[Rezension] Nick Cutters „Das Camp“

Grunddaten:

Autor: Nick Cutter

Titel: Das Camp

Taschenbuch: 464 Seiten

ISBN: 978-3453437791

Verlag: Heyne

 

Klappentext:

Ein Mann strandet auf einer einsamen Insel vor der kanadischen Küste. Er ist ausgemergelt, dünn, wirkt mehr tot als lebendig. Und er hat Hunger – einen unstillbaren, schmerzhaften Hunger. Auf der Insel findet er eine Scouttruppe vor. Die Scouts merken schnell: Der Fremde ist krank, todkrank. Egal, wie viel er isst: sein Körper fällt mehr und mehr in sich zusammen. Und dann sehen sie, dass sich etwas unter seiner Bauchdecke bewegt. Während die Scouts überlegen, was zu tun ist, bemerkt ihr Leiter, dass ihn plötzlich ein nie gekannter Hunger quält …

Meine Meinung:

Mit dem Roman „Das Camp“ hat Nick Cutter eine unglaublich hohe Erwartungshaltung bei mir ausgelöst, weil er unter anderem mit Stephen King verglichen wurde. Leider bin ich nach diesem Buch mehr als enttäuscht, denn hier hat wirklich nichts gepasst: langweilige Story, langatmige Passagen und abartige Charaktere.

Anzumerken ist die besondere Erzählweise der Geschichte. Die aktuellen Handlungen werden immer wieder durch Berichte, Protokolle und Interviews unterbrochen und so aufgelockert. Das hat auch ab und zu den Vorteil, dass die Spannung doch noch ansatzweise angekurbelt wird, weil man sich fragt, was noch alles geschehen wird. Ansonsten ist die Sprache abwechselnd einfach bis umgangssprachlich gehalten (aktuelle Handlung) und springt zwischendurch zu fachlich bis psychologisch-anspruchsvollen Abschnitten (bei den Berichten usw.).

Mit den Protagonisten ist man als Leser eventuell erst einmal überfordert. Wir haben es hier mit fünf sehr komplexen Charakteren zu tun, die alle gleichzeitig ihren Auftritt haben. Beleuchtet werden sie zwar nach und nach, aber hier tut sich mehr als ein Abgrund auf. Für mich sind die Handlungen der Jugendlichen nicht immer nachvollziehbar und oft auch stark übertrieben, weswegen ich mit keinem der fünf so wirklich warm wurde.

Die Nebencharaktere sind relativ überschaubar und treten überwiegend in den eingeschoben Passagen auf. Deshalb erfahren wir auch von ihnen so gut wie nichts, was die Personen der Geschichte generell sehr blass aussehen lässt. Insgesamt hätte ich mir beim Charakterdesign mehr Persönlichkeit gewünscht, sodass man auch mit ein oder zwei der Personen hätte mitfiebern können. So war es schlichtweg egal, ob jemand starb oder überlebte.

Der nächste Kritikpunkt geht an die Spannung. Die ersten 100 Seiten waren noch in Ordnung (Einführung in die Geschichte etc.). Leider ging es danach rapide bergab. Ich musste das Buch wirklich oft aus der Hand leen und mich zum Weiterlesen zwingen. Da konnten ab der Hälfte auch die Einschübe nichts mehr retten und ich war nur noch gefrustet.

Das Schlimmste ist aber die Story an sich. Viele Passagen sind schlichtweg mit einer Brutalität und ekelhaften Beschreibungen übersät, sodass man sich fragt, was das Ganze soll. Einen Sinn habe ich schon relativ früh nicht mehr erkennen können. Gerade der Vergleich mit King hat mich zu diesem Buch greifen lassen und dann so bitter enttäuscht. Keine komplexen Handlungen (eher sinnloses Verhalten), keine tiefer gehenden Charaktergebilde, keine aufkommende Spannung – eher Langeweile.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Buch und ich keine Freunde geworden sind. Gute Ansätze waren vorhanden, wenn man danach gesucht hat, weswegen ich auch einen Stern vergebe. Schade um die Lesezeit ist es trotzdem.

Bewertung: 1/5 Sterne


Rezension zu Diana Rosies „Albertos verlorener Geburtstag“

Grunddaten:

Autor: Diana Rosie

Titel: Albertos verlorener Geburtstag

Hardcover: 336 Seiten

ISBN: 978-3426653937

Verlag: Knaur

 

Klappentext:

Der 7-jährige Tino ist erschüttert, als er erfährt, dass sein geliebter Großvater Alberto nicht weiß, wann er geboren ist, und deshalb noch nie Geburtstag gefeiert hat. Dabei ist das doch der eine, wundervolle Tag, der einem allein gehört und an dem man sich so sehr geliebt fühlt! Nur hat Alberto als Kind im spanischen Bürgerkrieg sein Gedächtnis verloren, und damit auch dieses besondere Datum. Nie hat er nach Spuren seiner Vergangenheit gesucht, aber jetzt, am Ende seines Lebens, überredet Tino ihn zu einer Reise quer durch Spanien, zurück zu jenem Waisenhaus und den Menschen, die vielleicht mehr über Alberto wissen könnten als er selbst.

Meine Meinung:

Glaubwürdige Charaktere, eine gekonnt verschlungene Darstellung von Gegenwart und Vergangenheit sowie jede Menge Emotionen – das ist das Buch „Albertos verlorener Geburtstag“, das mich vollkommen überzeugen konnte.

Schon alleine die Erzählweise bei dieser Geschichte ist wohl etwas ganz Besonderes. Die Kapitel wechseln immer wieder zwischen der Gegenwart, in der Albertos Suche nach seinem Geburtstag dargestellt wird und der Vergangenheit, die uns von Zeitzeugen aus der Ich-Perspektive nähergebracht wird. In dieser Form habe ich noch nie ein Buch gelesen und ich muss sagen, dass dieser Stil wirklich sehr spannend und aufschlussreich war, denn wir haben nicht nur Alberto und seinen Enkel kennenlernen dürfen, sondern eben auch die Personen, die ihm in seinem früheren Leben einmal wichtig waren. Dabei war der Schreibstil zwar durchaus gehoben, aber auch sehr einfühlsam und emotional gehalten.

