Rezension zu Geneva Lees „Royal Passion“

Grunddaten:

Autor: Geneva Lee

Titel: Royal Passion (1)

Broschiert: 448 Seiten

ISBN: 978-3734102837

Verlag: blanvalet

 

Klappentext:
Auf ihrer Abschlussfeier an der Oxford University trifft Clara Bishop auf einen attraktiven Fremden. Ohne Vorwarnung zieht er sie an sich, küsst sie leidenschaftlich und verschwindet. Clara hat keine Ahnung, wer der Unbekannte ist – bis ein Bild von ihnen beiden in der Zeitung auftaucht: Ihr heißer Flirt ist Prinz Alexander von Cambridge, Thronfolger von England, königlicher Bad Boy …

Dieser Mann ist gefährlich, in ihm lauern Abgründe, die Clara ins Verderben stürzen können. Ist Clara dieser magischen Anziehungskraft gewachsen?

Meine Meinung:

„Royal Passion“ ist der erste Band einer sechsteiligen Reihe, rund um den Bad-Boy-Thronfolger Alexander von Cambrige und die reiche Bürgerliche Clara Bishop. Insgesamt ist die Thematik interessant, allerdings haben mich die sich immer wieder wiederholenden Sexszenen gestört und auch der Royal selbst konnte mich nicht überzeugen.

Wir bekommen diese prickelde Geschichte direkt aus Sicht der Protagonistin Clara erzählt. Für mich war das die perfekte Perspektive, weil Clara ein sehr sensibler Charakter ist und sich viele Gedanken zu verschiedenen Themen macht. So habe ich ihre Gedankengänge besser nachvollziehen können. Der Schreibstil ist flüssig und locker gehalten. Die Personen reden meistens, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Auf der einen Seite fand ich das gut, weil man so zeigen konnte, dass auch die Royals nur Menschen sind, aber auf der anderen Seite war es auch ein wenig unglaubwürdig, wenn selbst der König keine Etikette wahrt.

Mit Clara kam ich aus dem eben schon erwähnten Grund gut zurecht. Ich konnte ihre Handlungen verstehen und auch ihre innere Zerrissenheit war klar dargestellt und für mich glaubhaft. Sie ist die Sorte Charakter, die nach ihrer Stärke suchen und dabei eigentlich schon immer tough waren. Wie heißt es so schön? Stärke kommt von innen und man kann sie aus den Schwächen der Vergangenheit ziehen. Natürlich ist sie jetzt nicht unbedingt individuell gestaltet und füllt ziemlich viele Klischees aus, aber das ist bei dieser Story eher nebensächlich, weil hier ganz eindeutig das Sexleben der beiden im Vordergrund steht.

Mit Alexander hatte ich da schon mehr Schwierigkeiten, weil ich bei ihm einfach nicht durchblicken konnte. Das ist auch sicherlich so gewollt von der Autorin. Sein innerer Konflikt kommt zwar gegen Ende zum Vorschein, aber warum er so handelt, wie er handelt, kann man als Leser nicht wirklich verstehen. Man könnte jetzt natürlich sagen, dass das so sein muss, weil es sonst keine fünf Folgebände gäbe, aber ich konnte Alexander den Thronfolger von England leider nicht abnehmen. Das lag zum Teil auch daran, dass er sich immer wieder ganze Tage für das Liebesspiel mit Clara freischaufeln konnte, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu haben (wie geht das bitte?). Die Parallelen zu den richtigen Royals sind natürlich da und das hat es mir nicht gerade einfacher gemacht (Alex Mutter ist tot, der Vater ist griesgrämig, die Königinmutter herrscht momentan über England), weil es dann auch wieder große Diskrepanzen gibt (der jüngere Bruder ist der ruhigere und der ältere (Alexander) ist der Bad Boy, es gab noch eine jüngere Schwester usw.).

Die Story an sich ist eher flach und hat wenige Höhen und Tiefen. Es passiert auch nicht wirklich etwas Überraschendes, weil es ein ständiges Hin und Her zwischen Clara und Alexander ist. Während ihr schon von Anfang an klar ist, dass diese Verbindung zum Scheitern verurteilt ist, kommt er immer wieder auf sie zu und reißt sie weiter in den Abgrund.

Die Thematik ist ganz eindeutig der Sex zwischen den Protagonisten. Es gibt kein Kapitel, in dem nicht wenigstens einer der beiden einen Höhepunkt erlebt. Natürlich habe ich diese Lektüre aufgrund des prikelnden Themas gelesen und habe auch generell kein Problem damit, allerdings wurde der viele Sex ab der zweiten Hälfte wirklich langweilig. Immer wieder die gleichen Abläufe, auch die Formulierungen waren identisch und nach einer Weile wirklich ausgelutscht. Da hatte ich deutlich mehr erwartet, bzw. ein bisschen Abwechslung. Auch die Andeutungen zum Thema Dominanz waren eher armselig. Ich hatte zwischendurch den Eindruck, dass die Autorin 50 Shades of Grey im Kopf hatte und dann immer wieder davon ab kam. Mal ist es Alexander total wichtig und es kommt zum Krach deswegen und dann ist es wieder total nebensächlich, hauptsache Clara ist bei ihm. Das kann man dann nicht so richtig nachvollziehen.

Trotz der Kritik werde ich aber die Folgebände lesen, weil ich noch Hoffnung habe, dass das Drumherum besser wird. Die zarte Liebesgeschichte, die der Leser bisher entdecken durfte, hat nämlich durchaus Potential, das nun genutzt werden muss.

