obwohl handlungstechnisch eigentlich gar nicht so viel passiert, hat mir dieser erste Band doch sehr gut gefallen, weil man ihn als Einstieg in die Gesamtgeschichte sehen kann. Für mich war es spannend, peu a peu in die Welt der Lux eingeführt zu werden und diese neuartigen Wesen zu entdecken. Diverse Wendungen und Überraschungen haben dann auch noch zusätzlich für Spannung gesorgt, sodass ich wirklich froh bin, dass die weiteren Teile bereits erschienen sind und man direkt weiterlesen kann.

Ansonsten haben wir es bei dieser Reihe mit einer gelungenen Mischung aus Liebesgeschichte und Fantasy zu tun. Der Fantasyanteil überwiegt hier ganz minimal, weil das der Dreh- und Angelpunkt für den generellen Konflikt darstellt. Aber das heiße Prickeln zwischen Katy und Daemon sollte natürlich auch nicht unterschätzt werden!

Ein gelungener erster Teil, der super in die Story einfüht und Lust auf mehr macht. Sympathische Charaktere, spannende Story und eine Anziehungskraft zwischen den Protagonisten, die einfach außerirdisch ist.

Bewertung: 5/5 Sterne


[Rezension] Nina Blazons „Feuerrot“

Grunddaten:

Autor: Nina Blazon

Titel: Feuerrot

Taschenbuch: 512 Seiten

ISBN: 978-3473401338

Verlag: Ravensburger

 

Klappentext:

Ein mysteriöser Gast kommt ins Haus des Ravensburger Kaufmannes Humpis. Schon am ersten Tag flirtet Lucio mit der schönen Magd Magdalene. Doch er ist ihr nicht geheuer, in seinen Bernsteinaugen lodert ein gefährliches Feuer. Ihre Ahnung soll sie nicht täuschen: Als sie nicht auf Lucios Verführungskünste hereinfällt, nennt er sie eine Hexe. In Zeiten der Inquisition kommt dies einem Todesurteil gleich …

Meine Meinung:

Mit „Feuerrot“ legt die Autorin einen gut recherchierten historischen Roman zu Zeiten der Hexenverfolgung vor, der außerdem noch durch authentische Charaktere und eine interessante Hintergrundstory überzeugen konnte.

Wir bekommen diese emotionale Story aus Sicht eines allwissenden Erzählers berichtet. Das hat den Vorteil, dass wir zu jeder Zeit direkt am Geschehen dran sind, denn nicht nur der Ort wechselt des Öfteren, sondern auch die Perspektive zwischen den Personen. Was ebenfalls erwähnenswert ist, sind die tollen Kapitelüberschriften. Hier sind verschiedene Zitate und Buch- bzw. Briefausschnitte angeführt, die zum jeweiligen Geschehen passen. Der Schreibstil ist der Sprache des 15ten Jahrhunderts angepasst und wie von Nina Blazon gewohnt trotzdem spannend gehalten.

Madda ist wohl die Person, die mitten im Geschehen steht, aber eigentlich würde ich von drei Pratagonisten sprechen: Madda, Elisabeth und Beno. Das Schicksal der drei ist unweigerlich miteinander verwoben und ich fand es super, wie die Autorin die Fäden hier gezogen hat. Wenn einer ein wenig in den Hintergrund trat, dann tat er das nur, um einem anderen die Bühne zu räumen. Gerade Madda beweist eine unglaubliche Stärke, während Beno und Elisabeth eine starke Wandlung durchlaufen. Die Veränderungen wurden glaubhaft dargestellt, sodass die Authentizität der Charaktere durchgängig gewahrt wurde.

Auch bei den Nebencharakteren hat Frau Blazon einen tollen Job erledigt, denn sie fügen sich perfekt ins Geschehen und bereichern die Geschichte, obwohl sie teilweise Stereotypen sind. Manche von ihnen haben nur einen kurzen Gastauftritt und wirken trotzdem lebendig. Dabei versieht die Autorin ihre Charaktere mit kleinen Makeln oder einer schwierigen Vergangenheit, um sie realer bzw. echter zu machen.

Der einzige kleine Kritikpunkt geht an die Spannungskurve. Der Einstieg ist mir leicht gefallen und auch das Ende ist sehr, sehr spannend gestaltet, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Allerdings waren in der Mitte ein paar Längen zu verzeichnen, von denen ich mir gewünscht hätte, dass man die Handlung dort etwas gestrafft hätte, damit der Leser besser am Ball bleiben kann.

Die Story an sich und auch die Hintergrundfakten sind stimmig und super recherchiert. Am Ende des Buchs gibt es auch ein Glossar, in dem man verschiedene Fachbegriffe zum Thema Mittelalter oder Hexenverfolgung nachlesen kann. Auch das Nachwort der Autorin ist sehr hilfreich, um die Geschichte als solche einordnen zu können. Die Liebesgeschichte ist dezent und fügt sich gut in das Gesamtgeschehen ein. Eine Anmerkung noch: Wer sich scheuen sollte, weil er Angst vor blutiger Folter hat, der kann aufatmen, denn auf diese Details wird hier verzichtet.