Wer Alberto nicht direkt sympathisch findet, der hat kein Herz. Was dieser alte Mann in seinem Leben bisher mitmachen musste, ist wirklich ergreifend. Noch dazu hat er nie seinen Lebenswillen verloren und kämpft für seine Liebsten. Seine Charaktereigenschaften haben mich tief beeindruckt und ich denke, dass mir seine Geschichte noch lang im Gedächtnis bleiben wird. Sein Enkel Tino kommt da ganz nach seinem Großvater. Trotz seiner kindlichen Art steht er für seine Prinzipien ein und ist für sein Alter schon recht weit. Zwischendurch kommt man aber immer wieder an den Punkt, an dem man sich als Leser eingestehen muss, dass er eben doch erst sieben Jahre alt ist und nichts lieber möchte, als seine Familie glücklich zu sehen. Diese Handlungen haben mich emotional berührt und dafür gesorgt, dass ich das Buch praktisch in einem Rutsch gelesen habe.

Auch bei den Nebencharakteren hat die Autorin großen Wert darauf gelegt, sie ins rechte Licht zu rücken und ihnen eine Bühen zu geben. So werden die Rückblenden immer aus der Ich-Perspektive dargestellt, um genau zu zeigen, was in den einzelnen Personen vorgegangen ist. Mir hat das unwahrscheinlich gut gefallen, weil das Hintergrundthema bzw. Zeit und Ort (Bürgerkrieg in Spainen in den 30er Jahren) ziemlich schwierig waren und man so ein Gespür für die Situation der einzelnen Schichten bekommen hat. Dabei war es egal, ob die Autorin aus Sicht eines Priesters oder eines Generals geschrieben hat oder eben dem einfachen Volk eine Stimme verlieh – ich habe zu keinem Zeitpunkt an der Echtheit der einzelnen Charaktere gezweifelt. Ein dickes Lob an die Ausarbeitung der Personen.

Wie schon erwähnt, war die Spannung alleine durch den packenden Erzählstil von Anfang an vorhanden. Ich habe das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen können, weil man mit Alberto mitgefiebert hat und wissen wollte, was denn nun damals tatsächlich passiert ist. Mein einziger Minikritikpunkt geht an das Ende bzw. an die Auflösung der Situation, weil mir dies dann plötzlich zu schnell ging. Hier fand ich, dass man überraschenderweise aus der gewohnten Erzählstruktur ausgebrochen ist und das Ganze etwas beschleunigt hat, um zum Schluss zu gelangen, was sehr schade ist.

Das Hintergrundthema des spanischen Bürgerkriegs wurde für mich realistisch dargestellt. Dabei wurde in keiner Weise etwas beschönigt oder gar ein Blatt vor den Mund genommen. Die Autorin spricht die Missstände an und zeigt anhand des Schicksals von Alberto, wie mehrere Leben durch eine kleine Tat schon vollkommen anders verlaufen können.

Insgesamt hat mir besonders das Einfühlungsvermögen der Charaktere und der emotionale Schreibstil sehr gut gefallen. Ich habe die ganze Zeit über gebangt, gehofft und sogar die ein oder andere Träne verdrückt, während ich Albertos Geschichte gelesen habe. Für dieses Buch kann ich eine klare Leseempfehlung aussprechen, denn wer ein Herz hat, wird Alberto und Tino lieben!

Bewertung: 4,5/5


Rezension zu C.J. Daughertys „Secret Fire: Die Entflammten“

Grunddaten:

Autor: C. J. Daugherty

Titel: Secret Fire (1)

Hardcover: 448 Seiten

ISBN: 978-3789133398

Verlag: Oetinger

 

Klappentext:

Wird die Liebe das Schicksal besiegen? Der 17-jährige Sasha setzt sein Leben mit spektakulären Aktionen aufs Spiel – weiß er doch, dass er nicht sterben kann (jedenfalls nicht vor seinem 18. Geburtstag). Grund ist ein uralter Fluch, der seit Generationen auf seiner Familie lastet. Ein Fluch, von dem ihn nur die 17-jährige Taylor erlösen kann. Doch der Preis dafür ist hoch. Ist sie bereit, sich und ihre Zukunft für Sasha zu opfern?

Meine Meinung:

Mit „Secret Fire: Die Entflammten“ legt uns die Autorin der Nightschool-Bücher den Auftakt einer neuen fantastisch-spannenden Reihe rund um die Protagonisten Taylor und Sacha vor, der mich absolut überzeugen konnte.

Zunächst einmal muss ich den unglaublich flüssigen Schreibstil der Autorin loben, der das Lesen zu einem wahren Genuss gemacht hat. Ich hätte das Buch in einem Rutsch lesen können, wenn da nicht die Pflichten des Alltags gerufen hätten. Gerade auch in den einzelnen Szenen versteht sie es, Spannung, Mitgefühl oder Emotionen zu erzeugen, die zu hundert Prozent auch beim Leser ankommen.Obwohl uns das Buch in der Er-Perspektive nähergebracht wird, hatte ich nie den Eindruck, dass ich irgendetwas verpassen würde. Ganz im Gegenteil: Der Leser ist zu jeder Zeit direkt am Geschehen dran, da öfter mal Perspektive, Ort und/oder zwischen den Personen gewechselt wird. Das bringt auch zusätzlich noch eine tolle Dynamik mit sich.

Die Protagonisten haben mir beide gut gefallen. Besonders Taylor macht eine unglaubliche Wandlung im Lauf der Geschichte durch und ist trotzdem zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig. Schon allein ihre Affinität zu Büchern macht sie beim Leser sympathisch, ich habe sie direkt in der ersten Szene ins Herz geschlossen und habe permanent mit ihr gelitten, gelacht oder mich gefreut. Sacha ist wohl auf den ersten Blick der Typ „harte Schale, weicher Kern“, aber wer ihn mit der Zeit kennenlernt, wird feststellen, dass er sehr vielschichtig ist und hinter seinen Handlungen immer ein Sinn steckt. Zusammen sind die beiden wohl das perfekte Paar, weil sie sich ergänzen und in den wichtigen Punkten des Lebens aber doch einig sind. Ich finde, dass sie gut zusammenpassen und das auch nach außen transportieren.

