[Rezension] Thomas Thiemeyers „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“

Grunddaten:

Autor: Thomas Thiemeyer

Titel: Evolution (1)

Hardcover: 360 Seiten

ISBN: 978-3401601670

Verlag: Arena

 

Klappentext:

Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat?

Meine Meinung:

„Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ ist der erste Band der neuen Jugend-Abenteuer-Trilogie von Thomas Thiemeyer, der mir außerordentlich gut gefallen hat. Authentische, starke Charaktere, ein dystopisches Setting und eine Handlung, die mehr als spannend gestaltet war.

Die Geschichte wird uns aus verschiedenen Blickwinkeln nähergebracht, was den Vorteil hat, dass der Leser immer direkt am Geschehen dran ist. Vor allem für die angefachte Spannung war dieser Erzählstil super. Die jeweiligen Kapitel und Abschnitte werden meistens ganz geschickt mit dem Namen der Person eingeleitet, die hier gerade die Hauptrolle spielt, so weiß der Leser immer sofort, was Trumpf ist. Die Sprache ist sowohl einem Jugendbuch angepasst als auch den jeweiligen Charakteren. Das hat mir sehr gut gefallen, weil man so schon mit der Wortwahl die sozialen Unterschiede zwischen den einzelnen Teenagern erkennen konnte. Auch die Dialoge haben so an Dynamik gewonnen und die Spannung noch zusätzlich unterstützt.

Jem hat mir als Protagonist wirklich sehr, sehr gut gefallen, weil er individuell ist und sich auf die Situation einlässt. Zunächst kann man auch seine Zweifel und Ängste glaubhaft nachvollziehen, aber dann springt er über seinen Schatten und übernimmt Verantwortung, wo andere bereits aufgegeben haben. Er ist eigentlich der klassische Antiheld, der nicht in strahlender Rüstung daher kommt, sondern selbst eine Vergangenheit aufweisen kann. Lucie bildet hier einen starken Kontrast. Sie wird eher von ihren Gefühlen und somit auch von ihren Ängsten geleitet. Sie ist der Typ Mädchen, der beschützt werden muss, aber in Kombination mit Jem wächst auch sie über sich hinaus und überrascht den Leser mehr als einmal. Der dritte im Bunde ist Marek, den ich als Badboy und Widersacher einstufen würde. Hier bedient sich der Autor eher dem klischeehaften Haudrauf, was mich aber nicht gestört hat, da Jem und Lucie als Protagonisten vollkommen überzeugen können.

Die wichtigsten Nebencharaktere muss man erst mal für sich selbst sortieren, denn unsere illustere Runde ist im Verlauf des Buchs immer als Gruppe unterwegs. So bekommen wir zu Anfang einige Namen und Charaktere vorgestellt, die man dann erstmal in das Gesamtgeschehen einfügen muss. Alledings geht der Autor hier wirklich behutsam vor und stellt sie dem Leser eher nach und nach vor, sodass man schon im ersten Viertel einen sehr guten Überblick hat. Über die Nebencharaktere bekommen wir eher weniger Details geliefert, was aber von Vorteil ist, weil man sich so auf Jem und Lucie konzentrieren kann. Manche haben auch einfach keine wichtige Rolle inne und dienen eher dazu, die Geschichte abzurunden.

Wie schon erwähnt, war das Buch unglaublich spannend und ich konnte es praktisch nicht aus der Hand legen. Immer wieder geschieht irgendetwas. Die Personen sind nicht sicher und ich hatte endlich mal wieder das Gefühl, dass ich mir die Fingernägel vor Spannung abknabbern müsste. Der Leser kommt emotional und auch nervlich eigentlich gar nicht zur Ruhe, weil der Autor permanent irgendwelche Gefahren und Wendungen parat hält, die Jem, Lucie und Co. zusetzen. Gerade das letzte Drittel hat es dann richtig in sich. Hier geht es Schlag auf Schlag und ich kam eigentlich gar nicht dazu, durchzuatmen. Das Ende ist dann natürlich mit einem bösen Cliffhanger versehen, was aber schon zu erwarten war, wenn man zum einen Thiemeyers Trilogien kennet und zum anderen weiß, dass eben noch zwei Bände folgen sollen.

Als letzten Punkt möchte ich noch das gelungene Setting loben. Der Autor hat es wieder einmal geschafft, mich von der hier dargestellten Welt vollkommen zu überzeugen. Gerade was Zukunftsvisionen angeht, bin ich wirklich megakritisch, weil ich immer irgendeinen Punkt finde, den ich mir nicht vorstellen kann und dann die ganze Dystopie für mich nicht funktioniert (bzw. keinen Sinn ergibt). Bei diesem Buch war das nicht so. Natürlich sind noch einige Fragen offen, die aber bestimmt im Verlauf der Folgebände noch geklärt werden.

Abschließend kann ich sagen, dass ich durch diesen ersten Band wirklich angefixt wurde und hoffe, dass bald Januar ist, damit ich weiterlesen kann. Für mich hat hier alles gestimmt und ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen!

Bewertung: 5/5 Sterne


[Rezension] DBC Pierres „Frühstück mit den Borgias“

Grunddaten:

Autor: DBC Pierre

Titel: Frühstück mit den Borgias

Taschenbuch: 224 Seiten

ISBN: 978-3351050269

Verlag: Blumenbar

 

Klappentext:

Willkommen im The Cliffs, dem abgründigsten Hotel Großbritanniens

Ariel Panek möchte eigentlich nur ein paar unbeschwerte Tage mit seiner Studentin und Geliebten Zeva verbringen, am Rande eines Informatik-Kongress in Amsterdam. Doch dort kommt er nie an und landet stattdessen im Küstenhotel The Cliffs – einem Ort ohne Verbindung zur Außenwelt. Dort ist er dem schrulligen Hotelbesitzer und seinen einzigen Gästen, einer neurotischen Familie, die die »Borgias« genannt werden, ausgeliefert.

Meine Meinung:

Was für ein Buch! Authentische Charaktere, ein ernster Hintergrund und jede Menge spannender, skurriler Wendungen, die das Lesen zu einem wahren Vergnügen machen.