Bewertung: 2,5/5 Sterne


Rezension zu Andreas Hultbergs „Der Tod vergisst nie“

Grunddaten:

Autor: Andreas Hultberg

Titel: Der Tod vergisst nie

Broschiert: 352 Seiten

ISBN: 978-3863270346

Verlag: Divan

 

Klappentext:

Dr. Olaf Bock, Mitinhaber des renommierten Architekturbüros Bock & Partner, wird erschossen in seinem Büro in der Erfurter City aufgefunden. Ein Racheakt? Schnell wird deutlich, dass sich Bock durch seine skrupellosen Geschäftspraktiken zahlreiche Feinde gemacht hatte. Ins Visier der Ermittler gerät vor allem der Immobilienmakler Udo Greiling, der von Bock um Millionenbeträge geprellt und in den Ruin getrieben wurde. Da die Geschäftsanteile des Architekturbüros zu gleichen Teilen an Bocks geschiedene Frau und den verbliebenen Gesellschafter fallen, kann auch ein Mord aus Habgier nicht ausgeschlossen werden. Trotz intensiver Ermittlungsarbeit kommen die Kollegen der Mordkommission Erfurt dem Täter nicht auf die Spur, bis in Bad Sulza ein Mann mit derselben Tatwaffe erschossen wird. Der Ermordete war ebenfalls in der Baubranche tätig. Und er war Verdächtiger in einem Kinderpornographie-Prozess, in den auch ein Beamter aus höchsten Regierungskreisen Thüringens verwickelt ist…

Meine Meinung:

Mit „Der Tod vergisst nicht“ legt der Autor einen spannenden Regionalkrimi mit glaubhaften Charakteren und einer realistischen Hintergrundstory vor.

Was mir bei diesem Buch besoners gut gefallen hat, ist der flüssige Schreibstil und die dynamischen Dialoge. Gerade wenn die beiden ermittelnden Kommissare Christoph und Lina aufeinander treffen, gibt es hitzige Diskussionen, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Auch bei der Wahl der Perspektive ist der Autor geschickt vorgegangen, denn die laufende Story bekommen wir aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, da die Personen und Schauplätze oft wechseln und man so nie etwas verpasst. Dann gibt es zwischendurch aber immer wieder Ich-Passagen, die einen direkten Einblick in die Gefühlswelt des/der Täter/in ermöglichen.
Meinen einzigen Minikritikpunkt muss ich aber auch hier gleich anbringen, denn gerade zu Beginn hält sich der Autor sehr mit Personen- und Schauplatzbeschreibungen auf. Prinzipiell ist das angebracht, allerdings werden hier teilweise seitenlang Personen beschrieben, die dann im weiteren Verlauf gar keine Role mehr spielen. So ist mir der Einstieg ein wenig schwer gefallen, was sich dann zum Glück aber schnell gelegt hat.

Die Protagonistin Lina hat mich als leitende Ermittlerin überzeugen können. Sie steht in jeder Sitation ihre Frau und strahlt eine unglaubliche Stärke aus. Meiner Meinung nach hat der Autor es geschafft, eine gelungene Balance zwischen Arbeitsleben und Privatem hinzubekommen. Er hat mal keine Kommissarin erschaffen, die nur und auschließlich für die Arbeit lebt, sondern auch versucht, ein Privatleben zu führen.
Ihr Kollege Christoph bildet da einen krassen Kontrast. Ihm sind alle Mittel recht, um seine Karriere voranzutreiben und vor allem ist ihm Lina ein Dorn im Auge, weil er eine chauvinistische Ader hat. Nichtsdestotrotz können sich seine Kollegen auf ihn verlassen, wenn es darauf ankommt.

Auch der Rest vom Ermittlerteam war sympathisch und doch glaubwürdig. Jeder hat hier wohl sein Päckchen zu tragen, aber trotzdem konnten sie in ihren Rollen mehr als überzeugen (der hitzige Chef, der nicht aus der Ruhe zu bringende Kollege der Spurensicherung, die junge Kollegin, die gegen Vorurteile kämpfen muss). Selbst die Opfer wurden nach ihren Toden so gut dargestellt, dass man sich bildlich vorstellen konnte, wie sie wohl zu Lebzeiten gewesen sein mussten.

Die Spannung war nach dem bereits erwähnten Einstieg durchgängig vorhanden. Im Verlauf der Geschichte gibt es mehr als eine Wendung und auch die wahren Zusammenhänge offenbaren sich erst nach und nach. Gerade das Ende hat es dann noch einmal in sich, weil man eine ganze Weile nicht weiß, wer diese Taten verübt haben soll. Der Autor versteht es, ein wirres Netz aus Vermutungen zu weben, damit dem Leser die Spannung so lange wie möglich erhalten bleibt.

Wir haben es hier mit einem unblutigen (bis auf Tatortbeschreibungen und Autopsie) Krimi zu tun, der in Erfurt und Umgebug spielt. Allerdings hätte er auch an jedem anderen Ort stattfinden können, weil der Leser von Erfurt nicht viel mitbekommt. Selten werden ein paar bekannte Plätze erwähnt (z.B. die Krämerbrücke), aber das war es dann auch schon. Ich persönlich finde es ein bisschen schade, weil ich gerne mehr von Erfurt kennengelernt hätte. Ansonsten kann man sagen, dass die Ermittlungsarbeit im Vordergurnd stand, was ich aber auch genau so erwartet habe.

Insgesamt ein toller Krimi, der viele positive Überraschungen parat hält und vor allem durch sein tolles Charakterdesign und den flüssigen Schreibstil überzeugen konnte. Das war sicher nicht mein letztes Buch von Andreas Hultberg.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu Marcel van Driels „Pala – Das Spiel beginnt“

Grunddaten:

Autor: Marcel van Driel

Titel: Pala – Das Spiel beginnt (1)

Broschiert: 320 Seiten

ISBN: 978-3841503534

Verlag: Oetinger

 

Klappentext:

Überall auf der Welt spielen Jugendliche ein Online-Game, bei dem man Abenteuer auf der virtuellen Insel Pala bestehen muss. Auch Iris ist von dem Spiel begeistert – bis es plötzlich Realität wird. Denn die Insel gibt es wirklich. Und die besten Spieler werden nach Pala entführt und dort von Mr Oz, dem Erfinder des Spiels, zu Geheimagenten ausgebildet. Doch welches Ziel verfolgt Mr Oz, und wie kann man von der Insel entkommen? Fest steht nur eins: Auf Iris warten große Gefahren, und bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen kann …

Meine Meinung:

Mit „Pala – Das Spiel beginnt“ legt der Autor einen unglaublich spannenden ersten Teil einer neuen Jugendbuch-Trilogie vor. Mich konnten vor allem die authentischen Charaktere und das toll beschriebene Setting überzeugen, weil ich mich direkt zurechtgefunden habe.