Auch bei den Nebencharakteren hat die Autorin großen Wert auf Autentizität und vor allem Individualität gelegt. Sie runden die Geschichte nicht nur ab, sondern werten sie regelrecht auf. Einige Charaktere mochte ich auf Anhieb, andere haben mich mit ihren Taten überzeugen oder sogar überraschen können, sodass ich ein ganz neues Bild gewonnen habe. Für die Personen muss ich also ebenfalls ein ganz dickes Lob aussprechen!

Die Spannung war von Anfang an vorhanden und ich habe das Buch praktisch in einem Rutsch gelesen. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Auch die Rückblenden, bzw. das langsame aufdecken der Vergangenheit, das, was damals wirklich zwischen den beiden Familien geschehen ist, heizt die Spannung noch zusätzlich an. Der Fließtext wird immer wieder durch Mails, Chats, SMS oder Tagebucheinträge aufgelockert, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt.

Der Mix aus Liebesgeschichte, fesselnder Verfolgungsjagd und einem Hauch Fantasy hat mir sehr gut gefallen. Die Komponenten haben flüssig ineinander gegriffen und sich perfekt ergänzt. Dabei ist die Liebesgeschichte nicht kitschig oder übertrieben, sondern eher dezent und passiert eben so nebenbei. Im Vordergrund steht der Kampf gegen die ablaufende Zeit von Sacha, was spannend und emotional dargestellt wird.

Der einzige Kritikpunkt, den ich anbringen möchte, ist, dass noch nicht klar ist, wann der Folgeband rauskommt! Ich brauche mehr davon und möchte unbedingt wissen, was aus Taylor und Sacha wird. Gebt mir mehr davon!

Bewertung: 5/5 Sterne


[Rezension] Nadine Stengleins „Rubinmond“

Grunddaten:
Autor: Nadine Stenglein

Titel: Rubinmond

Taschenbuch: 268 Seiten

ISBN: 978-3943570687

Verlag: Fabylon

 

Klappentext:

Eine verbotene Liebe durch die Jahrhunderte. Seit Menschengedenken sind Seelenwächter auf der Jagd nach Wiedergängern, die das Seelenwachstum der Menschen stören und ihre Seelen stehlen wollen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen oder sie in ihresgleichen zu verwandeln und damit in die Verdammnis zu stürzen.
Die junge Faye hat, soweit sie zurückdenken kann, seltsame Träume, in denen stets derselbe junge Mann vorkommt. Sie spürt, dass etwas sie mit dem geheimnisvollen Traummann verbindet und lässt sich in Hypnose versetzen, um mehr über ihre beängstigenden, real wirkenden Träume und den Unbekannten herauszufinden.
Faye ahnt nicht, was sie damit in Gang setzt – denn der Mann ihrer Träume existiert tatsächlich, und die Liebe zu ihm begleitet Fayes Seele bereits durch die Jahrhunderte. Doch er ist nicht wie sie, sondern ein unsterblicher Vampir.
Der für Fayes Schutz zuständige Seelenwächter setzt alles daran, diese Liebe zu zerstören, denn eine Verbindung zwischen Mensch und Vampir ist tabu. Doch Faye bricht die Regeln und nimmt den Kampf um ihre Seele auf.

Meine Meinung:

Mit „Rubinmond“ legt die Autorin einen Vampirroman vor, der vor allen Dingen mit seinem Element der Reinkarnation überzeugt, mich aber aufgrund der Protagonistin nicht vollständig fesseln konnte.

Die Geschichte wird uns direkt aus Sicht der Protagonistin Faye erzählt, was meiner Meinung nach auch hilfreich war, denn Faye zählt nicht gerade zu den mitteilsamen Menschen, sondern macht viel mit sich selbst aus. Noch dazu kommen die Flashbacks aus den vergangenen Leben, die so authentischer und realistischer werden. Der Erzählstil selbst ist flüssig und gut zu lesen, man hat zu jeder Zeit wieder in die Geschichte hineinfinden können, sobald man sie unterbrochen hat.

Eins meiner Probleme hatte ich leider mit Faye selbst. Irgendwie habe ich im kompletten Verlauf keinen Zugang zu ihre finden können, obwohl sie teilweise wirklich tough reagiert hat. Auf der anderen Seite war ihr Verhalten aber auch manchmal nicht nachvollziehbar, da sie auf den Leser sehr leichtgläubig wirkt und sich nach jeder Auseinandersetzung extrem schnell erholt. Das war für mich einfach nicht authentisch und so konnte ich Faye die meiste Zeit nicht ernst nehmen. Was eventuell noch gut gewesen wäre, wären ein paar Passagen/Kapitel aus Sicht von James (Fayes große Liebe), denn der gute Mann bleibt die meiste Zeit eher unbeleuchtet. Wir erfahren nicht viel von ihm und seine Motivation und Gedanken wären an manchen Stellen wirklich interessant gewesen.

Zu den Nebencharakteren habe ich eher einen Draht finden können. Sie waren in sich rund und haben sich in jeder Situation so verhalten, wie man es als Leser von ihnen erwartet hat. Besonders die Widersacher waren so weit beschrieben, dass man nachvollziehen konnte, was ihre Motivation ist und warum sie so handeln, wie sie es tun. Dana hat mir besonders gut gefallen, weil sie ein bisschen Leben in Fayes Alltag gebracht hat. Sie ist ein regelrechter Wirbelwind und sorgt für so manchen Schmunzler.