Schon allein der Aufbau dieser außergewöhnlichen Geschichte überzeugt durch Kreativität. So bizzar die Personen auftreten, unterstützt die Unterteilung in 3 Akte wie bei einem Theaterstück (Einführung, Problematik, Ende/Drama) immens. Ich habe mich sofort innerlich auf eine dramatisch-komische Handlung einstellen können und wurde keinesfalls enttäuscht. Chatverläufe und SMS zwischen den beiden Liebenden lockern den Fließtext auf und sorgen zusätzlich noch für Spannung, da wir so zum Beispiel auch etwas über deren Vergangenheit erfahren. Der Schreibstil ist auf den Punkt gebracht. Hier sagt jede Figur wirklich nur das, was sie sagen soll. Weniger ist hier oft mehr, was mir aber durchaus gefallen hat.

Ariel war mir vom ersten Wort an sympathisch, weil er einfach individuell ist. Schnell wird klar, dass er auch gegen den Strom schwimmt, wenn es sein muss. Wir werden in seine Welt der Technik und Informatik eingeführt. Ein starkes Element hierbei ist die Abgeschiedenheit des Hotels und die Darstellung, wie Abhängig wir doch im heutigen Zeitalter von der Technik bzw. den Medien sind. Gerade diese Problematik hat mich nachdenklich gestimmt und regt den Leser dazu an, mal über seinen eigenen Konsum in dieser Richtung nachzudenken. Zwischendurch wechseln die Passagen immer wieder zu Zeva. Sie ist das Gegenteil von Ariel, denn sie steckt voller Zweifel und hat Angst, sich auf dieses Abenteuer überhaupt einzulassen. Aber auch Zeva ist so glaubhaft beschrieben, dass ich mich vollkommen in sie hineinversetzen und ihren inneren Konflikt verstehen konnte.

Die Nebencharaktere sind wirklich die Krönung des Ganzen. Auf den ersten Blick scheint es ein wild zusammengewürfelter Haufen Irrer zu sein, doch im Verlauf der Geschichte stellt sich heraus, dass der Autor hier einfach nur eine brillante Idee umgesetzt hat und alles nach und nach Sinn ergibt. Sie sind so individuell und authentisch, dass ich hierzu eigentlich gar nichts mehr sagen möchte, außer, dass die Sprache den einzelnen Personen angepasst war und zusätzlich bei mir punkten konnte.

Im Prinzip habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, denn man möchte permanent wissen, ob sich Ariel nun aus seinem Dilemma herausmanövrieren kann. Die Spannung ist greifbar und gerade der Schluss hat es wirklich in sich. Dieses Ende habe ich erst ganz spät kommen sehen, was bei mir den Eindruck bewahrt hat, dass ich immer noch überrascht werden kann.

Der einzige Minikritikpunkt sind die Passagen über die Quantenmechanik. Hiermit konnte ich eher weniger anfangen und da sie die Thematik schon sehr speziell ausgeführt haben, habe ich leider nicht verstanden, um was es geht. Natürlich konnte ich das als Gerede abtun, aber wenn ich ein Buch lese, habe ich ja auch immer die Hoffnung, dass ich vielleicht noch das ein oder andere lernen kann, was hier nicht der Fall war, da ich einfach nicht mitgekommen bin.

Ein düsteres Setting mit Vergangenheit, Charaktere, die mich vollkommen überzeugen konnten und eine Story, die so raffiniert verwoben ist, dass der Leser das dicke Ende nicht kommen sieht. Eine klare Leseempfehlung von mir!

Bewertung: 4,5/5


[Rezension] Marcel Weyers` „Depths of Forever – Verloren in den Tiefen“

Grunddaten:

Autor: Marcel Weyers

Titel: Depths of Forever (1)

eBook: 115 Seiten

ASIN: B01L7WB7D8

Verlag: keiner (Selfie)

 

Klappentext:

Als ich das eiskalte Wasser auf meiner Haut spürte, war ich sicher, dass ich nie wieder das Tageslicht sehen würde. Immer tiefer und tiefer sank ich auf den Meeresgrund und ahnte noch nichts von den Ereignissen, die bald folgen würden. Hätte Kyū mich nicht gerettet, wäre ich gestorben. Jetzt bin ich ein Fremder in einer Welt, von der wir nicht wussten, dass sie existiert. Meerjungfrauen machen es einem nicht gerade leicht und vor allem ein Meerjungmann verdreht mir den Kopf.

Ohne Erinnerungen und versteckt vor feindseligen Augen, versuche ich, mir ein Leben als Mensch unter dem Meeresspiegel aufzubauen. Doch das anfangs noch gefährliche Spiel, entwickelt sich zu einem lebensbedrohlichen Strudel, der nicht nur mein Leben, sondern auch das meiner neugewonnenen Freunde bedroht. Der todbringende Sog beginnt sich zu entfalten und ich bin nicht sicher, ob ich ihm entkommen kann.

Meine Meinung:

„Depths of Forever – Verloren in den Tiefen“ ist der erste Band der neuen Fantasy-Gayromance-Reihe von Marcel Weyers. Leider sind das Buch und ich keine Freunde geworden, da die Charaktere für mich unglaubwürdig waren und die Unterwasserwelt mich nicht überzeugen konnte.

Wir bekommen diese Geschichte aus Sicht von Tasu, dem Protagonisten erzählt. Diese Erzählperspektive war für mich gut gewählt, denn immerhin muss er sich in einer für ihn vollkommen neuen Welt zurechtfinden. Zwischendurch welchselt die Perspektive einmal zu Kyū, die auch in der Ich-Person geschrieben ist und einmal zu einem anderen Nebencharakter. Hier wird dann plötzlich aus der Er-Perspektive geschrieben. Diesen Wechsel konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, da diese Passage ja scheinbar wichtig für den Autor war (sonst hätte er die Story weiter Tasu erzählen lassen).