Die Geschichte wird uns aus Sicht eines allwissenden Erzählers nähergebracht, da die Perspektive immer wieder zwischen verschiedenen Orten und Charakteren hin und her wechselt. Ich persönlich finde, dass der Autor einen sehr fesselnden Schreibstil hat, denn ich habe die Lektüre praktisch am Stück verschlungen und konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen! Schon die Kapitelüberschriften regen jeweils zum Nachdenken an, weil meist mit einem Wort umschrieben wird, was in diesem oder jenen Kapitel passiert, ohne bereits zu viel zu verraten.

Besonders gut haben mir auch die Ortsbeschreibungen des Autors gefallen. Gerade am Anfang, als Iris in den Niederlanden unterwegs ist, hatte ich das Gefühl, tatsächlich eine Stadtführung zu erhalten. Auch Pala und das System, das dort herrscht, wurden so authentisch – aber mit wenigen Worten und keineswegs ausschweifend – beschrieben, dass ich es mir vor meinem inneren Auge vorstellen konnte.

Iris als Protagonistin von „Pala“ konnte mich vor allem deshalb überzeugen, weil sie sich stets selbst treu geblieben ist. Sie ist eine typische (noch)-Dreizehnjährige, die sich mit den üblichen Problemen der Pubertät herumschlägt. Trotzdem lässt sie sich von ihren romantischen Gefühlen nicht beeinflussen, sondern geht ihren Weg – egal, wer oder was sich ihr in den Weg stellt. Selbst in Situationen, in denen man als Leser denkt, dass diese für einen Teenager nicht zu bewältigen sind, steht sie ihre Frau und gibt niemals auf. Dabei muss man vor Iris wirklich den Hut ziehen, denn durch den Tod des Vaters und die Differenzen mit ihrem Bruder sollte man eigentlich meinen, dass sie psychisch sowie emotional etwas mitgenommen sein sollte, aber selbst hier schafft sie es, ihre persönlichen Belange beiseite zu schieben, wenn es darauf ankommt.

Auch die Nebencharaktere sind authentisch gestaltet und vor allem individuell. Der Autor bedient sich bei diesem Buch keiner Stereotypen, sondern erschafft einzigartige Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dies kann vor allem daran liegen, dass auf Pala die unterschiedlichsten Nationalitäten zusammenkommen. Mir haben hier gleich mehrere Personen imponieren können, sodass ich insgesamt von einem gelungenen Charakterdesign sprechen kann.

Zunächst hatte ich gedacht, dass wir wieder eine Story à la Mädchen-wird-in-Videospiel-hineingezogen präsentiert bekommen, aber ich wurde hier eines Besseren belehrt. Auf was die Gesamtgeschichte hinausläuft, bzw. was der Plan von Mr Oz ist, ist zwar noch nicht abzusehen, doch das ist in einem ersten Teil ja auch noch nicht notwendig.

Die Spannung ist von Anfang an vorhanden und steigert sich zwischendurch immer wieder. Besonders das Ende hat dann einen fiesen Cliffhanger, sodass man am liebsten direkt mit Band zwei fortfahren möchte! Durch einige Wendungen, die man als Leser so nicht voraussehen konnte, wurde die Spannung noch zusätzlich angefacht. Auch der bereits erwähnte fesselnde Schreibstil hat sein Übriges dazu beigetragen.

Insgesamt kann ich nichts Negatives an dieser Lektüre finden und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, weil mir Iris und ihre Mitstreiter sehr ans Herz gewachsen sind. Besonders neugierig fiebere ich dem großen Finale entgegen, denn ich gehe davon aus, dass es noch spektakulär werden wird.

Bewertung: 5/5 Sterne


Rezension zu Alena & Alexa Colettas „Geteiltes Blut dot Com“

Grunddaten:

Autor: Alena & Alexa Coletta

Titel: Geteiltes Blut dot Com

eBook: 394 Seiten

ASIN: B01CJWYHIM

Verlag: Impress

 

Klappentext:

Die 17-jährige Julie Turner stammt dem Zweig einer traditionellen Vampirjägerfamilie ab, der durch ihre Eltern in Ungnade gefallen ist. Während ihr Cousin zusammen mit anderen Londoner Vampirjägern die Metropole beschützt, kann sie ihren Jagdtrieb lediglich als Hackerin beim Aufspüren gut geschützter Firewalls ausleben. Dabei trifft sie auf die von einem gewissen Mephisto betriebene Bluttauschbörse »Geteiltes Blut dot Com« und wird plötzlich doch noch für die Vampirjägergilde interessant. Sollte sie diesen Mephisto aufspüren, wird die Ächtung aufgehoben, so heißt es. Aber obwohl ihr der attraktive Val Devine, einer der besten jungen Vampirjäger, zur Seite steht, scheint Mephisto ihnen immer einen Schritt voraus zu sein – und bald weiß Julie nicht mehr, ob sie die Fäden noch selbst in der Hand hält oder längst zu einer Figur in Mephistos Spiel geworden ist…

Meine Meinung:

„Geteiltes Blut dot Com“ ist der erste Band der neuen Reihe rund um die Vampirjäger James, Juli und Val. Nicht nur die authentischen Charaktere konnten mich überzeugen, sondern auch eine interessante Hintergrundstory und ein flüssiger Schreibstil.