Die Spannung ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite fand ich die Passagen aus der Vergangenheit unglaublich fesselnd, weil sie gut gestaltet waren und auf der anderen Seite war die Story an sich immer wieder zu langatmig zwischendurch, sodass ich das Buch leider mehrere Male aus der Hand legen musste. Die Idee an sich, den Vampiren noch eine andere Bedeutung zuzuordnen und die Seele der Wesen in den Vordergrund zu stellen, fand ich wirklich gelungen. Allerdings muss man hier ein gutes Verständnis haben, weil man die Hintergründe durch Fayes Augen kennenlernt und so eben nur Stück für Stück in das Wissen und die Geheimnisse rund um die Seelenwächter eingeführt wird. Für mich war das teilweise verwirrend, weil ich das Gesagte oder die Handlungen nicht richtig zuordnen konnte.

Insgesamt eine etwas andere Fantasystory, die mich unentschlossen zurücklässt.

Bewertung: 3,5/5 Sterne


[Rezension] Emma Wagners „Du. Für immer.“

Grunddaten:

Autor: Emma Wagner

Titel: Du. Für immer.

eBook: 412 Seiten

ASIN: B01M9I9F5C

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Wie viel kann wahre Liebe verzeihen?
Die Ehe der Künstlerin Anna mit dem zurückhaltenden Oliver steckt in der Krise. Seit Jahren bleibt ihr gemeinsamer Kinderwunsch unerfüllt und überdies ist Olivers wohlhabende Familie nach wie vor der Überzeugung, dass Anna nicht die richtige Partie für ihren Erben ist.
Der Tod ihrer ehemaligen Kunstlehrerin und Freundin Carol bringt Anna zurück an den Ort, an dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Dort trifft sie auf ihre Jugendliebe Marc.
Marc mit den feurigen braunen Augen. Marc mit der großen Sehnsucht nach Abenteuern. Marc, mit dem Anna ein dunkles Geheimnis verbindet.
Anna muss sich ihrer Vergangenheit stellen. Hat sie damals die richtige Entscheidung getroffen? Für wen schlägt ihr Herz heute? Und was hat ihre Mutter ihr verschwiegen?

Meine Meinung:

„Du. Für immer.“ ist ein in sich abgeschlossener Roman, der vor allem durch seine authentischen Charaktere und sein emotionales Hintergrundthema überzeugen konnte. Für mich hat hier fast alles gepasst und ich habe ein paar unterhaltsame Stunden in einer aufreibenden Dreiecksbeziehung verbringen dürfen.

Was schon im ersten Kapitel auffällt, ist der außergewöhnliche Erzählstil bei dieser Geschichte. Jedes Kapitel umfasst eine Passage aus dem aktuellen Geschehen, das uns direkt aus Sicht der Protagonistin Anna nähergebracht wird, und eine Rückblende, die dann in der dritten Person verfasst wurde. Für mich war das sehr interessant, weil man so peu a peu verstanden hat, warum die Charaktere so geworden sind, wie sie nun mal sind. Zusätzlich wurde damit die Spannung nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch noch angefacht. Besonders die Stellen, bei denen es um die Bilder von Anna geht, haben mir sehr gut gefallen, weil hier tolle Beschreibungen von Farbverläufen und Darstellungen gemacht wurden und die Kunstwerke vor meinem inneren Auge regelrecht zum Leben erwacht sind.

Anna war eine sehr starke Protagonistin, weil sie individuell und authentisch ist. Sie ist eine klare Antiheldin, weil sie mehr als nur einen Fehler im Laufe der Geschichte begeht, aber trotzdem dazu stehen kann. Teilweise führt sie sich sogar wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen auf, aber selbst das verzeiht man ihr, weil sie dem Leser schlichtweg sympathisch erscheint. Besonders die Darstellung der Vergangenheit ist überaus gut gelungen, weil man klar nachvollziehen konnte, warum sie sich in eine bestimmte Richtung entwickelt hat. Man hat ihren Schmerz und ihre Verzweiflung praktisch spüren können, sodass man gar nicht anders konnte, als mit ihr mitzufiebern.

Die beiden männlichen Protagonisten wurden toll ausgearbeitet. Man hat von Anfang an das Gefühl, es mit Feuer und Eis zu tun zu haben, so gegensätzlich sind Oliver und Marc. Wähend Oliver von Anfang an ein Sympathieträger ist, weil er alles für seine Frau tun würde, ist Marc teilweise einfach nur ein Kotzbrocken und Egoist, dem seine persönlichen Belange über alles gehen. Oliver hat mir manchmal wirklich leid getan, denn selbst Anna braucht wirklich lange, um zu verstehen, was seine Qualitäten sind. Hier komme ich auch zu meinem einzigen Minikritikpunkt, denn im letzten Kapitel kann ich Olivers Handlungen nicht so recht nachvollziehen, während die beiden Herren sonst immer glaubhaft innerhalb der Geschichte agieren.

Die Nebencharaktere haben die Geschichte nicht nur abgerundet, sondern zum Leuchten gebracht. Man kann sich das kleine verschlafene Nest mit all seinen Unikaten tatsächlich vorstellen. Egal, ob wir es mit dem knuffigen Eisverkäufer Tomaso, der zickigen Schwiegermutter oder der Männer verschlingeneden Pensionsbesitzerin Elena zu tun haben: Jede Person glänzt in ihrer Rolle und macht die Geschichte zu etwas Lebendigem.

Die Spannung war für mich durchweg vorhanden, weil man einfach wissen möchte, wie es mit Anna weitergeht. Natürlich handelt es sich um einen Liebesroman, bei dem die Emotionen klar im Vordergrund stehen, aber durch die Rückblenden bleibt der Leser am Ball, weil sich immer wieder neue Entwicklungen im Verlauf der Geschichte ergeben. So haben wir zwar keine großartigen Wendungen, aber Stück für Stück eine Erklärung dafür, warum Anna mit Oliver verheiratet ist und wie Marc in das Ganze hineinpasst. Auch das eigentlich ernste Hintergrundthema sollte nicht unerwähnt bleiben, denn hinter dem ganzen Versteckspiel und Entscheidungsdrama der drei Protagonisten steckt eigentlich eine dramatische Tat aus der Vergangenheit. Generell sind die Rückblenden psychologisch wirklich toll in Angriff genommen worden.