Insgesamt eine emotionale und vor allem authentische Geschichte, die uns auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Trotz der kleinen Längen in der Mitte eine spannende Story, die ich sehr gerne gelesen habe. Eine klare Leseempfehlung!

Bewertung: 4/5 Sterne


[Blogtour] zu Bettina Brömmes „18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus“

Hallo und herzlichen willkommen zur dritten Station unserer Blogtour!

Heute führen wir einen kleinen Vergleich zwischen der Welt der Autorin und meiner mit 18 Jahren durch. Was war damals anders? Was ist heute leichter?

1983 – Bettina Brömme ist 18 Jahre alt
2005 – Melanie Reichert ist 18 Jahre alt

Lieblingsbuch
Der Idiot von Fjodor Dostojewski – sagen wir: Eines von vielen.
Ich war zu dieser Zeit im absoluten Harry-Potter-Fieber!

Lieblingsmusik
Neil Young, Supertramp, Beatles, Simon & Garfunkel, Billy Joel, Klaus Hofmann
Film- und Spielemusik! Perfekt zum Lesen, denn das habe ich wirklich oft und gerne getan (immer noch!).

Lieblingsfilm
1983 war nicht gerade reich an filmischen Perlen – da nehme ich „Gorky Park“, weil da mein damaliger Liebelingsschauspieler Wiliam Hurt mitgespielt hat.
2005 kam „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley raus. Keine Ahnung WIE oft ich diesen Film gesehn habe!

Zukunftsvisionen
Ach je … beruflich wollte ich Schriftstellerin werden, hätte mich das aber nie getraut zu formulieren – Journalistin klang realistischer. Privat: Irgendwann mal Familie – hat dann noch ein bisschen gedauert. Letztlich habe ich beides erreicht 🙂
Beruflich wollte ich von Schriftstellerin über Bibliothekarin bis hin zu Buchhändlerin alles werden. Hauptsache Bücher. Privat wollte ich unbedingt einen Hund haben und in weiß heiraten. Zumindest die Sache mit den Büchern (ich bin Lektorin und Korrektorin) hat funktioniert 🙂

Rolle als Frau
Sehr interessant! Es gab so Verwandte, die sprachen vom reichen Mann, den frau sich angeln sollte … da habe ich immer geantwortet: Ich verdiene meine erste Million selbst. Hab‘ ich zwar nie geschafft, aber finanziell bin ich immer unabhängig geblieben. Ich war in den naturwissenschaftlichen Fächern (außer in Bio) eher schlecht, konnte (und kann) aber Lampen anbringen, Löcher dübeln und Autoreifen wechseln – mein Vater hat mir nie das Gefühl gegeben, irgendetwas nicht zu können, nur weil ich ein Mädchen bin. In diesem Sinne war ich immer sehr emanzipiert. Für mich war immer klar, dass ich für mich selbst sorgen können wollte. Hat hingehauen.
Zu meiner Zeit war das eigentlich schon gar kein Thema mehr. Mann, Frau – Gleichberechtigung. In der Familie war ich zwar die „Prinzessin“, weil ich das einzige Mädchen war, aber ich bin wirklich behütet aufgewachsen. Mein Vater hat mir die „Männersachen“ meistens abgenommen, weil er meinte, ich könne das nicht. Dinge wie Möbel aufbauen oder Ähnliches habe ich also erst spät gelernt – gerade letzte Woche habe ich wieder diverse Möbelteile aufgebaut 😉 Aber insgesamt gab es da eigentlich keine großen Unterschiede zwischen meinem Bruder und mir. Unabhängigkeit war mir immer wichtig – in jedem Sinn.

Hobbies
Lesen, lesen, lesen. Schreiben. Ins Kino gehen. Vögel beobachten. Volleyball. Bis zum Tag meines 18. Geburtstags: Gitarre gelernt – am 18. dann abgemeldet!
Ich war seit ich lesen konnte wirklich eine Leseratte und das hat sich bis heute durchgezogen. Besondere Hobbies hatte ich mit 18 keine. Meine Backleidenschaft habe ich zu diesem Zeitpunkt entdeckt 😀

Engagement
Ich war damals sehr engagiert in der Naturschutzbewegung und habe es sogar zur Bundesjugend-Pressesprecherin des (damaligen) Deutschen Bundes für Vogelschutz (heißt heute NaBu) gebracht. Ich sag noch heute: Weil wir damals als Dosen verkleidet auf dem deutschen Umwelttag für
Mülltrennung demonstriert haben, gibt es die heute bei uns. Na ja, vielleicht nicht nur deshalb 😉 War eine wilde, aufregende Zeit mit tollen Leuten und Erfahrungen. Sehr prägend!
Ich war im Shoppen besonders engagiert! Freitagmittags haben wir immer Mathe geschwätzt *räusper* und sind dafür Kaffee trinken und shoppen gegangen. Da war ich wirklich gut dabei. Vielleicht nennt man das heute auch den nicht-idealen-Umgang. Aber hey, Abizeit war meine „wilde Zeit“ 😉