Das Buch ist klassisch in Kapitel unterteilt, wobei die Sicht innerhalb eines Kapitels zwischen verschiendenen Charakteren wechselt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, was das Lesen zu einem wahren Genuss macht. Auch die Dialoge sind super, denn die Sprache ist den einzelnen Personen angepasst und so entstehen teils hitzige Diskussionen, die mir persönlich einfach Spaß gemacht haben. Auch die neuen Medien sind in der Lektüre bedacht und so wird der Fließtext ab und zu durch Mails, SMS oder Kurznachrichten aufgelockert.

Die Protagonistin Julie war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist individuell ausgearbeitet und mal kein Stereotyp, der einem vorgegebenen Weg folgt. Schon alleine das Familiengefüge ist sehr speziell, den Julie wurde von ihrem Vater aufgezogen. Auch dass sie ihn beim Vornamen nennt, zeigt, dass sie ein Verhältnis haben, dass nicht alltäglich ist. Sie muss sich darüber hinaus noch mit der Vergangenheit herumschlagen, die ihr das Leben nicht einfacher macht, denn als Tochter von Verrätern in einem Clan von Vampirjägern Fuß zu fassen, gestaltet sich mehr als schwierig. Trotz der ganzen Unwegsamkeiten kässt sie sich aber nicht unterkriegen und steht für ihre eigenen Überzeugungen ein.
Die beiden männlichen Protagonisten könnten wohl nicht unterschiedliher sein. Während James (Julies Cousin) im Pflichtbewusstsein der Mutter steht und ihr mit blindem Vertrauen folgt, vertraut Val nicht mal sich selbst. Er ist wohl der Bad Boy der Story und hat trotzdem meine Smpathiepunkte von Anfang an eingestrichen, während mir James stets distanziert erschien.

Auch die Nebencharaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Besondes Lily White hat mich fasziniert, weil sie eine geheimnisvolle Aura umgibt. Sie ist im Verlauf der Story für mehr als eine Überraschung gut und facht so die Spannung noch zusätzlich an.

Die Spannung an sich ist ab dem zweiten Drittel durchgängig vorhanen und steigert sich zum Ende hin sogar noch. Mein einziger Minikritikpunkt geht an das erste Drittel. Bis auf ein paar Szenen, in denen etwas mehr los ist, dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte richtig in Schwung kommt und den Leser packt. Da es sich um den ersten Teil einer Reihe hanelt, war das für mich aber nicht wirklich tragisch, weil man ja erstmal die Personen vorstellen muss. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die weiteren Teile, weil noch einige Fragen am Ende offen bleiben.

Das Thema Vampire und Vampirjäger ist zwar nicht neu, aber gut umgesetzt, weil der Fokus nicht uf den Vampiren an sich liegt. Es gibt hier also nicht die klassischen Szenen, in denen Menschen ausgesaugt werden, sondern eher actiongeladene Kämpfe und wilde Verfolgungsjagden. Mich konnte die Welt, die die Autorinnen erschaffen haben, überzeugen, denn das Hauptaugenmerk liegt auf den Charakteren.

Insgesamt ein gelungener erster Teil, bei dem mich vor allem das tolle Charakterdesign packen konnte. Hoffentlich erscheint bald Teil zwei!

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu Lynn Summers „Secret Desire“

Grunddaten:

Autor: Lynn Summers

Titel: Secret Desire

Broschiert: 700 Seiten

ISBN: 978-3734753398

Verlag: Selfpublisher

 

Klappentext:

Während eines Interviews mit dem Inhaber von Cunningham Construction lernt Maya dessen attraktiven und charmanten Sohn Julian kennen. Sie ist sofort fasziniert von ihm, doch Julian ist bereits vergeben. Was sie nicht ahnt. Auch Julian kann sie nicht vergessen. Wären da nicht Melissa, Julians eifersüchtige Verlobte, sowie sein Bruder Jayden, der ebenfalls ein Auge auf Maya geworfen hat und vor nichts zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen. Werden Maya und Julian ihr Glück finden können?

Meine Meinung:

„Secret Desire“ ist ein Sammelband der Liebesgeschichte rund um Julien Cunningham und Maya Shepherd. An und für sich hätte die Lektüre echt nett sein können, allerdings haben die unlogischen Handlungen der Protagonistin hier einen Strich durch die Rechnung gemacht.

An und für sich hat mir der Schreibstil eigentlich gut gefallen, denn er ist locker gehalten und die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund – Direktheit finde ich gut. Zu viel davon ist dann allerdings schon wieder unsexy. Gerade bei den erotischen Szenen war mir die Sprache oft zu vulgär, sodass ich dem Charakter sein „brennendes Verlagen“ nicht abkaufen konnte. Auch die vielen Wortwiederholungen (unglaublich, anziehend etc.) haben mich das Buch des öfteren aus der Hand legen lassen.

Für mich am Schlimmsten war alledings die Protagonistin selbst. Sie hat sich teilweise so unpassend verhalten, dass ich das Lesen unterbrechen musste, weil ich mich über sie geärgert habe. Dass nicht immer alle Personen in jeder Situation logisch agieren, ist ein Ordnung. Wenn sie das aber permanent tun und dann auch noch in Extremsituationen, dann kann ich da leider nicht mehr folgen. An sich war Maya mir zu Beginn eigentlich auch sympathisch, aber das hat sich dann leider schnell gelegt. Bei Julien war es etwas besser. Er hat zwar zwischendurch auch ein paar merkwürdige Entscheidungen getroffen, generell konnte ich ihm seine Rolle aber eher abkaufen. Die beiden könnten ein wirklich tolles Paar sein, wenn nicht ständig und permanend der Sex im Vordergrund stehen würde. Ich habe überhaupt nichts gegen solche Szenen, aber bei dieser Lektüre waren sie einfach zu oft und dann auch meistens noch sehr hektisch und gehetzt, was ich persönlich schade fand.