Mit diesem Werk konnte mich die Autorin überzeugen und hat mir ein paar tolle Lesestunden beschert. Die Mischung macht es hier, denn neben Liebe und Leidenschaft gibt es auch immer wieder ein paar lustige Stellen, die besonders durch die urig-skrurilen Kleinstadtbewohner leben. Dieser Roman ist anders als Frau Wagners bisherige Werke, aber dafür umso gelungener!

Bewertung: 4,5/5 Sterne


[Rezension] Alesia Fridmans „Die Traumtaucher“

Grunddaten:

Autor: Alesia Fridman

Titel: Die Traumtaucher

Taschenbuch: 468 Seiten

ISBN: 978-3000535727

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Alexej ist gebürtiger Russe – und er ist Geheimagent des russischen Auslandsnachrichtendienstes. Für sein Vaterland betreibt er in den USA und in Deutschland Wirtschaftsspionage, arrangiert Komplotte und mordet sogar. Doch dann begegnet ihm Sarah, die Liebe, die sein Leben für immer verändern wird. Alexej muss feststellen, dass auch Sarah eine Frau voller Rätsel und Geheimnisse ist. Ihre Beziehung ist nicht einfach, immer wieder gibt es Konflikte, doch Alexej ist nicht bereit, die Liebe seines Lebens einfach aufzugeben. Er kämpft um Sarah und ihre gemeinsame Zukunft. Das Dasein als Agent offenbart jedoch allzu bald seine Schattenseiten: Als Alexej in einen besonders heiklen Auftrag verwickelt wird, gerät alles außer Kontrolle, und er steht selbst auf der Abschussliste. Alexej wird betäubt und erwacht in einer fremden Umgebung. Doch er ist nicht in Russland, nicht der Geheimdienst hat ihn entführt. Er befindet sich in einem Dorf australischer Ureinwohner mitten im Busch. Nach und nach erfährt er den Grund, warum sie ausgerechnet ihn zu sich geholt haben: Eine uralte Weissagung prophezeit, dass Alexej der „weiße Wolf“ ist, der die Aborigines in ein neues Zeitalter der Freiheit und Selbstbestimmung führen wird. Was hat der geheimnisvolle Traum von dem weißen Wolf zu bedeuten, der Alexej immer wieder heimsucht? Wird es ihm gelingen, die Polizei, die mittlerweile allerlei Ungereimtheiten an Alexejs Verschwinden bemerkt hat, hinters Licht zu führen? Wird Alexej der neuen Aufgabe gewachsen sein, wird er sich der Ungerechtigkeit und Korruption stellen? Und wird er Sarah jemals wiedersehen?

Meine Meinung:

„Die Traumtaucher“ ist ein teilweise fesselnd erzählter Roman, der unter anderem ein wunderschönes Setting im australischen Busch beschreibt. Leider konnten mich einige vorhandene Längen nicht vollkommen überzeugen.

Der Erzählstil ist wohl das Außergewöhnlichste an dieser Geschichte. Wir haben es hier mit unterschiedlichen Erzählsträngen sowie Zeitebenen zu tun. Auf der einen Seite haben wir die aktuelle Geschichte, die gradlinig verläuft, und auf der anderen Seite haben wir immer wieder Rückblenden, die das große Puzzle peu a peu zusammensetzen. Allerdings war mir schleierhaft, warum ausgerechnet Alexejs Rückblenden in der Ich-Perspektive erzählt werden, während die aktuelle Geschichte und auch alle anderen Rückblenden in der dritten Person beleuchtet werden. Für mich hat das keinen Sinn ergeben, da ich mir auch einen direkteren Einblick bei anderen Charakteren gewünscht hätte.

Alexej war für mich als Charakter sowohl spannend als auch rätselhaft. Gerade seine Vergangenheit ist wirklich aufregend und hier habe ich ihm jede Handlung und jedes noch so kleine Gefühl abkaufen können. Allerdings hat dann zur aktuellen Story eine Wandlung in ihm stattgefunden, die mir persönlich zu rasch erfolgte und somit unglaubhaft war. Sarah ist eine wirklich starke Persönlichkeit, auf die das Beispiel harte Schale, weicher Kern definitiv zutrifft. Ihre Gefühle sind authentisch und nachvollziehbar, was sie für mich zu einem echten Individum macht, das den Leser abholt und berührt.

Die Nebencharaktere waren liebevoll gestaltet und hier hat man gemerkt, dass das Herzblut der Autorin daran hing. Ich hatte gerade bei den Ureinwohnern im australischen Busch das Gefühl, dass sie vor meinem inneren Auge zum Leben erwachen. Jeder hat hier seine Rolle perfekt gespielt und sich in die Geschichte eingefügt.

Was ebenso einen dicken Pluspunkt verdient hat, ist das Setting an sich. Die Umgebung in Australien ist wirklich super beschrieben und man hat so eine unterschwellige Sehnsucht nach Urlaub vermittelt bekommen, die durchweg angehalten hat. Dabei wurde aber darauf geachtet, dass der Leser trotzdem noch seine eigene Fantasie spielen lassen konnte, was ich sehr gut finde. Allerdings waren die Informationen über Australien teilweise etwas trocken und langatmig, weil es immer wieder längere Passagen gibt, die dann gar nichts mehr mit der Handlung in diesem Moment zu tun haben. Da hab ich mich oft nicht richtig auf den eigentlichen Inhalt konzentrieren können, was ich sehr schade finde.