Thema Abitur
Ich gehörte zu meinem großen Glück zu den Jahrgängen, die durch geschickte Kurswahl kein Matheabi machen mussten – dafür wählte ich freiwillig Religion ab und durchlitt eine schwere mündliche Prüfung in Politik und Geschichte. Ich war nie eine besonders gute Schülerin, rutschte immer so eben durch. Abischnitt: 2,9 … immerhin noch die 2 vorne 😉 Hat aber nie irgendwen mehr interessiert …
Abi hab ich damals eigentlich nur gemacht, weil meine Eltern darauf bestanden haben. In der 12ten Klasse hatte ich eine extreme Bockphase, in der ich am liebsten alles hingeschmissen hätte. Trotzdem hab ichs noch mit 2,3 hinbekommen – obwohl ich in Mathe nur 5 Punkte kassiert habe. Physik und Chemie habe ich zum Glück abwählen können, Deutsch und Englisch waren definitiv die richtige Wahl 😀

Thema Führerschein
Die schrecklichste Prüfung meines ganzen Lebens! So habe ich  nie davor und nie danach gezittert. Völlig überflüssigerweise. Der Fahrlehrer ließ mich während der Prüfung rechts ranfahren, stieg zum Telefonieren in einer Telefonzelle aus (Ja! Vorhandyzeit!) und einparken musste ich auch nicht wirklich. Am Ende meinte er: „Besser wäre gut“ – aber ich bekam den Lappen. Und meine Mutter holte mich ab und ich durfte sofort mit ihrem Auto heimfahren. Seitdem bin ich (trotz Naturschutz) schon recht begeisterte Autofahrerin (und so gut wie unfallfrei).
Das war alles cool bei mir. Hab nicht viele Fahrstunden gebraucht und auch die Theorie ist glatt mit null Fehlerpunkten durchgegangen. Nur das rückwärts-seitwärts-Einparken war mein großes Problem! In der Prüfung kam das natürlich sofort dran … also ich so: Vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück … Der Prüfer war total genervt, blickte kurz raus und meinte: Nicht schön, aber selten! Können wir nun weiter?!

Wünsche/Hoffnungen
Na ja, klar: Die große Liebe finden, ein Kind bekommen, ein Buch schreiben, einen guten Job finden – glücklich werden. Ehrlich gesagt, hat alles ziemlich gut hingehauen. Manches hat etwas gedauert – aber ich bin manchmal ein Spätzünder.
Die klassischen Dinge: Genug Lesestoff für den Rest meines Lebens, eine Hochzeit in Weiß, einen Hund zum Knuddeln und meine private Leselounge. Manche Dinge habe ich schon, andere erarbeite ich gerade 😉

Alltag: Was war dir wichtig?
Mit 18 habe ich wahnsinnig viel gemacht: Theater AG und Chor besucht, Bio-AG für die Unterstufe geleitet, im Naturschutz aktiv gewesen, Volleyball gespielt, FreundInnen getroffen, immer engen und guten Kontakt zur Familie gehabt, gerne verreist, viel Tagebuch geschrieben, ja und auch für die Schule gelernt.
Ich war eigentlich total langweilig … Ich hatte eine beste Freundin, die mir wichtig war, meine Familie, die mir immer Halt gibt und meine unzähligen Bücher. Schule, lesen, Freunde treffen, Familienessen am Sonntag. Das wars eigentlich auch schon – und ich war mega zufrieden damit.

Ich hoffe, dass euch dieser kleine Vergleich gefallen hat. Mir hat das Zusammentragen dieses Beitrags sehr viel Spaß gemacht!

 

Gewinnspiel

Der Arena Verlag verlost nach der Blogtour 3 x „18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus“. Wenn ihr am Gewinnspiel teilnehmen möchtet, sammelt an jedem Tag der Blogtour ein Buchstabenpaar auf dem jeweiligen Blog und setzt es zu einem Lösungswort zusammen. Um im Lostopf zu landen, schickt das Lösungswort bitte an leonie.dittmann@arena-verlag.de Die Gewinner werden automatisch benachrichtigt. Viel Glück!

Das Bustabenpaar auf meinem Blog: HR

 


[Rezension] Bettina Brömmes „18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus“

Grunddaten:

Autor: Bettina Brömme

Titel: 18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus

Taschenbuch: 312 Seiten

ISBN: 978-3401602929

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Franzi und ihre Mädels sind endlich 18! Aber irgendwie hatten sie sich das Erwachsensein anders vorgestellt. Die Liebe ist immer noch eingroßes Rätsel, die Zukunft ein schwarzes Loch und für alles soll man plötzlich selbst Verantwortung übernehmen. Auf YouTube wollen sie Jüngere „vorwarnen“, dass 18 werden nicht so cool ist, wie man denkt. Vor allem Franzi ist voll in ihrem Element, als der Channel wächst und wächst. Doch dann überschatten die Probleme der analogen Welt den Spaß an den Videos und Franzi muss sich entscheiden, was sie will …

Meine Meinung:

Mit diesem spritzigen Roman legt uns die Autorin die perfekte Lektüre vor, um sich noch einmal in die Probelme einer Achtzehnjährigen hineinzuversetzen. Authentische Charaktere, treffen auf das Thema You-Tube – inklusive großer Emotionen!