Die Nebencharaktere waren für mich am glaubwürdigsten und haben auch die meisten Überraschungen parat gehalten. Hier scheint die Autorin genau festgelegt zu haben, wer in welche Rolle schlüpfen soll und hat sie diese auch stringent durchführen lassen. Ein Kompliment also für die Nebendarsteller der Story, denn sie waren durchweg authentisch.

Die Hintergrundstory (Redakteuerin verliebt sich auf den ersten Blick in reichen Immobilienmogul mit leicht dominanter Ader) ist zwar nicht neu, aber prinzipiell mit eigenständigen Elementen versetzt. Leider bedient sich die Autorin auch hier ziemlich vieler Klischees, um Mayas und Juliens Lovestory abzurunden. Mir tut es furchtbar leid, dass ich so viele negative Worte finden muss, da ich weiß, wie viel Arbeit hinter einem Roman steckt, aber meine Hoffnungen ruhen definitiv auf den anderen Werken von Frau Summers.

Die Spannung war zwischendurch vorhanden, wurde aber durch die vielen übertriebenen Darstellungen (was Maya alles innerhalb kürzester Zeit verkraften muss, reicht für mehr als ein Leben) oft ausgehebelt, weil irgendwann einen nichts mehr überrascht hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Secret Desire“ und ich keine Freunde wurden, ich aber einem anderen Roman der Autorin noch mal eine Chance geben werde.

Bewertung: 2/5 Sterne


Rezension zu J. Vellguths „Die Welt zwischen den Zeilen“

Grunddaten:

Autor: J. Vellguth

Titel: Die Welt zwischen den Zeilen

Taschenbuch: 210 Seiten

ISBN: 978-1523796007

Verlag: Selfpublisher

 

Klappentext:

Isabel hat eine unglaubliche Fähigkeit, die es ihr erlaubt, in die Welt der Bücher einzusteigen und dadurch mitten im Leben der Romanfiguren zu existieren. Allerdings immer nur als unbeteiligte Beobachterin. Zumindest bis zu dem einen Tag, an dem sich alles ändert und Aschenputtels Prinz plötzlich mit ihr spricht. Es entsteht eine Liebe, die so überwältigend, surreal und hoffnungslos ist, dass Isabel sich selbst darin zu verlieren droht.

Meine Meinung:

Mit „Die Welt zwischen den Zeilen“ hat die Autorin einen magischen Roman vorgelegt, der mich definitiv überzeugen konnte. Eine eigenwillige Protagonistin und eine tolle Grundidee, die zwar nicht neu, aber gut umgesetzt ist.

Da es sich um die Geschichte von Isabel handelt, erhalten wir durch den direkten Schreibstil auch einen entsprechenden Einblick in ihre Gefühlswelt. Mir hat die Ausdrucksweise der Autorin sehr gut gefallen, weil sich die Geschichte flüssig lesen ließ. Natürlich liegt es auch daran, dass das Büchlein nicht allzu viele Seiten umfasst. Im Nachhinein habe ich nun auch gesehen, dass diese Lektüre der zweite Band der Aschenputtel-Reihe ist, allerdings kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen (eventuell gibt es hier ein paar Spoiler zu Teil eins).

Isabel war eine solide Protagonistin. Sie hat stets ihre Rolle ausgefüllt und immer so agiert, wie man es von ihr erwartet hat. Das ist eigentlich eine Sache, die mich sonst stört, aber in diesem Fall war es irgendwie angebracht, weil sie sich so in das Märchenthema eingefügt hat. Auch von ihrer Familie und Freunden haben wir eher weniger erfaren, weil es für Isabels und Leos Geschichte nicht wichtig war. Leo war eher defensiv. Zunächst hatte man das Gefühl, dass er sich vollkommen seinem vorgegebenen Weg hingeben muss, aber dann hat er doch noch für eine Überraschung gesorgt. Womit ich ab und zu meine Probleme hatte, war die Liebesgeschichte zwischen den beiden. Hier ging alles sehr schnell und ich hatte so meine Zweifel, ob die Gefühle wirklich echt sind.

Die Nebencharaktere waren eher weniger stark vertreten, was aber absolut in Ordnung war, weil in dieser kurzen Geschichte auch gar kein Platz für weitere große Auftritte gewesen wäre. Umso mehr hat es mich gewundert, dass eine beste Freundin erwähnt wird, wenn sie eigentlich gar keine Bedeutung für die Handlung hat.

Ich finde, dass die Autorin die Hintergrundstory gut umgesetzt hat. Zwar hätte ich mir vielleicht noch ein paar Details zur Familiengeschichte gewünscht, um mehr über die Gabe zu erfahren, die Isabels und ihre Vorfahren in Bücher reisen lässt, aber insgesamt war ich zufrieden. Lediglich der Schluss war für mich ein bisschen gehetzt, was aber auch mein einziger richtiger Kritikpunkt ist. Hier hatte ich das Gefühl, dass die Autorin fertig werden möchte und nicht mehr unbedingt auf eine logische Handlungsweise geachtet hat.

Besonders nett fand ich den krassen Switch zwischen der realen Welt im Studentenwohnheim und dem phantastischen Setting im Märchenbuch. Gerade hier waren die Beschreibungen so detailliert, dass man sich als Leser die Umgebung bestens vorstellen konnte und tatsächlich das Gefühl hatte im düsteren Wald oder im prunkvollen Schloss auf dem Ball zu sein.

Insgesamt hat mir „Die Welt zwischen den Zeilen“ gut gefallen. Die meisten Charaktere konnten mich überzeugen und auch zu den Zeitsprüngen zwsichen den einzelnen Szenen im Buch hat sich die Autorin genügend Gedanken gemacht, damit ich die Handlungen nachvollziehen und als authentisch empfinden konnte. Ich freue mich schon auf die weiteren Bücher der Autorin, weil mich ihr Schreibstil positiv überraschen konnte.