Mit der Spannung hatte ich so meine Probleme. Die Ausflüge in die Vergangenheit waren unglaublich fesselnd und aufreibend. Hier wäre ich am liebsten gar nicht mehr weggegangen und man hat die Thrillerelemente richtig erleben können. Allerdings hatte die Geschichte in er Gegenwart extreme Startschwierigkeiten, weil sie im krassen Gegensatz stand und mich anfangs so gar nicht einnehmen konnte. Erst im letzten Viertel habe ich auch hier einen Zugang gefunden und konnte mich vollkommen  darauf einlassen. Leider muss ich aber auch sagen, dass mir bei diversen Plänen und Umsetzungen der Gruppe einfach die dramatischen Wendungen gefehlt haben. Hier sind einige Dinge schlichtweg zu reibungslos über die Bühne gegangen und haben dadurch den Anschein erweckt, dass sie nicht realistisch genug sind.

Insgesamt ein Roman, der zur Sehnsucht nach Australien einlädt und auch ein paar interessante Informationen über die Ureinwohner des Kontinents preisgibt. Trotz einiger Schwächen habe ich das Buch gerne gelesen und denke auch darüber nach, noch anderen Lektüren der Autorin eine Chance zu geben.

Bewertung: 3/5 Sterne


Rezension zu Any Swans „Amber & Nolan: In the arms of the enemy“

Grunddaten:

Autor: Any Swan

Titel: Amber & Nolan (Save me 1)

eBook: 268 Seiten

ASIN: B01IG4HCKM

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Amber ist glücklich mit ihrem Leben als Kellnerin im Pitch Black, bis zu dem Tag, an dem sie entführt wird. Nolan ist von der starken, jungen Frau fasziniert. Obwohl er an ihrer Entführung beteiligt ist, rettet er ihr in letzter Sekunde das Leben. Doch durch die Flucht mit Amber gerät nicht nur seine eigentliche Mission in Gefahr, sondern auch seine Gefühlswelt ins Wanken.

Meine Meinung:

Mit „Amber & Nolan“ legt die Autorin den Auftakt zur neuen Save-me-Reihe vor, der zwar spannend geschrieben ist, mich aber aufgrund von diversen Kritikpunkten nicht vollkommen überzeugen konnte.

Das Buch ist klassisch in Kapitel unterteilt, wobei die Perspektiven innerhalb der Kapitel zwischen den beiden Protagonisten wechselt. Das hat den Vorteil, dass uns immer in der Ich-Erzählweise berichtet wird und wir so direkt am Geschehen sind und vor allen Dingen Zugang zu den Gefühlen von Amber und Nolan erhalten. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich prima lesen, weswegen das sicher nicht das letzte Buch der Autorin war, das ich gelesen habe.

Was mich zum einen ratlos zurückgelassen hat, war Amber selbst. In der kurzen Einleitung wird sie als stark beschrieben, was ich ihr zunächst auch abgenommen habe. Dann verhält sie sich nach den eigentlich traumatischen Ereignissen vollkommen anders als erwartet und dann schwenkt sie wieder in eine ganz andere Richtung um, was für mich sehr widersprüchlich war. Da hätte ich mir lieber gewünscht, dass die Autorin auf einen Stereotypen zurückgreift, das wäre dann wenigstens glaubwürdig gewesen. Nolans Rolle konnte ich ihm eher abnehmen, wobei hier auch teilweise übermenschliches geleistet wird (gerade am Ende). Er ist der typische Bad Boy und Gentleman, der die Frauenherzen höherschlagen lässt und alles mitbringt, was man sich für einen starken männlichen Part im Liebesroman wünscht.

Die Nebencharaktere spielen eine eher untergeordnete Rolle. Dies ist aber vollkommen in Ordnung, denn es ist Ambers und Nolans Geschichte. Sie runden das Gesamtbild ab. Hier hält sich die Autorin gar nicht groß mit Beschreibungen oder Ausarbeitungen auf, da jede Figur nur ihren Part zu erfüllen hat.

Die Spannung ist von Anfang an vorhanden, da der Erzählstil sehr, sehr zügig ist. Stellenweise war mir das ein bisschen zu sehr gerafft, weil ich den Eindruck bekam, dass man zum Ende kommen möchte. In manchen Passagen wäre eine genauere Beschreibung hilfreich gewesen, um eventuell noch mal etwas mehr über die Protagonisten zu erfahren. Abseits der Geschichte, bzw. der Details, die dafür relevant sind, erfahren wir nämlich so gut wie nichts über die beiden. Besonders Amber kommt mir hier zu kurz.

Der Genre-Mix ist gelungen, weil ich mich gut unterhalten gefühlt habe. Von einem spannenden Verfolgungs-Thriller bis hin zu einer prickelnd-erotischen Liebesgeschichte sind alle Elemente vertreten. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass die Liebesgeschichte etwas realitischer gehalten worden wäre und die Erotikszenen nicht geballt in der Mitte auftauchen.

Insgesamt ein kurzweiliger Roman, der sich flott lesen lässt. Die Hintergrundstory, bzw. die Idee an sich fand ich gut, ebenso wie viele gute Ansätze im Charakterdesign oder der Spannungskurve, lediglich an der Umsetzung hat es etwas gemangelt. Trotz der Kritik ganz sicher nicht der letzter Roman von Any Swan!

Bewertung: 2,5/5 Sterne


[Blogtour] Glimmernächte – Das dänische Königshaus

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Das dänische Könighaus lässt sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Dabei unterscheidet man eine Zeit vor Gorm der Alte gorm-the-oldund die Zeit danach. Alle Könige bzw. Herrscher vor 899 sind auch als Sagenkönige bekannt, da ihre Daten nicht historisch belegbar sind. Wie bei allen Überlieferungen kann es hier auch zu Unkorrektheiten gekommen sein, man kennt das ja … Jemand sagt über jemand etwas und das wird dann noch mal ausgeschmückt 😉 Ab 899 (Gorm der Alte) sind die Daten belegbar und es wurden diverse Aufzeichnungen geführt. Auch spricht man zu dieser Zeit von Herrschern und nicht von Königen, da die Landesgrenzen noch nicht so ausgefeilt waren und die Oberhäupter eher ein Gefolge um sich geschart haben.