Generell hatte ich mit Tasu große Probleme, denn er befindet sich von jetzt auf eben in einer für ihn vollkommen neuen Welt und nimmt das einfach ruhig hin. Das war für mich leider absolut unglaubwürdig. Auch sonst hat er sich oft sehr unpassend verhalten – ganz davon zu schweigen, dass er bereits nach zwei Tagen Liebesbekundungen macht. Auch Kyū war nicht wesentlich besser: Dass er Tasu rettet ist in Ordnung, aber nachdem er das dann getan hat, geht er einfach direkt zur Tagesordnung über. Wenn Menschen wirklich etwas Besonderes für die Meeresbewohner sind, dann hätte ich mir da ein bisschen mehr Regung erhofft.

Bei den Nebencharakteren wird sich teilweise klischeehafter Personen bedient (was für mich bei den Widersachern vollkommen in Ordnung ist, da sie ja meist nur einen Job zu erledigen haben), allerdings haben auch die restlichen Charaktere nicht durch Individualität glänzen können. Das könnte durchaus auch daran gelegen haben, dass das Buch nur knapp über 100 Seiten hat und man auf diesen die Personen nicht richtig kennenlernt.

Der zweite große Kritikpunkt ist die „erdachte“ Unterwasserwelt. Selbst der Protagonist denkt permanent, dass dies und jenes wie in der Menschenwelt sei. Sogar ein Handynetz ist dort unten verfügbar (übrigens 10.000 Meter unter der Oberfläche, wieso Tasus Lunge nicht kollabiert ist, ist auch fraglich …)! Ich konnte die Ansätze schon nachvollziehen, aber hier hatte ich mir definitiv mehr erhofft. Manche Beschreibungen waren wirklich wunderschön, aber dann kam wieder die Aussage, dass es wie in der Menschenwelt sei und meine Vorstellung war erneut zerstört. Wirklich schade.

Von Spannung möchte ich eigentlich gar nicht sprechen, da es mehr eine Einführung in die eigentliche Geschichte darstellt. So schnell wie es angefangen hat, ist es auch schon wieder vorbei. Prinzipiell wäre das nicht schlimm, allerdings gibt es zwischendurch immer wieder Passagen, die regelrecht aufgezählt wirken. Dann macht er dies, anschließend das und im Anschluss jenes. Die Dialoge waren teilweise wirklich fetzig und gut, aber die Handlungen dazwischen einfach viel zu komprimiert.

Nachdem ich so viel Kritik geäußert habe, möchte ich aber wenigstens noch das Cover loben, dass beim Leser den richtigen Eindruck erweckt: Eine magische Unterwasserwelt, ein schönes Kerlchen und viel Gefühl. Schade, dass der Inhalt da nicht mithalten konnte. Die weiteren Bände werde ich dann lieber auslassen.

Bewertung: 1,5/5 Sterne


[Rezension] Andrea Bielfeldts „Forgive – Sommerzauber“

Grunddaten:

Autor: Andrea Bielfeldt

Titel: Forgive – Sommerzauber (2)

eBook: 235 Seiten

ASIN: B01FKY8Z7U

Verlag: keiner (Selfie)

 

Klappentext:

Die junge Luisa fühlt sich frei wie ein Vogel. Mit dem Abi in der Tasche scheint ihr die ganze Welt offen zu stehen.
Nie hätte sie gedacht, dass sie ihre Pläne einmal in Frage stellen würde. Auch nicht, als sie sich mit einer telefonischen Zufallsbekanntschaft trifft. Wie hätte sie auch ahnen sollen, dass der junge Mann am Telefon niemand anderes als Milo ist. Milo und Luisa sind durch eine gemeinsame Vergangenheit miteinander verbunden. Für immer. Ihre Geschichte voller verborgener Erinnerungen, tiefen Gefühlen und Geheimnissen zeigt schnell: Die erste Liebe vergisst man nie …

Meine Meinung:

„Forgive – Sommerzauber“ ist der zweite Band der Jahreszeitenreihe, die aber alle in sich abgeschlossen sind und als seperate Geschichte gelesen werden können. Eine romantische Lektüre über die erste Liebe und das Schicksal, das immer seine eigene Wege einschlägt.

Wir bekommen diese emotionale Geschichte direkt aus Sicht der beiden Protagonisten Lulu und Milo erzählt. Dabei sind die Kapitel dann mit dem jeweiligen Charakter überschrieben, da wir beide Ansichten aus der Ich-Perspektive näher gebracht bekommen. Das hat den überaus praktischen Vorteil, dass wir auch beide Personen besser kennenlernen und wissen, was sie gerade bewegt. Dabei hat den größeren Teil Lulu inne, da sie die Geschichte mehr umtreibt und bewegt (zumindest empfindet man es als Leser so). Die Sprache ist locker gehalten. Auch die ein oder andere lustige Passage ist durchaus vorhanden, sodass ich des Öfteren schmunzeln musste.

Was ich unglaublich toll fand, waren die Beschreibungen. Egal, wo sich die Charaktere aufgehalten haben, ich konnte mir die Umgebungen immer ganz genau vorstellen. Egal, ob in Dänemark zwischen den Dünen oder in Frankreich im beschaulichen Garten, das Gefühl hat jedes Mal gestimmt und ich kam mir vor, als hätte mich die Autorin mit auf eine Reise genommen.

Leider muss ich auch hier schon zum ersten Kritikpunkt kommen: Lulus Sprunghaftigkeit. Als Protagonistin muss sie natürlich einen inneren Konflikt haben, damit das ganze Szenario funktioniert, allerdings wechselt sie ihre Meinung oft schneller als andere ihre Unterwäsche. Das allein wäre nicht schlimm, wenn man denn nachvollziehen könnte, woher dieser Sinneswandel jedes Mal kommt. Leider kommt das beim Leser manchmal so an, als wäre sie besonders kalt, was ich persönlich schade finde, da es auch Szenen gibt, bei denen man merkt, wie viel Gefühl eigentlich in ihr steckt. Milos Passagen sind weniger stark vertreten, weswegen wir seine Emotionen oft nur über Lulu herausfinden können. Das war für mich in Ordnung, da er so auch etwas Mysteriöses bzw. Geheimnisvolles hatte, was ihn interessant gemacht hat. Er ist der Typ Mann, der einem auf Anhieb sympathisch ist. Nur gegen Ende ist er ein bisschen aus seiner Rolle gefallen und man wusste überhaupt nicht, warum er nun tat, was er eben tat. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Protagonisten jeder für sich einige Schwächen aufweisen, im Endergebnis aber miteinander funktionieren und schlüssig sind.