Bewertung: 4/5 Sterne


Rezension zu Max Rhodes „Die Blutschule“

Grunddaten:

Autor: Max Rhode

Titel: Die Blutschule

Broschiert: 272 Seiten

ISBN: 978-3404172672

Verlag: Lübbe

 

Klappentext:

Eine unbewohnte Insel im Storkower See
Eine Holzhütte, eingerichtet wie ein Klassenzimmer
Eine Schule mit den Fächern: Fallen stellen. Opfer jagen. Menschen töten.

Die Teenager Simon und Mark können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien, doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich durch die Rechnung. Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird …

Meine Meinung:

Max Rhodes „Die Blutschule“ ist ein kurzweiliger Psychothriller, der mich leider nich vollkommen überzeugen konnte. Individuelle Charaktere treffen auf ein interessantes Setting, allerdings hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Wir bekommen diese brutale Geschichte aus Sicht des Protagonisten Simon erzählt, der hierfür eine Tagebuchvariante gewählt hat. Die Perspektive war besonders spannend, weil wir so direkt am Geschehen dran waren und auch die Gedankengänge von Simon unmittelbar mitbekamen. Oft war das hilfreich, weil Simon ein eher in sich gekehrter Junge ist. Da es ja kein Geheimnis mehr ist, dass hinter Max Rhode kein geringerer als Sebastian Fitzek steckt, ist der Schreibstil wieder gewohnt spannend und flüssig.

Der Protagonist der Geschichte lässt mich ein bisschen ratlos zurück. Die Schilderungen und sein Verhalten in den Rückblenden sind absolut authentisch und ich habe ihm zu dieser Zeit auch jede Handlung abgekauft. Allerdings fehlt mir zum „heutigen“ Simon ein bisschen der Übergang. Für mich sind das quasi zwei verschiedene Personen, die so nichts miteinander zu tun haben. Insgesamt ist seine Jugend super geschildert und ich hatte tatsächlich einen pubertierenden 13jährigen vor Augen, der von seinem Gefühlsleben hin und her gerissen ist.

Die Nebencharaktere waren gut ausgearbeitet. Gerade in Simons Familie hat jeder seine Rolle gespielt und war für die ein oder andere Überraschung gut. Ich hatte das Gefühl tatsächlich etwas über die Familienmitglieder zu erfahren, obwohl eigentlich nur an der Oberfläche gekratzt wurde, was die Vergangenheit und Motivation der jeweiligen Personen angeht. Auch bei den anderen Charakteren (Sandy, Stotter-Peter, Raik) hat mir so das gewisse Etwas gefehlt, obwohl sie die Geschichte durch ihre pure Anwesenheit abrunden und gestalten.

Die Hintergrundstory an sich war spannend gesaltet und da das Buch auch nicht allzu vele Seiten umfasst, lässt sich die Lektüre recht flott weglesen. Zwischendurch gab es ein paar spannende Entwicklungen, aber zu Beginn hat es etwas gedauert, bis die Story in Gang gekommen ist. Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen. Auf einmal ging alles sehr schnell und generell war die zweite Hälfte des Buches eigentlich nur noch von Gewalt und Folter geprägt. Mir persönlich war der Anteil zu groß, bzw. nicht optimal genug verteilt im Vergleich zur ersten Hälfte.

Ich würde sagen, dass es sich um ein typisches Buch der Kategorie „Kann man lesen, muss man aber nicht“ handelt. Definitiv nicht Fitzeks Meisterstück, aber auch nicht grundlegend langweilig. Für mich waren die Hintergründe zu konstruiert, was wohl Absicht gewesen ist. Aber das ist wohl einfach Geschmackssache.

Bewertung: 3/5 Stern


Rezension zu Jojo Moyers „Eine Handvoll Worte“

Grunddaten:

Autor: Jojo Moyers

Titel: Eine Handvoll Worte

Broschiert: 592 Seiten

ISBN: 978-3499267765

Verlag: Rowohlt

 

Klappentext:

1960. Jennifer Stirling müsste eigentlich glücklich sein: Sie führt ein sorgloses Leben an der Seite ihres wohlhabenden Mannes. Doch ihr Herz gehört einem anderen – und er bittet sie, alles für ihn aufzugeben.

2003. Ellie Haworth hat ihren Traumjob gefunden: Sie ist Journalistin bei einer der führenden Zeitungen Londons. Eigentlich müsste sie glücklich sein. Doch der Mann, den sie liebt, gehört einer anderen.

Eines Tages fällt Ellie im Archiv ein Jahrzehnte alter Brief in die Hände: Der unbekannte Absender bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen und mit ihm nach New York zu gehen. Als Ellie diese Zeilen liest, ist sie erschüttert. Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Sie stellt Nachforschungen an und stößt auf Jennifer: eine Frau, die alles verloren hat. Alles, außer einer Handvoll kostbarer Worte.

Meine Meinung:

„Eine Handvoll Worte“ ist mein erster Roman der Autorin Jojo Moyers gewesen, aber sicherlich nicht der letzte, denn diese berührende Geschichte konnte mich durch authentische Charaktere und einen tollen Schreibstil überzeugen.

Wir bekommen die Geschichte von Jennifer und Anthony aus zweierlei Perspektiven erzählt. Dabei treffen sich die Handlungsstränge aus Vergangenheit und Zukunft nicht nur einmal und schaffen so eine tolle Atmosphäre. Was ich bisher noch nicht erlebt habe, ist, dass die Rückblenden tatsächlich auch in der Vergangenheitsform geschrieben sind, während die aktuelle Handlung im Präsens geschildert wird. Das finde ich originell und auch gut gelöst. Generell hat mir der Schreibstil von Frau Moyers gut gefallen, weil er zwar etwas gehobener ist, aber eben doch sehr einfühlsam. Die Briefe, die sich Antony und Jennifer schicken, lockern den Roman auf und schaffen zusätzlich Spannung.