 

eryk_i_pomorski_darlowoIm Verlauf der Jahrhunderte gab es viele Könige und Herrscher in Dänemark. Dabei waren einige Persönlichkeiten natürlich wichtiger als andere, manche haben auch ein Leben in vollkommenem Frieden geführt und sind für keinerlei Großaten bekannt. Erik VII. (1412 – 1439) hat zum Beispiel einen permanenten Konflikt mit Deutschland gehabt, da er der Hanse und dem Deutschen Orden nicht wohlgesonnen war.

 

frederik_4_danmark Friedrich IV. (1699 – 1730) hat sein Wirken dem nordischen Krieg gewidmet, der zwischen Dänemark und Schweden ausgeübt wurde. Wie es meistens so üblich war unter den Königshäusern, war es auch im Norden so, dass ein permanentes Ringen um die Macht an der Tagesordnung stand. Ein Land wollte das andere beherrschen und von dem Glamour, der uns heute gezeigt wird, war damals wenig zu spüren. Zugige Schlösser, kalte Fluchten und ein Leben in Einsamkeit und Abgeschiedenheit standen meist auf der Plan für die Damen am Hofe.

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Seit 1972 herrscht Königin Margrethe II. in Dänemark. Sie ist die erste Frau, die seit dem 15. Jahrhundert wieder auf dem Thron sitzt. Dabei sind ihre Interessen vielfältiger Natur: Neben dem Übersetzen einiger literarischer Werke hat sie auch eine Vorliebe für Grafik und Design. So hat sie beispielsweise eine dänische Ausgabe von „Der Herr der Ringe“ illustriert. Ebenso hat sie schon Kostüme für Film und Theater entworfen. Wie ihr seht, ist Königin Margrethe II. ein sehr kreativer Mensch.

 

 

Natürlich hat sich auch die Politik und das Herrschen an sich über die Jahre verändert, so ist die Monarchie zwar nach wie vor die wichtigste Institution im Land, aber mittlerweile gibt es auch ein Parlament und Abstimmungen, die Zeiten des Alleinherrschers sind also lange vorbei.

Was im Allgemeinen auffällt, ist, dass die nordischen Königshäuser Konflikte eher untereinander ausgetragen haben und sich selten bis gar nicht ins Weltgeschehen eingemischt haben.

Wer sich generell über die Stammtafel der dänischen Herrscher und Könige informieren möchte, sollte unbedingt bei Wikipedia vorbeischauen. Hier gibt es wirklich Interessantes zu erfahren, denn auch für mich war dieses Thema zunächst neu und hat mich dann doch schließlich einen halben Tag gefesselt.

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[Rezension] Thomas Thiemeyers „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“

Grunddaten:

Autor: Thomas Thiemeyer

Titel: Evolution (1)

Hardcover: 360 Seiten

ISBN: 978-3401601670

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat?

Meine Meinung:

„Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ ist der erste Band der neuen Jugend-Abenteuer-Trilogie von Thomas Thiemeyer, der mir außerordentlich gut gefallen hat. Authentische, starke Charaktere, ein dystopisches Setting und eine Handlung, die mehr als spannend gestaltet war.

Die Geschichte wird uns aus verschiedenen Blickwinkeln nähergebracht, was den Vorteil hat, dass der Leser immer direkt am Geschehen dran ist. Vor allem für die angefachte Spannung war dieser Erzählstil super. Die jeweiligen Kapitel und Abschnitte werden meistens ganz geschickt mit dem Namen der Person eingeleitet, die hier gerade die Hauptrolle spielt, so weiß der Leser immer sofort, was Trumpf ist. Die Sprache ist sowohl einem Jugendbuch angepasst als auch den jeweiligen Charakteren. Das hat mir sehr gut gefallen, weil man so schon mit der Wortwahl die sozialen Unterschiede zwischen den einzelnen Teenagern erkennen konnte. Auch die Dialoge haben so an Dynamik gewonnen und die Spannung noch zusätzlich unterstützt.

Jem hat mir als Protagonist wirklich sehr, sehr gut gefallen, weil er individuell ist und sich auf die Situation einlässt. Zunächst kann man auch seine Zweifel und Ängste glaubhaft nachvollziehen, aber dann springt er über seinen Schatten und übernimmt Verantwortung, wo andere bereits aufgegeben haben. Er ist eigentlich der klassische Antiheld, der nicht in strahlender Rüstung daher kommt, sondern selbst eine Vergangenheit aufweisen kann. Lucie bildet hier einen starken Kontrast. Sie wird eher von ihren Gefühlen und somit auch von ihren Ängsten geleitet. Sie ist der Typ Mädchen, der beschützt werden muss, aber in Kombination mit Jem wächst auch sie über sich hinaus und überrascht den Leser mehr als einmal. Der dritte im Bunde ist Marek, den ich als Badboy und Widersacher einstufen würde. Hier bedient sich der Autor eher dem klischeehaften Haudrauf, was mich aber nicht gestört hat, da Jem und Lucie als Protagonisten vollkommen überzeugen können.

Die wichtigsten Nebencharaktere muss man erst mal für sich selbst sortieren, denn unsere illustere Runde ist im Verlauf des Buchs immer als Gruppe unterwegs. So bekommen wir zu Anfang einige Namen und Charaktere vorgestellt, die man dann erstmal in das Gesamtgeschehen einfügen muss. Alledings geht der Autor hier wirklich behutsam vor und stellt sie dem Leser eher nach und nach vor, sodass man schon im ersten Viertel einen sehr guten Überblick hat. Über die Nebencharaktere bekommen wir eher weniger Details geliefert, was aber von Vorteil ist, weil man sich so auf Jem und Lucie konzentrieren kann. Manche haben auch einfach keine wichtige Rolle inne und dienen eher dazu, die Geschichte abzurunden.