Die Nebencharaktere sind zum Glück relativ beschränkt in ihrer Anzahl, was es für den Leser einfacher macht. Pam, Lulus beste Freundin, hat mir sehr gut gefallen, weil sie trotz einiger Klischees Lulu als Hauptcharakter aufgewertet hat. Man merkt sofort, dass beide ein starkes Band verbindet und sie immer füreinander da sind. Allerdings ist auch sie gegen Ende sprunghaft, was ich nicht nachvollziehen konnte. Vielleicht liegt es einfach am zarten Alter von 19 Jahren, dass die weiblichen Charaktere nicht wissen, was sie eigentlich wollen.

Wir haben es mit einem typischen Liebesroman zu tun, der trotz einiger Überraschungen auch recht vorausschauend ist. Schon nach wenigen Kapiteln ist klar, auf was das Ganze hinauslaufen wird. Wer sich daran nicht stört (immerhin laufen fast alle Liebesromane auf die gleiche Art und Weise ab), der wird sicher ein paar emotionale Stunden mit Lulu und Milo verbringen können. Auch die fetzigen Dialoge sind ein dickes Plus, das für den Roman spricht und ihn zu einem Lesevergnügen macht.

Mich konnte die Hintergrundgeschichte und die gut beschriebenen Settings überzeugen. Auch wenn ich so einige Defizite bei Lulu und Pam feststellen konnte, sind die Charaktere sympathisch und sprechen den Leser an. Man hat eben das Gefühl, dass es auch die eigene Geschichte sein könnte. Denn was gibt es Schöneres, als die erste Liebe?

Bewertung: 3,5/5


[Rezension] Carina Müllers „Tage zwischen Ebbe und Flut“

Grunddaten:

Autor: Carin Müller

Titel: Tage zwischen Ebbe und Flut

Taschenbuch: 288 Seiten

ISBN: 978-3426519738

Verlag: Knaur

 

Klappentext:

Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer.
Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.

Meine Meinung:

Mit „Tage zwischen Ebbe und Flut“ legt die Autorin einen unglaublich gefühlvollen Roman vor, der mich nicht nur aufgrund seiner gut recherchierten Thematik überzeugen, sondern auch durch ein solides Charakterdesign glänzen konnte.

Das Buch ist klassisch in Kapitel unterteilt, wobei die Autorin dem Leser jeweils mitteilt, wo und wann sich die Charaktere gerade befinden. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man Zeitsprünge direkt mitbekommt, nein, man kann auch die Route des Kreuzfahrtschiffes mitverfolgen (eine Karte ist hinten im Buch vorhanden). Der Schreibstil war herrlich flüssig und mit einer stetigen Prise Humor versehen, sodass man die Lektüre gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Da die Geschichte in der Er-Perspektive verfasst ist, hat man als Leser die Chance, bei allen Protagonisten gleichzeitig zu sein, was für mich sehr positiv war, denn so habe ich nie etwas verpasst.

Die Familienverhältnisse der Kaufmanns sind wohl gelinde gesagt nicht leicht. Schon im ersten Kapitel wird klar, wie heimtückisch die Krankheit Alzheimer für Felix ist und wie souverän seine Frau damit umgehen möchte. Tochter Judith und Enkelin Fabienne haben mir sehr gut gefallen, weil sie wohl die stärkste Wandlung im Laufe der Geschichte durchmachen. Während man bei Fabi zu Anfang noch den Eindruck hat, dass sie einfach nur eine verwöhnte Megazicke ist, überrascht sie im Verlauf der Story durch weise Entscheidungen und erwachsenes Verhalten. Auch Judy hat es mit ihrer Mutter Ellen nicht leicht – ich persönlich wäre definitiv nicht mit auf Reisen gegangen, wenn ich vorher schon gewusst hätte, wie anstregend diese Mutter-Tochter-Auseinandersetzungen sind. Der einzige Kritikpunkt bei den Protagonsten ist für mich eine unglaubwürdige Szene relativ zum Ende hin. Hier gesteht Judy einen Teil ihrer Vergangenheit ein, der für ich zu plötzlich und zu überraschend kam, um authentisch zu wirken. Ansonsten waren die Hauptcharaktere aber klar durchdacht und strukturiert. Gerade Felix muss man einfach mögen, sonst hat man kein Herz.

Auch die Nebencharaktere wurden gut gestaltet und ins Gesamtgeschehen eingefügt. Die Passagiere bzw. die Crew des Kreuzfahrtschiffes haben gute Laune verbreitet und dafür gesorgt, dass das doch sehr ernste Thema Alzheimer zwar präsent war, aber eben trotzdem nicht immer im Vordergrund stand. Da die Familie Kaufmann sehr groß ist, ist immer wieder die Rede von weiteren Familienmitgliedern, Exfrauen und -männern, Stieftöchtern und -söhnen. Hier hätte ich mir eventuell gewünscht, dass diese gar nicht erst erwähnt werden, weil sie für die Geschichte unerheblich waren und man mit den Namen zu kämpfen hatte. Aufgrund anfänglicher Erwähnungen dachte ich, dass da noch etwas kommen muss oder dass gewisse Personen eventuell noch eine Rolle im Verlauf der Story spielen würden, was dann aber nicht so war.

Die Autorin spricht mit diesem Roman das sensible Thema Alzheimer an, das meiner Meinung nach von der Gesellschaft viel zu sehr unter den Teppich gekehrt wird. Wenn man sich damit schon einmal auseinandersetzen musste, kann man die Emotionen von Ellen und Judy absolut nachvollziehen. Wir bekommen hier beide Seiten aufgezeigt: Wie belastend diese Krankheit für den Partner des Patienten sein kann und wie hilflos man als Außenstehender ist. Auch wenn man auf den ersten Blick denkt, dass es sich doch um eine heitere Geschichte handelt, weil eben viele Scherze gemacht werden und auch die ständigen Raufereien zwischen Mutter und Tochter teils sehr amüsant sind, hat mich das Buch doch nachdenklich zurück gelassen und wird mir sicher noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben.