Die beiden Protagonistinnen Jennifer und Ellie sind sich auf ihre eigene Art und Weise sehr ähnlich. Obwohl sie zu verschiedenen Zeiten leben, stehen sie doch für ihre Sache ein und gehen ihren Weg. Jenny hat es dabei aber bedeutend schwerer, da die 60er Jahre eben doch noch an Konventionen und das gesellschaftliche Ansehen gebunden sind. Frau Moyer hat es geschafft, ein realistisches Bild der damaligen Zeit zu erschaffen. Ich habe Jenny jede Emotion und jede Handlung einhundertprozentig abnehmen können. Ellie verkörpert hingegen das moderne Frauenbild, hat es aber trotzdem nicht einfach. Ihr innerer Konflikt ist nachvollziehbar und sie authentisch.

Die Autorin hat die Anzahl der Nebencharaktere gering gehalten, was ich persönlich gut finde. Sie hat sich hier eher darauf konzentriert, ihnen eine Stimme zu verleihen, was ihr definitiv gelungen ist. Gerade Jennys Freunde und Ellis Arbeitskollegen runden das Gesamtbild ab. Am besten hat mir jedoch Anthonys Vorgesetzter gefallen. Erscheint er auf den ersten Blick mürrisch, so offenbart er im Verlauf doch seine weiche Seite und ist für die ein oder andere Überraschung gut.

Die Geschichte hat mich von Anfang an so gepackt, dass ich das Buch an einem Wochenende ausgelesen habe. Dabei haben der Schreibstil und die ineinander verschlungenen Handlungsstränge keine unbedeutende Rolle gspielt. Zudem hält die Story mehr als eine Überraschung für den Leser bereit. Bis zum Schluss kann wirklich noch alles passieren. Teilweise weiß man sogar gar nicht, wo man sich jetzt zeitlich genau befindet, bzw. muss das für sich erstmal sortieren. Das finde ich aber nicht schlimm, sondern sogar gut, weil man selbst noch ein bisschen nachdenken muss.

Wir haben es hier natürlich mit einem Liebesroman zu tun. Allerdings fand ich die Umsetzung sehr gelungen, weil es zu keiner Zeit kitschig wurde. Im Gegenteil, Jenny geht mit diesem Thema sehr verantwortungsvoll um und bremst sich eher selbst aus.

Insgesamt hat mich dieser Roman überzeugen können. Hier hat für mich einfach alles gestimmt: Setting in England und Frankreich, hitzige Dialoge, Sehnsucht, Leidenschaft, die ganz große Schuldfrage und eine Liebe, die die Jahre überdauert. Ich bin jetzt definitiv ein Jojo Moyer-Fan und werde mich demnächst weiterer Lektüren der Autorin widmen.

Bewertung: 4,5/5 Sterne


Rezension zu Anna Kuschnarowas „Das Herz von Libertalia“

Grunddaten:

Autor: Anna Kuschnarowa

Titel: Das Herz von Libertalia

Hardcover: 461 Seiten

ISBN: 978-3407811875

Verlag: Beltz & Gelberg

 

Klappentext:

Irland, um 1700: Anne Bonny kommt als uneheliches Kind zur Welt und wird von ihrem Vater als Junge aufgezogen. Die Männerkleider verschaffen ihr Vorteile, aber Anne will sie selbst sein. Als junge Frau gilt sie als die »verlockendste und herausforderndste Schöne« von ganz Charles Towne. Doch »irgendeinen dieser gelackten Affen heiraten«? Nie im Leben! Zu groß ist Annes Hunger nach Freiheit, zu stark ihr Traum vom wilden Leben im sagenhaften Piratenreich »Libertalia«. Annes Herz entflammt für den Piratenkapitän James Bonny – sie brennt mit ihm durch und geht auf wüste Kaperfahrt durch die Karibik …

Meine Meinung:

Mit „Das Herz von Libertalia“ hat die Autorin einen spannenden Piratenroman geschrieben. Besonders die Individualität der Frauenrolle steht hier im Vordergrund und wurde meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt.

Die Story um Anne Bonny wird uns direkt aus ihrer Perspektive berichtet. Für mich war das die beste Wahl, denn so konnten wir auch an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Da sie sich eher wie ein Mann gibt, denkt sie eben auch wie einer und so ist sie mehr in sich gekehrt und macht viele Probleme nur mit sich selbst aus. Aufgrund der Perspektivenwahl ist der Leser aber zu jeder Zeit bestens informiert und verpasst nichts. Der Schreibstil von Frau Kuschnarowa ist zwar dem Zeitalter angepasst (gerade in den Dialogen), aber herrlich unkompliziert gehalten, sodass man die Geschichte flüssig lesen kann.

Anne hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen, weil sie für das 18. Jahrhundert eine absolute Ausnahme darstellt. Die ersten Jahre als Junge aufgewachsen, muss sie sich plötzlich als Dame in den elitären Kreisen zurechtfinden. Dabei bleibt sie sich aber stets selbst treu und fürchtet keine Konsequenzen. Sie ist furchtlos, stur und ein absoluter Wirbelwind, der dem Leser viele interessante Lesestunden beschert. Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass sie nicht nach Männlein und Weiblein entscheidet, sondern die Menschen, die ihr wichtig sind, als Gefährten ansieht. Das verleiht ihr meiner Meinung nach eine unglaubliche Charakterstärke.

Die Nebencharaktere waren eher Stereotypen, aber das hat mich nicht weiter gestört, weil sie ihre Rollen gespielt und sich in das Gesamtgeschehen eingefügt haben. Das Hauptaugenmerk sollte definitiv auf Anne liegen, was für mich absolut in Ordnung war – immerhin ist es ihre Geschichte. Das soll aber nicht heißen, dass mir die Nebencharaktere nicht gefallen hätten. Auch hier hat man gemerkt, dass sich die Autorin Gedanken zur Charaktergestaltung gemacht hat und ihr manche Personen am Herzen hingen.