Wir bekommen diese tolle Story direkt aus Sicht der Protagonistin Franzi erzählt. Das hat den Vorteil, dass wir immer nah am Geschehen sind und auch ganz oft mitbekommen, was sie sich zu ihren You-Tube-Filmen denkt, während sie filmt. Ich würde sie zwar nicht als verschlossen bezeichnen, aber trotzdem enthält sie sich aus Höflichkeit oft eines Kommentars. Aufgelockert wird der überaus flüssige Schreibstil zusätzlich noch durch die Drehbücher für die Videos, die Franzi im Verlauf der Story aufnimmt. Locker-flockige Schreibe – ein großes Lob dafür.

Franzi  hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Natürlich sind sowohl Franzi als auch ihre Freundinnen Platzhalter, die durch andere Figuren ausgtauscht werden könnten, da es um die Beschreibung des Lebens mit 18 Jahren geht, aber trotzdem hatte ich von Anfang an einen direkten Draht zu dieser jungen Frau, die für ihre Überzeugungen einsteht und für ihren Traum kämpft. Gerade ihre aufmüpfige Ader konnte ich nachvollziehen, weil ich in diesem Alter ähnliche Konflikte mit meinen Eltern hatte, die teils auch sehr unschön waren. Sie ist chaotisch, eigensinnig und doch so hilfsbereit und geradlinig, dass sie nicht nur Sympathien weckt, sondern auch authentisch ist und zu keinem Zeitpunkt blöd rüberkommt.

Mit den vier Freundinnen von Franzi hat die Autorin ein Spektrum an Individuuen geschaffen. Zum einen haben wir Mai die Streberin, der ihre Noten über alles gehen und die sich darüber hinaus mit einer Patchwork-Familie herumschlagen mus. Dann haben wir die kämpferische, freigeistige und vor allem kreative Jella, die kein Blatt vor den Mund nimmt, und deren Zwillingsschwester Alwa, die sich von ihrer unbefriedigenden Beziehung nicht lösen kann und einen gewissen Ruhepol in die illustere Runde bringt. Die Mädels haben sich wirklich super ergänzt und ich konnte ihnen voll und ganz abnehmen, dass sie immer für einander einstehen werden.

Mein einziger Minikritikpunkt geht an die Hintergrundhandlung. Sicherlich war es Absicht, dass man eben einfach einen Ausschnitt aus dem Leben einer 18-jährigen Abiturientin zu lesen bekommen hat. Aber das Ende war sehr abrupt und ich hab mich dann einfach gefragt: Was ist danach mit den Charakteren passiert, die man doch gerade ins Herz geschlossen hat?

Das Gefühl, das dieser Roman während des Lesens erzeugt, ist einfach unbeschreiblich. Ich habe mich wieder in mein Leben mit 18 hineinversetzt und habe auch viel über meine eigene Abizeit, meine Freunde und derzeitige Liebe nachgedacht. All das hat die Autorin mit diesem Werk geschafft. Aber die Message ist klar: Jeder ist anders und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber gemeinsam ist es eben schöner, diesen Weg zu gehen.

Für mich eine spannende Lektüre, die ein tolles Gefühl erzeugt und darüber hinaus noch mit tollen Charakteren und vielen Emotionen aufwarten kann.

Bewertung: 4,5/5


[Rezension] Jo Bergers „Himmelreich mit Herzklopfen: Amors Four “

Grunddaten:
Autor: Jo Berger

Titel: Himmelreich mit Herzklopfen (1)

eBook: 222 Seiten

ASIN: B072B9PZ44

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

In Himmelreich ist die Hölle los! Eine Fabrik für Gertruds Halspastillen soll entstehen, doch dann bringt ein spektakulärer Fund die Bauarbeiten zum Erliegen. Das ganze Dorf gerät in Aufregung und mittendrin versucht die Großstädterin Fee, sich an das Landleben zu gewöhnen.
Köchin Ronja und Hochzeitsplanerin Nicole erweisen sich als neue Freundinnen, doch gleichzeitig muss Fee sich mit dem unausstehlichen Bauleiter David herumschlagen, der immer dann auftaucht, wenn sie ihn am wenigsten brauchen kann. Und da ist noch der tätowierte Bad Boy Marlon, der ihr Herz wider Willen höherschlagen lässt …

Meine Meinung:

Mit „Himmelreich mit Herzklopfen“ legt uns Jo Berger den ersten Teil der zweiten Himmelreich-Staffel vor. Witzige Dorfbewohner, ein tolles Setting, in dem man sich sofort wie daheim fühlt und ganz viele Emotionen, die den Leser schon auf der ersten Seite abholen. Für mich ein gelungener Auftakt!

Wir bekommen diese Story direkt aus Sicht der Protagonistin Fee erzählt, die an sich schon ein mitteilsamer Mensch ist, deren Gedanken aber auch für den ein oder anderen Schmunzler sorgen. So hat der Leser den Vorteil, dass er ihre Emotionen direkt und ungefiltert genießen darf, was mir sehr viel Spaß bereitet hat. Der Schreibstil von Jo Berger ist gewohnt locker und lustig gehalten, sodass ich das Buch innerhalb von 24 Stunden verschlungen habe.