Eine emotionale Geschichte über eine Familie, die ihre Differenzen im Schatten der Alzheimer aufarbeiten möchte und jeder für sich noch zusätzlich eine Wandlung erfahren darf. Trotz kleiner Kritikpunkte eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung: 4/5 Sterne


[Rezension] Philippa L. Anderssons „Romance Love“

Grunddaten:

Autor: Philippa L. Andersson

Titel: Romance Love

Taschenbuch: 340 Seiten

ISBN: 978-1537004679

Verlag: Selfpublisher

 

Klappentext:

Luxuriöse Kreuzfahrtschiffe in der Karibik, einsame Berghütten in den Rocky Mountains und verlassene Inseln in der Südsee – Juliet Blake schreibt unter dem Pseudonym Romance Love erotische Liebesromane, die dort spielen, wo andere Urlaub machen. Sie liebt ihren Job. Doch da ihr Verlag ständig neue Manuskripte von ihr verlangt, bleibt ihr eigenes Leben auf der Strecke.

Urlaubsreif beschließt sie, den gefeierten Autor Adam Maguire um Hilfe zu bitten – den Mann, den sie seit ihrer gemeinsamen Studienzeit insgeheim begehrt und der die Vorlage für jeden ihrer Romanhelden bildet. Als er einwilligt, ist sie überglücklich. Allerdings macht er nur zu seinen Bedingungen mit …

Meine Meinung:

„Romance Love“ bietet alles, was ich von einer guten Erotiklektüre erwarte: Interessante Charaktere, eine spannende Story und prickelnde Szenen. Trotz einiger Klischees hat mir das Buch gut gefallen.

Wir bekommen die Geschichte direkt aus Sicht der Protagonistin Juliet erzählt. Dies ist vor allem deswegen von Vorteil, weil sie ein recht verschlossener Charakter ist und viel über sich und ihre Gefühle nachdenkt. Auf der anderen Seite wahrt die Autorin aber trotzdem eine gewisse Distanz zu ihrer Protagonistin, was mich ein wenig gestört hat, denn so erschien Juliet oft viel eisiger, als sie tatsächlich war. Der Schreibstil an sich hat mir insgesamt zugesagt, weil Frau Andersson kein Blatt vor den Mund nimmst und der Lesefluss so immer in Bewegung bleibt. Trotz einiger Phrasenwiederholungen ist der Text flüssig geschrieben, weswegen das sicher nicht mein letztes Buch der Autorin war.

Wie schon erwähnt, hatte ich leichte Probleme mit Juliet. Ihre Konflikte sind deutlich zu erkennen und alles, was ihre beruflich-professionelle Seite betrifft, ist authentisch dargestellt. Allerdings hat sie oft in den unpassendsten Szenen mit Sex als Antwort reagiert. Nun könnte man natürlich sagen: Hey, das ist ein Erotikroman, was hast du erwartet? Jedoch glaube ich, dass man auch in diesem Genre den Anspruch auf Glaubwürdigkeit haben sollte. Bei Adam war das schon ganz anders. Er hat offen angesprochen, was er erwartet und möchte. Insgesamt war er für mich auch der interessantere Charakter, weil er viele Facetten aufzeigt, die man erst nach und nach entdecken kann.

Die Nebencharaktere kann man an einer Hand abzählen, weil sie für den Verlauf der Geschichte einfach keine bedeutende Rolle spielen. Das ist Juliet und Adams Story und das ist auch gut so. Trotz allem muss man aber sagen, dass die Autorin hier ienen sehr guten Job gemacht hat, weil die Personen glaubhaft und sympathisch ausgearbeitet wurden. Adams Freunde habe ich direkt ins Herz geschlossen.

Mich hat die Geschichte der beiden so sehr gefangen genommen, dass ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen habe. Es gab auch ein paar Wendungen, die jetzt zwar nicht unbedingt individuell waren, aber das hat mich persönlich nicht weiter gestört, weil der Rest gepasst hat.

Das Buch ist ganz klar dem Erotikgenre zuzuordnen. Die einschlägigen Szenen sind gerade in der ersten Hälfte vielzählig (um nicht zu sagen, sie rammeln wie die Karnickel). Auch ein dezenter Hauch von SM spielt eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete. Hie rist für mich der zweite Kritikpunkt: Meiner Meinung nach hätte ruhig etwas Abwechslung im Liebesspiel der beiden herrschen können. Oftmals war der Ablauf oder die Handlungen sehr ähnlich, was mich irgendwann sogar dezent gelangweilt hat. Nichtsdestotrotz muss man aber sagen, dass es zwischen Juliet und Adam heiß zur Sache geht und man die prickelnde Spannung förmlich spüren kann.

Abschließend ist zu sagen, dass mir „Romance Love“ schon deshalb sehr gut gefallen hat, weil beide Protagonisten Autoren sind. Eine heiße, aber doch emotionale Liebesgeschichte, die mich überzuegen konnte. Ich freue mich schon auf weitere Werke der Autorin.

Bewertung: 4/5 Sterne


[Blogtour] zu Thomas Thiemeyers „Evolution“ ~ Tag 5 ~ My long way home

2016-08_Blogtour_Thiemeyer

Ich begrüße euch ganz herzlich zum 5ten Tag der Blogtour zu Thomas Thiemeyers „Evolution“. Heute möchte ich euch den beschwerlichen Weg meines Exemplars in Bildern zeigen. Ganz einfach hatte es das gute Stück nicht, bis es bei mir war … Aber hey, ich möchte nicht vorgreifen … Also nehmt euch einen Keks, macht es euch bequem und … Action!

 

busch

Als ich wieder zu mir komme, ist die Welt eine andere … Plötzlich ist die Zivilisation fort. Es herrscht eine beunruhigende Stille. Lediglich das Zwitschern der Vögel und das Rascheln der Blätter im Wind ist zu hören. Unheimlich. Erschüttert stellt ich fest, dass ich mitten im Grünen liege und von meiner Leserin keine Spur ist. Es wird Zeit. Ich musst mich auf den Weg machen. Auf den Weg nach Hause, schließlich möchte ich gelesen werden!