Wie schon erwähnt, war das Buch unglaublich spannend und ich konnte es praktisch nicht aus der Hand legen. Immer wieder geschieht irgendetwas. Die Personen sind nicht sicher und ich hatte endlich mal wieder das Gefühl, dass ich mir die Fingernägel vor Spannung abknabbern müsste. Der Leser kommt emotional und auch nervlich eigentlich gar nicht zur Ruhe, weil der Autor permanent irgendwelche Gefahren und Wendungen parat hält, die Jem, Lucie und Co. zusetzen. Gerade das letzte Drittel hat es dann richtig in sich. Hier geht es Schlag auf Schlag und ich kam eigentlich gar nicht dazu, durchzuatmen. Das Ende ist dann natürlich mit einem bösen Cliffhanger versehen, was aber schon zu erwarten war, wenn man zum einen Thiemeyers Trilogien kennet und zum anderen weiß, dass eben noch zwei Bände folgen sollen.

Als letzten Punkt möchte ich noch das gelungene Setting loben. Der Autor hat es wieder einmal geschafft, mich von der hier dargestellten Welt vollkommen zu überzeugen. Gerade was Zukunftsvisionen angeht, bin ich wirklich megakritisch, weil ich immer irgendeinen Punkt finde, den ich mir nicht vorstellen kann und dann die ganze Dystopie für mich nicht funktioniert (bzw. keinen Sinn ergibt). Bei diesem Buch war das nicht so. Natürlich sind noch einige Fragen offen, die aber bestimmt im Verlauf der Folgebände noch geklärt werden.

Abschließend kann ich sagen, dass ich durch diesen ersten Band wirklich angefixt wurde und hoffe, dass bald Januar ist, damit ich weiterlesen kann. Für mich hat hier alles gestimmt und ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen!

Bewertung: 5/5 Sterne


[Rezension] DBC Pierres „Frühstück mit den Borgias“

Grunddaten:

Autor: DBC Pierre

Titel: Frühstück mit den Borgias

Taschenbuch: 224 Seiten

ISBN: 978-3351050269

Verlag: Blumenbar

 

Klappentext:

Willkommen im The Cliffs, dem abgründigsten Hotel Großbritanniens

Ariel Panek möchte eigentlich nur ein paar unbeschwerte Tage mit seiner Studentin und Geliebten Zeva verbringen, am Rande eines Informatik-Kongress in Amsterdam. Doch dort kommt er nie an und landet stattdessen im Küstenhotel The Cliffs – einem Ort ohne Verbindung zur Außenwelt. Dort ist er dem schrulligen Hotelbesitzer und seinen einzigen Gästen, einer neurotischen Familie, die die »Borgias« genannt werden, ausgeliefert.

Meine Meinung:

Was für ein Buch! Authentische Charaktere, ein ernster Hintergrund und jede Menge spannender, skurriler Wendungen, die das Lesen zu einem wahren Vergnügen machen.

Schon allein der Aufbau dieser außergewöhnlichen Geschichte überzeugt durch Kreativität. So bizzar die Personen auftreten, unterstützt die Unterteilung in 3 Akte wie bei einem Theaterstück (Einführung, Problematik, Ende/Drama) immens. Ich habe mich sofort innerlich auf eine dramatisch-komische Handlung einstellen können und wurde keinesfalls enttäuscht. Chatverläufe und SMS zwischen den beiden Liebenden lockern den Fließtext auf und sorgen zusätzlich noch für Spannung, da wir so zum Beispiel auch etwas über deren Vergangenheit erfahren. Der Schreibstil ist auf den Punkt gebracht. Hier sagt jede Figur wirklich nur das, was sie sagen soll. Weniger ist hier oft mehr, was mir aber durchaus gefallen hat.

Ariel war mir vom ersten Wort an sympathisch, weil er einfach individuell ist. Schnell wird klar, dass er auch gegen den Strom schwimmt, wenn es sein muss. Wir werden in seine Welt der Technik und Informatik eingeführt. Ein starkes Element hierbei ist die Abgeschiedenheit des Hotels und die Darstellung, wie Abhängig wir doch im heutigen Zeitalter von der Technik bzw. den Medien sind. Gerade diese Problematik hat mich nachdenklich gestimmt und regt den Leser dazu an, mal über seinen eigenen Konsum in dieser Richtung nachzudenken. Zwischendurch wechseln die Passagen immer wieder zu Zeva. Sie ist das Gegenteil von Ariel, denn sie steckt voller Zweifel und hat Angst, sich auf dieses Abenteuer überhaupt einzulassen. Aber auch Zeva ist so glaubhaft beschrieben, dass ich mich vollkommen in sie hineinversetzen und ihren inneren Konflikt verstehen konnte.

Die Nebencharaktere sind wirklich die Krönung des Ganzen. Auf den ersten Blick scheint es ein wild zusammengewürfelter Haufen Irrer zu sein, doch im Verlauf der Geschichte stellt sich heraus, dass der Autor hier einfach nur eine brillante Idee umgesetzt hat und alles nach und nach Sinn ergibt. Sie sind so individuell und authentisch, dass ich hierzu eigentlich gar nichts mehr sagen möchte, außer, dass die Sprache den einzelnen Personen angepasst war und zusätzlich bei mir punkten konnte.

Im Prinzip habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, denn man möchte permanent wissen, ob sich Ariel nun aus seinem Dilemma herausmanövrieren kann. Die Spannung ist greifbar und gerade der Schluss hat es wirklich in sich. Dieses Ende habe ich erst ganz spät kommen sehen, was bei mir den Eindruck bewahrt hat, dass ich immer noch überrascht werden kann.

Der einzige Minikritikpunkt sind die Passagen über die Quantenmechanik. Hiermit konnte ich eher weniger anfangen und da sie die Thematik schon sehr speziell ausgeführt haben, habe ich leider nicht verstanden, um was es geht. Natürlich konnte ich das als Gerede abtun, aber wenn ich ein Buch lese, habe ich ja auch immer die Hoffnung, dass ich vielleicht noch das ein oder andere lernen kann, was hier nicht der Fall war, da ich einfach nicht mitgekommen bin.

Ein düsteres Setting mit Vergangenheit, Charaktere, die mich vollkommen überzeugen konnten und eine Story, die so raffiniert verwoben ist, dass der Leser das dicke Ende nicht kommen sieht. Eine klare Leseempfehlung von mir!

Bewertung: 4,5/5