Auch wenn Fee zunächst wie eine typische Großstädterin erscheint, war sie mir doch von der ersten Seite an sympathisch. Vielleicht lag das auch daran, dass ich einen örtlichen Bezug herstellen konnte, da auch sie aus Frankfurt kommt. Sie macht eine starke Wandlung im Lauf der Geschichte durch und wie sie durfte auch ich das Landleben kennen- und lieben lernen. Von daher war das genau meine Geschichte und Fee hätte sie nicht besser transportieren können. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, gesteht sich ihre Schwächen ein und findet schnell Anschluss, was sie überaus authentisch erscheinen lässt.

Bei den Nebencharakteren hat die Autorin voll in Schwarze getroffen. Ich muss zugeben, dass das mein erster Himmelreich-Roman ist und ich mich sofort wie zu Hause gefühlt habe. Das lag zum größten Teil an den skurrilen, herzlichen und individuellen Menschen, die einem in diesem beschaulichen Örtchen begegnen. Man kann problemlos mit der zweiten Staffel beginnen, denn ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, irgendwo nicht mitzukommen. Neben den Handlungen der Protagonistin Fee geschieht auch so allerlei Aufregendes mit den Nebencharakteren. Hier sind am Ende der Geschichte noch ein paar Fragen offen geblieben, von denen ich hoffe, sie im nächsten Band geklärt zu wissen.

Die Spannung war für mich durchgehend vorhanden, weswegen ich die Geschichte auch praktisch verschlungen habe. Trotzdem muss ich einen kleinen Kritikpunkt anbringen, weil die Story an sich sehr schnell vorhersehbar war und ich nicht mehr überrascht wurde. Das fand ich jetzt nicht sooo schlimm, weil Charaktere und Setting gepasst haben, aber trotzdem hätte ich mir ein paar unvorhersehbare Wendungen gewünscht. Die Figuren haben sich teilweise sehr drehbuchartig verhalten. Der Schluss war sehr abrupt. Hier hätten der Geschichte vielleicht noch ein, zwei Seiten mehr sicherlich gut getan, aber wir dürfen im Juli ja nach Himmelreich zurückkehren und dann geht es auch mit Fee sicherlich weiter.

Eine insgesamt liebevolle Story, die mich wirklich berührt hat und nach Himmelreich entführen konnte. Ich bin jetzt schon ein Fan der Reihe und froh, dass die erste Staffel komplett vorliegt, sodass ich sie demnächst auch mal genießen werde.

Bewertung: 4/5


[Rezension] Kim Kestners „Anima“

Grunddaten:

Autor: Kim Kestner

Titel: Anima

Hardcover: 480 Seiten

ISBN: 978-3401602523

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Für Abby ist es die schönste Zeit des Jahres! Jeden Sommer verbringt sie mit ihrer Familie die Ferien im Nationalpark Acadia. Doch diesmal wird die Idylle überschattet: Der zur Unterhaltung engagierte Magier Juspinn fasziniert die Feriengäste nicht nur mit seiner Show – er scheint sie zu manipulieren. Mit Schrecken muss Abby feststellen, wie sich ihre Familie und Freunde mehr und mehr zum Schlechten verändern. Besonders ihre Schwester Virginia ist auf einmal wie von Sinnen. Abby selbst spürt nicht nur die Anziehungskraft des Fremden, sondern auch die Gefahr, die von ihm ausgeht. Juspinn scheint auf der Suche zu sein, nach etwas, das nur sie ihm geben kann.

Meine Meinung:

„Anima“ ist ein Fantasy-Jugendbuch, das mich durch eine interessant gestaltete Hintergrundstory überzeugen konnte, leider trifft das nicht auf alle Chraktere zu, denn vor allem mit der Protagonistin habe ich mir im Verlauf der Geschichte sehr schwer getan.

Wir bekommen die Story zu großen Teilen aus der Sicht von Abby erzählt. Das erweist sich als gelungen, da Abby ein eher verschlossener Charakter ist und viele Dinge lieber mit sich selbst ausmacht. So kann der Leser ihre Gedankengänge und Gefühle nachvollziehen, obwohl sie nicht immer darüber spricht. Der Schreibstil war überaus gelungen, weil er auf der einen Seite locker ist und auf der anderen Seite auch fesseld sein kann. Besonders gut haben mir im gesamten Roman die Umgebungsbeschreibungen gefallen, weil sie sehr bildhaft waren, aber dennoch Platz für eigene Fantasien gegeben haben.

Wie schon erwähnt, hatte ich mit Abby leichte Probleme. Zu Beginn der Geschichte konnte ich ihr ihre Rolle vollkommen abnehmen. Sie war für mich ein authentisches Komplettpaket, so wie sie dargestellt wurde. Im Verlauf der Handlungen hat sie allerdings immer mehr von ihrer Echtheit eingebüßt, besonders bei den Liebespassagen bzw. Flirterein mit Juspinn. Die Autorin versucht zwar glaubhaft dazustellen, warum sie sich teilweise so hörig verhält, aber trotz allem konnte ich das Abby nicht abnehmen. Meiner Meinung nach hat sie sich von Juspinn viel zu sehr in seinen Bann schlagen lassen. Auch wenn sie „erst“ 18 Jahre alt ist und man da noch so richtig für einen Jungen schwärmen kann, war mir das an manchen Stellen too much. Juspinn hat mir da schon viel besser gefallen. Auch er macht eine Wandlung durch, büßt dabei aber nicht seine typischen Merkmale und Macken ein und bleibt deshalb für mich der überzeugendere Protagonist.