Hecke

 

Zum Glück wurde mein Sturz abgefangen, denn ich lande auf weichem Moos. Hach, das ist eigentlich ziemlich kuschlig, aber: NEIN! Ich muss nach Hause! Meine Leserin wartet schon ungeduldig auf mich und ich darf mich auf keinen Fall von solchen Dingen ablenken lassen. Außerdem bin ich ein bisschen froh, dass hier ein Zaun ist, denn dahinter machen irgendwelche Bestien ganz furchtbare Geräusche …

 

Baum

Um mir einen besseren Überblick zu verschafften, erklimme ich zunächst einen Baum. Das ist eine ganz schöne Plackerei. Ohne Hände und Beine könnt ihr euch sicher vorstellen, WIE schwer das ist … Von dort oben sehe ich allerdings, dass mich ein wilder Park von meinem Zuhause trennt. Deshalb heißt es: Keine Müdigkeit vorschützen und nichts wie weiter!

 

Bank

 

Als ich den Park endlich erreiche (nicht vergessen, ich habe keine Beine! Daher dauert alles etwas länger …), steht die Sonne schon recht tief und ich muss erst einmal eine Verschnaufpause einlegen. Der Wind frischt auf und eine leichte Gäsehaut überkommt mich. Eigentlich ist die Aussicht ganz schön, aber leider eben auch sehr einsam …

 

Wiese

Nachdem ich mir mit einem wilden Eichhörnchen eine harte Verfolgungsjagd geliefert habe, komme ich endlich auf dieser Weise an. Man spürt sofort, dass hier schon länger niemand mehr gewesen ist, denn die Umgebung ist zugewuchert, verwildert und die Atmosphäre mit Spannung aufgeladen. Es ist an der Zeit, mir einen Schlafplatz zu suchen …

 

schlaf

 

Während die Sonne untergeht, rolle ich mich einsam unter dieser Tanne zusammen. Mir ist kalt. Nicht nur körperlich. Auch emotional fehlt mir meine Leserin. Als Buch ist es ganz schon hart, wenn man niemanden hat, der einen liest … davon leben wir doch schließlich!

 

 

mauer2

Am nächsten Morgen setze ich meinen Weg fort. Welche Geräusche ich in der Nacht gehört habe, möchtet ihr lieber nicht wissen, da haben sich mir die Seiten aufgestellt … Gruselig. Aber nun bin ich auf dem richtigen Weg. Dieser Mauervorsprung kommt mir zumindest schon mal sehr bekannt vor!

 

willkommen

 

 

DAS war meine Haustür! Ich habe es tatsächlich geschafft! Ich bin meiner Leserin ganz nahe … Auch die letzten Hindernisse würden mich nun nicht mehr aufhalten können!

 

 

 

treppe

 

Ok … Treppensteigen ohne Füße macht auch kein Spaß … Aber hey, gleich geschafft! (Warum wohnt meine Leserin noch mal im ersten Stock? *schnauf*)

 

 

tür

 

 

Schnell zur Tür rein … Die Wildnis kann mich mal! Ich bin einfach ein Stubenhocker respektive ein Hausbuch … Freigänger ist nichts für mich!

 

 

 

sessel

 

Der Lesesessel meiner Leserin! Endlich! Ich bin am Ziel angekommen. Was für eine beschwerliche Reise nach Hause …  Aber der Weg hat sich gelohnt, nun kann ich schöne Lesestunden bescheren!


Rezension zu Mara Langs „Girl in black“

Grunddaten:

Autor: Mara Lang

Titel: Girl in black

Hardcover: 400 Seiten

ISBN: 978-3764170639

Verlag: Ueberreuter

 

Klappentext:

Lia ist neunzehn, interessiert sich für Mode und hat ein besonderes Talent zur Designerin. Doch sie hat auch ein Geheimnis. Sie ist ein Seelenauge und kann die Gefühle anderer Menschen lesen und beeinflussen. Tattooartige Ranken zeichnen ihre Haut, wenn sie ihre Gabe einsetzt. Eine machtvolle Gabe, aufgrund derer sie für die italienische Mafia von großer Bedeutung ist. Als ihre Mutter stirbt, schafft Lia es, sich aus den Fängen der Mafia zu befreien, und flüchtet in ihre Heimatstadt Berlin. Hier versucht sie ein neues Leben zu beginnen, ohne die Familie, ohne ihre Gabe und ohne jegliche Gefühle. Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie schneller ein, als ihr lieb ist, und bringen nicht nur sie in Gefahr, sondern auch all ihre neugewonnenen Freunde – vor allem Nevio, in den sie sich gegen ihren Willen verliebt hat. Wird sie der Mafia entkommen?

Meine Meinung:

„Girl in black“ ist ein toller Genre-Mix aus Liebesgeschichte und Thriller inklusive Fantasyelementen. Nicht nur die authentischen Protagonisten haben mich überzeugen können, sondern auch die spanennden Verfolgungsjagden. Ein Roman, der mich durch und durch überrascht hat.

Wir bekommen diese fesselnde Story abwechelnd aus Sicht von Lia und Nevio erzählt, wobei Lias Anteil überwiegt, da es schlichtweg ihre Geschichte ist. Gerade wenn es um die Gefühle der Protagonistin ging, war die Wahl der Perspektive eine weise Entscheidung, weil Lia ein in sich gekehrter Typ ist und der Leser so aber verstehen konnte, was sie gerade bewegt. Der Schreibstil der Autorin war einfach nur bombastisch, weil ich schon lange keine Lektüre mehr lesen durfte, bei der ich innerhalb kürzester Zeit durch die gewählten Worte überzeugt wurde. Hier passt einfach jeder Satz. Spannung wird durch zackige Aussagen erzeugt, Gefühle werden auf den Punkt gebracht und Beschreibungen lassen doch soviel Raum, dass der Leser noch seine eigene Fantasie einsetzen kann. Hier muss ich wirklich ein großes Lob aussprechen!