Die Geschichte startet mit einer Rückblende und beginnt dann chronologisch. Die Spannung baut sich zunächst langsam auf, steigert sich dann aber zügig und gerade das Ende ist dann noch mal sehr packend. Mein einziger Kritikpunkt geht an das mittlere Drittel, was ich teilweise als etwas zäh empfunden habe, da alles ziemlich ausführlich beschrieben wurde. Hier hätte ein kleiner Zeitraffer vielleicht für mehr Spannung gesorgt, aber das ist nur mein persönliches Empfinden.

Das Piratenthema war für mich authentisch umgesetzt. Gerade weil eine Frau die Hauptrolle der Geschichte inne hat, war dieses Buch innovativ. Natürlich gibt es hier auch schon andere Lektüren, aber die Anlehnung an die echte Anne Bonny hat mich überzeugen können.

Insgesamt haben wir es mit einem historischen Abenteuer zu tun, das so viel mehr als furchtlos Kämpfe zu bieten hat. Werte wie Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit und Kaeradschaft stehen hier definitv im Vordergrund. Ich würde mich freune, bald mehr von der Autorin lesen zu können.

Bewertung: 4/5 Sterne


Rezension zu Kai Meyers „Die Seiten der Welt“

Grunddaten:

Autor: Kai Meyer

Titel: Die Seiten der Welt

Hardcover: 560 Seiten

ISBN: 978-3841421654

Verlag: Fischer

 

Klappentext:

Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Familie birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie und die Macht der Worte entfesseln.
Doch dann wird ihr Bruder entführt, und Furia muss um sein Leben kämpfen. Ihr Weg führt sie nach Libropolis, die Stadt der verschwundenen Buchläden, und an die Grenzen der Nachtrefugien. Sie trifft auf Cat, die Diebin im Exil, und Finnian, den Rebellen. Gemeinsam ziehen sie in den Krieg – gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher.

Meine Meinung:

„Die Seiten der Welt“ ist der erste Band der neuen Fantasy-Trilogie von Kai Meyer. Der Autor legt mit diesem magischen Werk einen starken Auftakt vor, der Lust auf die weiteren Teile macht.

Obwohl diese Story in der Er-Perspektive verfasst ist, hatte ich nicht den Eindruck, etwas zu verpassen. Im Gegenteil: Ich war zu jedem Zeitpunkt bestens informiert und immer direk am Geschehen dran. Dies war zum Beispiel von Vorteil, wenn zwischen den Protagonisten hin und her geschwenkt wurde. So hatte man alles im Blick. Durch den direkten Schreibstil des Autors hat man auch einen unmittelbaren Einblick in die Gefühlswelt der jeweiligen Charaktere erhalten, was mir sehr gut gefiel. Die malerischen Beschreibungen haben den Gesamteindruck des durchweg positiven Stils Meyers noch zusätzlich abgerundet. Aber ehrlich gesagt, habe ich hier nichts anderes erwartet, denn der Autor hat mich bisher nie enttäuscht.

Furia war von Beginn an direkt eine Freundin für mich. Ich habe mich persönlich abgeholt gefühlt. Nicht nur, dass sie sehr individuell ist, nein, sie hat auch in jeder noch so brenzligen Situation ihre Frau gestanden und war in Anbetracht der Umstände wirklich tough. Dabei hat sie zu keinem Zeitpunkt ihre Glaubwürdigkeit verloren. Für mich eine perfekte Protagonistin, die dem Leser einfach Spaß macht. Noch dazu kommt, dass sie sich nicht mit solchen Dingen wie der ersten großen Liebe herumschlagen musste (oder sich davon hätte ablenken lassen), sondern mal die Familie im Vordergrund stand, was eine erfrischende Abwechslung war.

Auch Cat und Finnian haben mich als Hauptcharaktere überzeugen können. Während Cat meist überlegt vorgeht, ist Finnian eher der hitzige Typ. Zusammen sind die beiden wirklich niedlich und man spürt, dass deren Gefühle füreinander echt sind. Generell hat sich Herr Meyer sehr viel Mühe mit der Charaktergestaltung gegeben und das merkt man eben auch – und zwar im absolut positiven Sinne.

Die Spannung hat nach einer kurzen Einführung der Charaktere und Gegebenheiten unmittelbar eingesetzt und sich zum Schluss hin sogar noch gesteigert. Prinzipiell konnte ich das Buch ohnehin nicht aus den Händen legen, weil mich die Geschichte unglaublich gefesselt hat. Zwar waren hier keine überraschenden Wendungen zu verzeichnen, aber das hatte dieser erste Band meiner Meinung nach auch gar nicht nötig. Was mich dann aber doch verwundert hat, war das relativ abgeschlossene Ende. Einige Fragen bleiben offen, aber wenn ich nicht gewusst hätte, dass es noch zwei Folgebände gibt, hätte ich gedacht, das wars nun.

Die Fantasywelt, die rund um Libropolis und die Bibliomantik erschaffen wurde, ist einfach nur mitreißend. Der Gedanke, aus Büchern Magie schöpfen zu können, ist faszinierend und für jede Leseratte wohl ein absoluter Traum. Die Idee dahinter war für mich innovativ und gut umgesetzt. Ich konnte mir die sprechenden Bücher tatsächlich vorstellen und war total verzaubert vom tollen Setting in England.

Insgesamt lässt sich sagen, dass ich sehr froh bin, dass bereits Teil 2 und 3 erschienen sind, denn ich bin noch nicht bereit, Furia sowie Cat und Finnian gehen zu lassen.

Bewertung: 5/5 Sterne