Bei den Nebencharakteren waren für mich einige Perlenen dabei, wie beispielsweise Juspinns Schwester. Sie nimmt den Leser ab dem ersten Auftritt für sich ein und hat mich direkt überzeugen können. Auch Abbys Eltern sind in den ersten Szenen glaubhaft dargestellt und ergeben in ihrer Einheit einen tieferen Sinn.

Die Spannung war zu Beginn und im hinteren Drittel durchweg vorhanden. Lediglich in der Mitte sind einige Passagen, denen ein paar Seiten weniger durchaus besser getan hätten, weil hier gefühlt wenig bis nichts passiert (sowohl emotional als auch von der Handlung her). Dafür fehlen dem Schluss definitiv einige Seiten, denn das Ende hat mich enttäuscht zurückgelassen, weil es so abrupt kam und der Epilog auch zügig abgehandelt wurde, was ich sehr schade finde, weil gerade die Auflösung des ganzen gut-oder-böse-Konflikts doch am interessantesten für den Leser ist.

Insgesamt habe ich Anima gerne gelesen und kann es den jüngeren Leserinnen empfehlen, weil sie sicherlich mehr wert auf die Liebesgeschichte und die Schwärmerei zwischen Abby und Juspinn legen. Gute Fantasyelemente, ein wenig Grusel, Spannung und viele kitschige Dialoge werden bei dieser Lektüre mitgeliefert.

Bewertung: 3,5/5 Sterne


[Rezension] Sebastian Fitzeks „Das Paket“

Grunddaten:

Autor: Sebastian Fitzek

Titel: Das Paket

Hardcover: 368 Seiten

ISBN: 978-3426199206

Verlag: Droemer

 

Klappentext:

Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet.
Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.
Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt …

Meine Meinung:

Mit „Das Paket“ legt Herr Fitzek endlich wieder einen durchdachten Psychothriller vor, der mir deutlich besser gefallen hat als „Passagier 23“, leider aber trotzdem nicht an „Der Augensammler“ herankommt.

Wir bekommen diese packende Geschichte aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, da im Verlauf der Handlungen immer wieder Zeitsprünge gemacht werden und man sich so in die verschiedenen Cahraktere hineinversetzen kann. Die eigentliche Geschichte setzt nach einer kurzem kurzen Ausflug in die Vergangenheit ein und wird dann weitgehend chronologisch erzählt. Obwohl wir eine relativ große Distanz zu Emma durch diese Perspektivenwahl hatten, konnte ich ihre inneren Konflikte und auch die wahnhaften Gedankengänge sehr gut verstehen und nachvollziehen. Hier hat sich der Autor wieder selbst übertroffen.

Emma ist wohl eine sehr vielschichtige Protagonistin. Schon im Prolog wird klar, dass sie keine leichte Kindheit hatte und vieles darauf zurückzuführen ist. Umso erstaunlicher ist es dann, was sie sich trotz allem aufgebaut hat und dass sie sogar Psychiaterin geworden ist. Die Ironie dahinter ist wirklich gut gelungen, so wird die eigentlich Helfende selbst zur Hilfsbedürftigen. Was ich an Herrn Fitzek immer schon bewundert habe, ist seine Kunst, die Psyche eines Menschen in tausend Einzelteile zu zerlegen. Irgendwann tritt bei jeder Geschichte der Zeitpunkt ein, an dem man selbst nicht mehr weiß, was nun Realität ist und was reiner Wahnsinn oder Fiktion. Das ist ihm in diesem Buch, speziell mit Emma, sehr gut gelungen. Gerade durch ihren Beruf und ihre Selbstanalyse ist die paranoide Darstellung noch mal eine Spur krasser.

Was ich hier ein bisschen vermisst habe, ist die Intensität der Nebencharaktere. Sie sind zwar vorhanden und spielen auch ihre Rolle entsprechend gut, um die Geschichte abzurunden, allerdings fehlte mir etwas Seele. Gerade das Aufbauen einer Verbindung zu den einzelnen Personen macht es ja aus, dass man mit ihnen mitfühlen kann. Außer beim Postboten war das für mich in diesem Roman nicht gegeben. Sie bleiben größtenteils graue Schatten, die direkt wieder aus dem Gedächtnis raus sind.

Kommen wir zur Spannung. Dort muss ich einen größeren Kritikpunkt anbringen. Die erste Hälfte war unglaublich fesselnd und spannend geschrieben. Hier habe ich das Buch praktisch nicht aus der Hand legen können und die Kapitel in einem Rutsch gelesen. Dann irgendwann fing es an, dass sich Herr Fitzek selbst die Spannung genommen hat, indem er einigen Dingen vorgegriffen hat und sie nur noch ausführlicher hinten heraus beschrieben hat. Hätte er im Vorfeld manche Details gar nicht erwähnt, wäre die Überraschung für den Leser noch größer gewesen. Auch war die Auflösung des ganzen relativ – ich sage extra realtiv – unspektakulär. Ich bin einfach ein riesiger Fan vom Augensammler bzw. Augenjäger und hier waren die Finale einfach bombastisch. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem vergleichbaren Buch.