Lia hat mir als Charakter sehr gut gefallen, weil sie ihren Weg geht und sich von nichts und niemandem ablenken lässt. Dabei geht sie aber keinesfalls skrupellos vor, sondern nimmt auch noch auf ihr Umfeld Rücksicht. Sie ist authentisch, weil sie ebenso wie jeder andere Mensch Fehler macht. Was sie allerdings von der Masse abhebt, ist, dass sie zu diesen Fehlern auch steht und sich Schwäche erlaubt. So wird Lia zu einem gewöhnlichen Mädchen, obwohl sie aufgrund ihrer Gabe eigentlich etwas Besonderes ist. Auch Nevio hat mich vollkommen überzeugen können, weil er ebenfalls sein Päckchen zu tragen hat. Er ist einfühlsam, aber doch frech und laut und aufregend. Als Paar sind die beiden einfach nur niedlich, weil der Leser von Anfang an spürt, dass zwischen Lia und Nevio eine starke Anziehungskraft herrscht. Auch hier muss ich noch mal positiv erwähnen, dass wir es nicht mit einer schmalzigen Lovestory zu tun haben, sondern mit echten Gefühlen, bei denen jeder der beiden Charaktere noch er selbst sein darf.

Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet und ergänzen sich perfekt. Hierbei bedient sich die Autorin auf Seiten der Mafia einiger Stereotype und Klischees, was ich aber nicht schlimm fand, weil der Fokus eben nicht auf diesen Personen liegen sollte. Ganz anders sieht es da schon wieder im direkten Umfeld von Lias Berliner Freunde aus: Hier haben wir es mit wahren Individueen zu tun, die alle auf die eine oder andere Art und Weise überraschen – sei es positiv oder negativ. Gerade bei den Charakteren hat die Autorin auf Vielschichtigkeit geachtet, die für Spannung sorgt und teilweise sogar Wendungen in der kompletten Geschichte nach sich zieht.

Den einzigen Minikritikpunkt muss ich beim Fantasyelement anbringen. Der Einstieg in der Thema Seelenmagie/Seelenauge ist zwar gelungen und ich konnte nachvollziehen, wie sich Lias Gabe äußert, allerdings war dann im mittleren Teil auf einmal ein Bruch, bei dem ich mich erst viel später fragte, wie er eigentlich zustande kam. Das hat mich ein bisschen gestört, weil ich es nicht immer nachvollziehen konnte. Leider kann ich hier nicht näher darauf eingehen, weil ich sonst spoilern müsste. Im letzten Drittel war dann aber wieder alles stimmig und insgesamt bin ich mit dem Fantasyanteil auch zufrieden, weil er sich dezent in die Story einfügt.

Das nächste Kompliment geht an die Spannung, denn ich habe diesen Roman fast in einem Rutsch verschlungen. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich fasziniert von Lias Geschichte und wie sie ihr Schicksal meistert. Aufgeben ist ein Wort, das sich nicht in ihrem Wortschatz befindet. Die Autorin hat das Tempo einfach perfekt getroffen, es ist immer was los, ohne dass man den Eindruck hatte, durch das Geschehen gehetzt zu werden. Besonders die zweite Hälfte war einfach unglaublich packend und Nerven aufreibend, weil es hier Schlag auf Schlag geht und wir mehr als eine Wendung oder (böse) Überraschung vorgesetzt bekommen.

Ich würde mir wünschen, bald mehr Romane dieser Art aus der Feder von Mara Lang lesen zu dürfen, weil mich der Schreibstil und die Charaktere überzeugen konnten. Wie die italienische Mafia mit Modedesign zu actionreichen Verfolgungen inklusive Fantasyelemten passt? Die Autorin hält mit „Girl in black“ die perfekte Antwort parat.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu J. Vellguths „Die unsichtbare Heldin“

Grunddaten:

Autor: J. Vellguth

Titel: Die unsichtbare Heldin (1)

Taschenbuch: 200 Seiten

ISBN: 978-1530273263

Verlag: keiner (Selfpublisher)

 

Klappentext:

Erfolglos bei ihrer Doktorarbeit. In den Augen ihres Vaters eine Niete. Und jetzt soll auch noch das Haus ihrer Eltern zwangsversteigert werden. Anja ist am Boden zerstört und weiß nicht mehr, was sie machen soll – bis ein Schild im Schaufenster eines Teeladens die Lösung all ihrer Probleme verspricht.
Aber sind die Dinge tatsächlich so einfach, wie sie scheinen? Und wofür darf sie ihre neuen Fähigkeiten überhaupt einsetzen?
Anja schlittert von einem moralischen Dilemma ins nächste, während sie versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Meine Meinung:

Bei „Die unsichtbare Heldin“ handelt es sich um den ersten Band der Superheldin-Trilogie von J. Vellguth. Die Autorin konnte mich mit einer neugierig machenden Hintergrundstory überzeugen, auch wenn ich deren Tiefe noch ein bisschen vermisst habe. Der Auftakt einer spannden Heldengeschichte.

Obwohl wir diese Story aus der Er-Perspektive erzählt bekommen und die Sicht eigentlich nie von der Protagonistin Anja weicht, hatte ich trotzdem nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Die Autorin verstand es, mit ihrem einfühlsamen Scheibstil die Emotionen von Anja zu transportieren und den Leser mit auf die Reise zu nehmen. Trotz des physikalischen Themas ist sie nie abgeschweift oder zu sehr ins Fachjagon gewechselt, sodass man als Leser stets folgen konnte.

Leider muss ich nun aber auch schon zum ersten Kritikpunkt kommen: die Protagonistin. Dass Anja anders ist und man sie sogar als typische Anti-Heldin bezeichnen könnte, finde ich gut. Dass sie aber teilweise so verbissen an manchen Dingen festhält, entbehrt sich jeglicher Logik. Ich konnte ihren Handlungen oft nicht folgen und fragte mich: Warum tut sie das jetzt? Für mich hat sie dadurch an Galubhaftigkeit verloren, was ich sehr schade fand. Auch die Liebesgeschichte konnte ich ihr nicht abnehmen, weil hier einfach alles viel zu schnell geht.

Ähnlich sieht es bei den Nebencharakteren aus. Gerade ihre beste Freundin war mir eigentlich total sympathisch und auf einmal trifft sie eine ziemlich harte Entscheidung, die man nicht wirklich nachvollziehen kann. Für mich war da leider ein krasser Bruch im Verhalten. Gut gefallen haben mir dagegen ihr Professor und Anjas Widersacherin an der Uni. Diese beiden Charaktere waren in sich stimmig und haben das Berufsleben der Protagonistin abgerundet.

Ich würde schon sagen, dass wir es mit einer spannenden Lektüre zu tun haben. Die Autorin hält sich zu Beginn nicht mit großen Ausführungen auf und springt direkt ins Geschehen, was ich durchaus positiv anmerken möchte. Allerdings hat sie es dann gegen Ende meiner Meinung nach zu gut gemeint. Da geschehen dann diverse Dinge Schlag auf Schlag und auch hier habe ich mich dann mehrmals gefragt: Was soll das jetzt? Für mich leider ein Fall von zu viel gewollt und übers Ziel hinausgeschossen. Ein realistisches und vor allem durchgeplantes Ende wäre hier schöner gewesen.

Trotz der Kritik möchte ich aber ganz klar sagen, dass ich auf jeden Fall die beiden anderen Teile lesen werde, weil mir die Hintergrundstory gut gefällt. Der Aspekt der Unsichtbarkeit war gut ausgearbietet und auch der Fakt, dass jede Magie einen Preis hat, konnte mich überzeugen. Deshalb bin ich gespannt, wie es mit Anja weitergeht. Ich würde die Lektüre zunächst dem Fantasygenre zuordnen, weil für mich noch nicht feststeht, ob wir es mit Magie oder Wissenschaft zu tun haben.

Ein typischer erster Teil, der in die Gesamtgeschichte einführt und mich trotz der angebrachten Kritikpunkte so weit überzeugen konnte, dass ich auf jeden Fall wissen möchte, wie Anjas Geschichte weitergeht. Ich würde mir eine Steigerung wünschen und lasse mich einfach mal überraschen.

Bewertung: 2,5/5 Sterne


Rezension zu Edward Lees „Muschelknacker“

Grunddaten:

Autor: Edward Lee

Titel: Muschelknacker

Taschenbuch: 192 Seiten

ISBN: keine

Verlag: Festa

 

Klappentext:

Die Brüder Esau und Enoch leben zufrieden am Sutherland Lake, irgendwo in der Einsamkeit Nordamerikas. Sie missbrauchen und quälen die dummen Stadtmenschen, die sich in ihr Reich verirren, und bereiten aus ihnen nach raffinierten Rezepten köstliche Speisen zu …

Meine Meinung:

Edward Lees „Muschelknacker“ beinhaltet wohl alles denkbare und auch unvorstellbare, was die menschliche Psyche sich an Abartigkeiten ausdenken kann. Menschen kochende Hinterwäldler und Brüder mit sexuellen Geheimnissen sind da nur ein Teil der Storyelemente.

Die Geschichte an sich ist klassisch in Kapitel unterteilt und wird uns von einem allwissenden Erzähler nähergebracht. Da die Geschehnisse immer wieder zwischen den Protagonisten hin und her wechseln, war dies eine gute Wahl, da man so als Leser das Gefühl hatte, immer direkt am Geschehen dran zu sein. Der Schreibstil ist direkt und schonungslos. Die Autoren nehmen wahrlich kein Blatt vor den Mund und reden auch nie lange um den heißen Brei herum. Gerade die Sprache der beiden Hinterwäldlerbrüder hat mir sehr gut gefallen, weil hier schon durch deren Artikulation klar wurde, wie anders sie sind.

Von Haupt- und Nebencharakteren möchte ich bei diesem Buch gar nicht sprechen, weil es hier so einige Personen gab, die eine zentrale Rolle zu spielen hatten. Jeder war irgendwie wichtig und hat die Story an sich vorangebracht. Dabei waren die Charaktergestaltungen wirklich individuell. Obwohl wir manche Menschen nur sehr kurz kennengelernt haben, hatte ich stats das Gefühl, sie tatsächlich zu kennen. Wie schon erwähnt, haben die Hinterwäldlerbrüder eine morbide Faszination auf mich ausgestrahlt. Obwohl sie fruchtbare Dinge tun, hatte ich dennoch das Bedürfnis, sie in Schutz nehmen zu müssen, weil für sie ja ein tieferer Sinn hinter dem ganzen Verhalten steckt.

Die Spannung ist durchweg vorhanden, was aber zum größten Teil daran liegt, dass das Erzähltempo sehr hoch ist auf den nicht ganz 200 Seiten. Ich habe die Geschichte so in einem Rutsch verschlingen können. Darüber hinaus muss ich aber auch sagen, dass die Personen stets in Bewegung waren und so eine gewisse Grunddynamik herrschte, die selbst bis zur letzten Seite nicht abgeflacht ist.

Wer sich für dieses Buch entscheidet, sollte definitiv keine schwachen Nerven haben. Wo Festa extrem draufsteht, ist auch Festa extrem drin. Gewalt, Sex und diverse Abartigkeiten sind auf jeder Seite Programm. Die menschliche Psyche kann sich gerade vom einen Schock erholen und bekommt sofort den nächsten präsentiert. Für Einsteiger ist dieses Buch nicht unbedingt geeignet, da gibt es „sanftere“ Lektüren aus dem Festa Verlag, die sich besser eignen würden. Für Leute mit empfindlichen Magen empfiehlt es sich auch, besser vorher nichts gegessen zu haben *zwinker*

Der einzige Minikritikpunkt meinerseits geht an die teils unlogisch langen Bewusstseinsspannen der Opfer. Für meinen Geschmack war das stellenweise zu lang, aber das mag wohl jeder anders empfinden.

Insgesamt eine abartige Lektüre für zwischendurch, die aber auf keinen Fall etwas für den Alltag ist (hier geschehen wirklich kranke Dinge). Überzeugende Charaktere und eine glaubwürdige Hintergrundstory runden „Muschelknacker“ als Psycho-Horror-Schocker ab.

Bewertung: 4,5/5 Sterne