Das ganze Psychologiethema hat mir sehr gut gefallen, weil man beide Kehrseiten der Medaille gesehen hat. Auf der einen Seite die starke Psychotherapeutin, die für ihre Patienten einsteht und versteht, was diese umtreibt. Und auf der anderen Seite eine zerbrechliche Seele, die weiß, was mit ihr vor sich geht, die aber machtlos ist, sich dagegen zu wehren. Hier ist der Spagat zwischen Realität und Wahn mehr als gelungen und das möchte ich einfach noch mal lobend hervorheben.

Insgesamt ein rasanter Psychothriller, der den Leser kaum zu Atem kommen lässt. Eine starke Protagonstin, etwas schwächere Nebencharaktere und eine Story, die einem eine Gänsehaut beschert. Für Fans eine klare Leseempfehlung.

Bewertung: 4/5


Rezension zu Lori Nelson Spielmans „Morgen kommt ein neuer Himmel“

Grunddaten:

Autor: Lori Nelson Spielman

Titel: Morgen kommt ein neuer Himmel

Taschenbuch: 400 Seiten

ISBN: 978-3596196357

Verlag: Fischer

 

Klappentext:

Als Brett 14 Jahre alt war, hatte sie noch große Pläne für ihr Leben, festgehalten auf einer Liste mit Lebenszielen. Heute, mit 34 Jahren, ist die Liste vergessen und Brett mit dem zufrieden, was sie hat: einen Freund, einen Job, eine schicke Wohnung.
Doch als ihre Mutter Elizabeth stirbt, taucht die Liste wieder auf: Aus dem Mülleimer gefischt, hat ihre Mutter die Liste aufgehoben, und deren Erfüllung zur Bedingung gemacht, damit Brett ihr Erbe erhält – und zwar innerhalb von 12 Monaten.

Aber Brett ist nicht mehr das Mädchen von damals. Ein Baby bekommen? Das hat sie schon lange ad acta gelegt. Ein Pferd kaufen? In ihrer Wohnung sind nicht mal Haustiere erlaubt. Eine gute Beziehung zu ihrem Vater aufbauen? Ha – der ist seit sieben Jahren tot. Sich verlieben? Die einzig wahre, große Liebe gibt es doch nur im Film.

Um sie bei der Erfüllung ihrer Ziele zu unterstützen, hat ihre Mutter Brett mehrere Briefe hinterlassen. Wütend, enttäuscht und verletzt liest Brett den ersten Brief – und ist überwältigt von der liebevollen und fürsorglichen Nachricht ihrer Mutter, die gespürt hat, dass Brett in ihrem Leben nicht glücklich ist. Die Briefe ihrer Mutter rufen Brett dazu auf, ihre Träume nicht aufzugeben und ihr Leben in die Hand zu nehmen – denn nur sie selbst kann es ändern …
Kann Elizabeth ihrer Tochter dabei helfen, sich selbst wiederzufinden?

Meine Meinung:

Mit „Morgen kommt ein neuer Himmel“ konnte die Autorin einen gefühlvollen Roman vorlegen, der mich bis auf das Ende überzeugen konnte. Eine starke Protagonistin und eine durchdachte Hintergrundstory runden das Ganze ab.

Wir bekommen diese emotionale Geschichte aus der Sicht der Hauptperson Brad erzählt. Diese Perspektive ist die einzig wahre, denn die Arme wird im Verlauf der Story mehr als einmal in ein Gefühlschaos gestürzt und so weiß der Leser immer direkt, was in ihr vorgeht. Der flüssige, aber doch fesselnde Schreibstil hat das Lesen zu einem echten Genuss gemacht. Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen, weil mich Brads Schicksal berührt und nicht mehr losgelassen hat. Durch die Briefe ihrer Mutter wird auch der Fließtext immer wieder aufgelockert und das Mitgefühl beim Leser angesprochen.

Brad hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Ich konnte ihren Verlust nachfühlen und fand sie auf Anhieb sympathisch, weil sie nicht als starke Kämpferin dargestellt wird, sondern auch Schwächen und Ängste zeigt, sich sogar teilweise davon leiten lässt. Auch wächst sie über sich selbst hinaus; lacht, weint und ist einfach menschlich.

Die Nebencharaktere waren wirklich vielzählig, weil wir auf der einen Seite das alte Leben der Protagonistin kennenlernen, aber eben auch ihren neuen Weg sehen und somit auch neue Personen treffen. Die Nebencharaktere waren super ausgearbeitet und wenig klischeebehaftet. Gerade diese Individualität hat mir sehr imponiert. Egal, wer uns im Verlauf der Geschichte begegnet, er oder sie haben garantiert ein eigenes Päckchen zu tragen und sind deshalb auch als Person interessant.

Die Spannung war durchgängig vorhanden. Schon auf der ersten Seite hat mich Brad emotional abgeholt. Lediglich das Ende war für mich nicht rund bzw. ich war ein wenig enttäuscht, warum die Autorin hier die Luft rausgelassen hat. Aber gerade das hintere Drittel hält für seine Leser einige Überraschungen und Wendungen parat. Generell kann man sagen, dass Brads Geschichte einen mit auf eine Reise nimmt und in ihre Gefühlswelt entführt.

Wer befürchtet, dass wir es mit einem „P.S.: Ich liebe dich“-Verschnitt zu tun haben, den kann ich beruhigen. Es gibt zwar Briefe von Brads Mutter, die die Struktur des Erzählens, wie bereits geschrieben, auflockern, aber der Geschichtsverlauf und die Hintergrundstory sind ganz anders. Trotzdem sollten wir unsere Taschentücher bereithalten, weil die Themen wie Tod, Neuanfang und Emotionen ganz im Vordergrund stehen.

Insgesamt hat mir dieser Roman sehr gut gefallen und konnte mich abschließend überzeugen. Toll ausgearbeitete Charaktere, spannende Wendungen und: ganz viel Gefühl. Die Liebe, der Tod, scheitern, bangen, hoffen – ein Geschichte über das Leben und seine Wendungen. Hier kann ich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


[Rezension] Élaine Briags „Mein Sommer mit Mémé“

Grunddaten:

Autor: Élaine Briag

Titel: Mein Sommer mit Mémé

Klappbroschur: 304 Seiten

ISBN: 978-3959670524

Verlag: HarperCollins

 

Klappentext:

Großmutters Château im Burgund zu renovieren, passt überhaupt nicht in die Pläne der jungen Antiquitätenhändlerin Paula. Denn sie wollte sich in Paris mit ihrem Verlobten Jakob treffen. Aber Großmutter, Mémé genannt, setzt die liebevollen Daumenzwingen an und versammelt nach langer Zeit wieder die ganze Familie an einem Tisch. Zwischen köstlichem Essen, Familienzwist und einigen Gläsern Wein findet Paula heraus, welches Geheimnis Mémé verbirgt – und was das für Paulas Zukunft bedeutet.

Meine Meinung:

Mit „Mein Sommer mit Mémé“ legt Élaine Briag einen lockeren Sommerroman vor, der nicht nur mit seinem französisch-leichten Schreibstil überzeugen kann, sondern auch mit Charakteren, die authentisch sind. Ein traumhaftes Setting rundet das Ganze ab.

Wir bekommen diese einfühlsame Geschichte aus Sicht der Protagonistin Paula erzählt. Diese Perspektive ist für den Leser ein Glücksgriff, da Paula doch sehr in sich gekehrt ist und viele Konflikte lieber im Stillen löst. Der Schreibstil ist locker gehalten, um ein Gefühl von französischer Leichtigkeit zu erzeugen. Gerade die Umgebungsbeschreibungen waren teilweise so authentisch, dass ich mich zeitweise tatsächlich ins Burgund träumen konnte.

Wie schon erwähnt, ist Paula ein überaus vielschichtiger Mensch. Man kann ihre Situation sehr gut nachvollziehen: Auf der einen Seite möchte sie doch einfach nur ihre Verlobung in Paris feiern, auf der anderen Seite wird sie zu einem Familientreffen gezwungen, das ihre Pläne komplett über den Haufen wirft. Paulas zunächst nicht immer positiven Empfindungen sind also greifbar und der Wandel dieser gut dargestellt, sodass der Leser immer nah an der Geschichte ist. Was für mich aber teilweise unklar blieb, war ihre Beziehung zu den einzelnen Familienmitgliedern. Hier hätte die Autorin vielleicht etwas tiefer graben und nicht nur die aktuelle Situation aufzeigen müssen.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt geht generell an die Vielzahl der Personen. Ja, es handelt sich um ein Familientreffen und ja, die Story lebt von den unterschiedlichen Charakteren, aber mir ist da insgesamt zu viel im Dunkeln geblieben. Gerade Paulas Mutter wurde so gut wie gar nicht beleuchtet. Mehr als ein Mal musste ich mich fragen, was da wohl in der Vergangenheit vorgefallen ist, dass sie nun so oder so reagiert. Jede Person hat zwar eine Schlüsselszene im Verlauf der Geschichte, aber ihre Motivationen kommen mir hier teilweise zu kurz. Am interessantesten war tatsächlich Mémé für mich. Zu Beginn wurde ich zwar noch nicht sonderlich warm mit dieser leicht exzentrischen Person, aber im Verauf der Story hat sie immer wieder Charakterzüge offenbart, die wirklich liebenswert sind. Noch dazu hat sie ihr Schicksal stark gemacht und sie scheut sich nicht, diese Stärke mit ihrer Familie zu teilen.

Trotz der erzeugten Leichtigkeit möchte ich gerne von einem spannenden Roman sprechen, da es immer wieder zu Wendungen kommt, die oft überraschend waren. Auch der tolle Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage förmlich verschlungen habe.

Insgesamt eine tolle Familiengeschichte, die über den Zusammenhalt in Krisensituationen berichtet und Mut macht, seine Probleme nicht schleifen zu lassen. Auch – oder gerade – im Winter lohnt sich dieser literarische Ausflug ins sommerliche Frankreich, weil ich als Leserin nicht enttäuscht wurde. Echt, einfühlsam und emotional – eine klare Leseempfehlung.

Bewertung: 4/5 Sterne